18.11.2025 – Tag 179
Die Nacht war durchwachsen. Ich war mehrere Male wach und konnte um 2:30 lange nicht wieder einschlafen. Ich hatte das beim wildcampen schon öfter. Teilweise wache ich auf und meine Gedanken über alles mögliche lassen sich einfach nicht stoppen. Wenn ich mehrere Male aufwache und jedes Mal ist erst eine Stunde vergangen oder so, können Nächte wirklich ewig erscheinen. Außerdem müsste ich 2 mal aus dem Zelt weil ich ja Bier getrunken hatte. Das war aber nicht gruselig, wie ich im Zelt noch dachte sondern ehr beruhigend, weil es so ruhig und friedlich war im Wald. Ich hab mir die letzten Nächte auch Ohrstöpsel rein gemacht, damit ich nicht von jedem knacken aufwache. Ich bin mir sicher das es mit der Zeit auch besser wird. Um 7:30 bin ich dann aufgestanden. Ich war nicht wirklich müde, aber auch nicht richtig ausgeschlafen. Alles war nass und ich hab das Zelt dann nass eingepackt. Das Fußteil vom Schlafsack war auch feucht und die Inletts waren auch leicht feucht. Ich wollte die Sachen irgendwo unterwegs versuchen zu trocknen. Es war echt kalt morgens und die Sonne kam nicht so richtig durch, weil es so bewölkt war. Später erfuhr ich das es 6°C war, als ich am Supermarkt in Guadix ankam. Die Fahrt dahin dauerte nur 6min. Meine Füße wurden einfach nicht warm. Aber ich war mir sicher, das es später wärmer würde. Beim Supermarkt habe ich mir erstmal Frühstück geholt und mit noch ein paar warme Klamotten rausgeholt. Ich hatte das erst Mal seit langem wieder 4 Lagen an. Unten rum hatte ich aber nur eine kurze Hose an. Die Aussicht auf die Sierra Nevada war aber wunderschön. Schneebedeckte Berge am Horizont. Und eine echt hübsche Natur. Ich hatte das erste Mal Herbstgefühle. Die Bäume waren teilweise gelb und rot. Ich habe das irgendwie vermisst ohne es zu merken und genoss es, das ich hier in so einer schönen Herbstlandschaft unterwegs war. Sehr kalt, aber inzwischen sonnig. Langsam fingen meine Zehen auch an zu kribbeln und ich merkte wie ich langsam warm wurde. Die Fahrt ging die ganze Zeit durch die Berge. Immer auf über 1000m Höhe. Bis ich an einem Pauseplatz ankam. Hier oben war es teils sonnig und wenn Mal keine Wolken vor der Sonne waren, war es richtig schön. Es gab mehrere Bänke, Tische und ein kleines Häuschen mit einer Feuerstelle drin. Ich habe erstmal wascheleinen gespannt, mein Zelt getrocknet und gegessen. Leider hatte ich vergessen meinen Schlafsack und die Inletts zu trocknen. In meiner Pause checkte ich die Strecke und machte mir einen Plan wegen Granada. Es waren noch ca. 30km, aber wie es aussah ging es hauptsächlich bergab. Da es erst 13:00 war, beschloss ich mir ein Hostel zu nehmen und gleich 2 Nächte zu buchen. Dann kann ich noch ein bisschen durch Granada laufen, alles wieder aufladen und ne Runde duschen. Als ich gesessen hatte und alles wieder eingepackt hatte, kam ich in eine komische Stimmung. Die Herbstliche Gegend machte mich irgendwie melancholisch. Ich habe viel über Vergänglichkeit nachgedacht. Das alte Jahr geht langsam und die Natur macht eine neue Runde. Die Blätter sterben und es wird Platz gemacht für neues Leben. Ich wurde sogar traurig bei dem Gedanken, das ich diesen schönen Ort vielleicht nie in meinem Leben wieder sehen werde. Aber es war irgendwie eine schöne Traurigkeit. Dinge und Zeiten kommen und gehen und alles ist irgendwann zuende. Auch meine Zeit auf diesem Planeten. Aber bis dahin habe ich noch ein bisschen Zeit. Und die will ich genießen. Ich fuhr weiter und bis auf ein paar Stellen ging es tatsächlich nur noch bergab. Die Melancholie wurde von meiner Begeisterung abgelöst. Die Sierra Nevada war so unglaublich schön und die Berge wirkten so riesig und unendlich, das ich mich ganz klein fühlte und einfach glücklich war in diesem Wunderland zu sein. Es kam mir teilweise so surreal vor, das ich mich fragte ob das ganze Leben vielleicht nur inszeniert ist. Ob wir uns vielleicht einfach nur auf einer Art Leinwand bewegen die irgendwer oder irgendwas erschaffen hat. Diese Gegend wirkte so schön und perfekt, das ich es einfach nicht glauben konnte. Und hinter jeder Kurve staunte ich wieder über diese unglaubliche Natur. Ich habe so eine schöne Gegend glaube ich noch nie gesehen. Selbst die mächtigen Alpen und die Pyrenäen wirkten gerade nur wie eine kleinere Version von dieser Gegend. Ich hätte mich nicht gewundert, wenn plötzlich Dinosaurier irgendwo auftauchen würden weil alles so riesig und unendlich erschien. Es war wie eine wunderschöne Märchenwelt. Irgendwann sah ich dann die ersten Anzeichen die wieder auf Menschen hindeuten. Ein paar alte Ruinen die auf den Bergen standen und dann standen plötzlich so komische Ziegen vor mir. Als ich ein Foto machen wollte sprangen sie in sekunden die steile Felswände hoch. Das habe ich zum Glück sogar noch auf Video. Kurze Zeit danach schien die Gegend mir nochmal zeigen zu wollen, das es noch gigantischer werden kann. Ich stand vor einem Türkisfarbenen Fluss, der von massiven Felswänden umschlossen war. Wie in einem übertriebenen Traum. Nachdem ich noch ein paar Fotos gemacht habe, ging es weiter bergab und es kamen immer mehr Häuser und ich merkte das ich bald in Granada bin. Nach einer ganzen Weile an einer Straße, die immer befahrener wurde, bog ich noch ein paar Mal ab, und war an meinem Hostel. Nach duschen und essen kam nicht mehr viel und ich war gespannt auf den Tag morgen.

