15.08.2025 – Tag 87

Die Nacht war so mittel. Ich bin öfter aufgewacht und hatte sogar einen Albtraum. Der hatte mit dem wildcampen zu tun. So groß ist scheinbar die Angst erwischt oder konfrontiert zu werden. Das ist aber tatsächlich das kleinere übel, wenn man Mal drüber nachdenkt was alles mit der Campingplatz alternative für ein Stress zusammenhängt. Ich habe also dann einfach versucht weiter zu schlafen. Morgens bin ich dann vom Licht der aufgehenden Sonne geweckt worden. Ich lag ja ohne Außenzelt da. Es war echt ein schöner Morgen und statt das irgendwas negatives passiert wäre, sah ich in der Entfernung, mitten an der Straße noch ein Zelt. Daneben ein campervan mit hochgeklapptem Dach. Wenn man Mal trocken drüber nachdenkt, ist wildcampen ja jetzt auch nicht wirklich ein vergehen oder so. Ich kann verstehen dass es kritisch gesehen wird, weil es natürlich auch Idioten gibt, die überall ihren Müll liegen lassen, aber wenn ich weg bin, sieht keiner das ich da war. Im Gegenteil. Ich habe schon öfter mehr Müll mitgenommen als ich selber produziert habe, weil ich es echt scheiße finde wenn die schöne Natur vollgemüllt ist und irgendwelche Plastikbecher oder Tüten rumfliegen. Ich Wette mit der Zeit ist das gar nicht mehr sowas besonderes. Aber an den Träumen sieht man ja, das das was ich an der Oberfläche denke und das was in mir passiert, noch zwei unterschiedliche Dinge sind. Ich habe dann als erstes Mal angefangen meinen Kram einzupacken und das Zelt abzubauen. Erstmal alles in die Taschen gestopft und bin umgezogen zur Straße, wo das andere Zelt stand. Da gab es eine Tisch/Bänke Kombination und ich wollte mir da erstmal einen Kaffee machen. Dort saß auch schon der Wanderer, der in seiner Hängematte geschlafen hatte. Er war schon komplett fertig und schrieb etwas in ein Büchlein. Wahrscheinlich Tagebuch. Als ich mit meinem geraffel am Tisch saß, kam auch langsam leben in den Campervan. Es war eine Familie mit 3 Kindern, die nach Südfrankreich wollten. Die waren den Vorabend 800km gefahren und das Zelt wurde vom Sohn bewohnt. Die sahen auch überhaupt kein Problem darin. War halt ne Notübernachtung. Ich machte ein bisschen Platz auf dem Tisch, damit sie auch sitzen könnten. Ich neige ja dazu meinen ganzen Kram auszubreiten, bevor ich ihn wieder einpacke. So bekomme ich einen Überblick und habe das Gefühl das ich alles sinnvoll tetris-mäßig verräumen kann. Naja. Es stellte sich raus das die Familie aus Deutschland kam und wir haben gemeinsam gefrühstückt. Ich konnte sogar wieder ein bisschen Hafermilch für den Kaffee schnorren. Der Sohn wollte alles mögliche von mir wissen und er wollte unbedingt mein GPS Navi sehen und ich sollte es anmachen, damit er sehen kann. Wie das aussieht. Der Vater war gefühlt nur etwas älter als ich und wir redeten über Frankreich und das sie Mal in Belgien gewohnt haben und deswegen die Sprache gut können. Außerdem über den Fahrrad Lebensstil und und und. Die Mutter kam schon in Badeanzug aus dem Camper und ging erstmal ins Wasser, nachdem sie mich gefragt hatte ob das Wasser sauber sei. Nachdem ich endlich alles am Fahrrad hatte und mich verabschiedet hatte, ging’s los. Erstmal zum Anleger gegenüber. Ich hatte ja vom Wanderer erfahren daß es da Trinkwasser gibt. Also habe ich erstmal alle Tanks aufgefüllt. Und mich auf den Weg gemacht. Die Temperaturen waren etwas kühler als bei den Vortragen. Das änderte aber auch nichts daran, das es quasi keinen Schatten gab und ich die ganze Zeit am Kanal auf inzwischen nicht mehr ganz so gut befestigter Strecke fahren musste. Das war schon echt mühselig. Slalom um Schlaglöcher und immer wieder von links nach rechts und andersrum, weil ich immer versuchte die besser befahrbare Seite zu finden. Die Gegend war aber voll nach meinem Geschmack.
Einmal musste ich noch über einen Berg fahren um zu einem anderen Kanal zu wechseln. Von da aus ging es immer weiter am Wasser endlang. Es gab ein zugewuchertes verlassenes Haus, was aussah wie aus einer anderen Zeit und ein paar „Geisterboote“ die da am Ufer rostend und mit leichtem Pflanzenbewuchs lagen. Der Kanal war sowieso glasklar und man konnte teilweise bis auf den Boden kucken. Überall flogen Libellen und es war wunderschön grün. Einmal raschelte es im Gebüsch und plötzlich kam ein Tier vor meinem Bike über den Weg gerannt, was locker so groß war wie ein kleiner Hund und mich vom Gesicht her stark an einen Biber erinnerte. Leider hatte es keinen Biberschwanz. Ich denke also es war ein nutrier. Schade. Ich will unbedingt Mal einen Biber in freier Wildbahn sehen. Egal. Ich fuhr übrigens auf dem Paneuropa Radweg, auf den ich schon gestern durch Zufall gekommen war. Jacky hatte etwas recherchiert und mir gesagt das man an diesem Kanal bis nach Freiburg fahren kann. Und das es der Paneuropa Radweg ist. Also werden die kommenden Tage wohl von Kanal geprägt sein. Wenn es so wunderschön ist, bin ich sehr zufrieden mit dieser Strecke.
Mittagspause machte ich auch an einem schönen Ort, wo Bänke und Tische im schatten standen. Es war eine krasse ruhe. Keine Autos, kein trubel. Nur der Wind, die Vögel und ab und zu das Summen von ein paar insekten. Direkt neben der Bank waren brombeersträuche, wo die Brombeeren so reif waren, das man nur die Brotdose drunter halten musste und ein bisschen am Ast wackeln um die zu pflücken. Ich hatte noch 100g Naturjoghurt vom Frühstück über, also machte ich mir erstmal einen leckeren Nachtisch. Nach dem Mittag ging es noch ein bisschen weiter. Unter anderem an einem Hanffeld vorbei. Das hätte ich hier wirklich nicht erwartet, aber es wuchs wieder direkt am Weg. Ich hatte es schon am Geruch erkannt. Naja paar Fotos und dann weiter. Die Nachmittagssonne war wieder gut am braten und die Hitze fühlte sich auch ganz schön heftig an. Nach gar nicht so langer Zeit hatte ich keinen Bock mehr. Ich fuhr zu einem Friedhof und füllte meine Wasserreserven nochmal auf. Wer weiß wann wieder was kommt. Dann setzte ich mich auf eine Bank in den Schatten und verschaffte mir einen Überblick. Scheinbar war auf der anderen Kanalseite eine art park. In den Rezensionen las ich, das man da sogar baden kann und das es dort eine Toilette gibt. Also fuhr ich hin um mich Mal umzuschauen. Als ich ankam glaubte ich kaum was ich da sah. Es war scheinbar eine beliebte Badestelle. Es waren nicht zu viele Menschen, aber es waren Kinder im Wasser und Leute saßen im Schatten und tranken Bier. Es gab sogar ein Sanitärhäuschen mit großen Waschbecken und Toilette. Ich war mir sicher das ich meinen Platz für heute Abend gefunden hatte. Also Badehose und Handtuch raus und erstmal ins Wasser. Dann saß ich lange an einem Tisch und träumte einfach vor mich hin, schrieb Blog und kochte mir mein abendbrot. Heute gab es Tortellini mit Tomatensauce, Zucchini und einer grünen Tomate. Ich finde geil das es hier ganz oft ganz viele verschiedene Tomaten zu kaufen gibt. Nicht wie in Deutschland nur diese roten Norm-Wasserbomben oder Cocktailtomaten. Naja. Ich ging noch ein paar Mal ins Wasser. Irgendwann wurde es spät und ich überlegte wo ich am besten mein Zelt aufbauen kann. Ein Franzose kam noch zu mir und wollte wissen ob ich hier zelten will. Als ich ja sagte, schwärmte er mir noch ein bisschen von diesem Ort vor. Das die Menschen hier alle voll lieb sind und das man auch um den ganzen See einmal Rum kann. Außerdem sagte er mir, das es sogar eine Dusche mit warmen Wasser im Sanitärhäuschen gibt. Ich glaub hier hat echt niemand etwas dagegen, wenn man sich irgendwo unauffällig mit seinem Zelt hinstellt. Im Gegenteil. Als ich um den See fuhr um eine gute Stelle zu finden, wurde ich von jedem gegrüßt der mich sah. Ein Typ, der gerade Lagerfeuerholz klein machte kam mit einem abgebrochenen Stock auf mich zu. Er sah ein bisschen aus wie man sich einen Hooligan vorstellt. Er wollte aber auch nur wissen wo ich herkomme und was ich mache. Leider konnte der nur französisch und ich glaube wir haben deswegen ein bisschen aneinander vorbeigeredet. Er sagte mir aber auch nochmal das es dort hinten duschen gibt und ich fuhr weiter. Am Ende baute ich das Zelt an einer Stelle auf, die von allen Menschen so weit wie möglich entfernt war, aber direkt am Ufer gelegen war. Beim Aufbauen grüßten mich noch die vorbeilaufenden Mensch und als ich mich hinlegte, hatte ich auf keinen Fall das Gefühl, nicht willkommen zu sein. In ein bisschen Entfernung war gerade eine Party in Gange, weil heute hier Maria Himmelfahrt war und gegen 12 gab es von allen Richtungen aus Feuerwerk zu hören. Später hörte ich noch eine Frau ihren Hund rufen, der wohl interessiert an meinem Zelt war. Die Leute liefen auf dem Weg um den Kanal und keiner störte sich an meinem Zelt. Abends bekam ich dann noch ein bisschen Magenschmerzen. Keine Ahnung wovon. Vielleicht sollte ich tierische Produkte nicht mehr essen, die ich 2 Tage in der Hitze in meinen Taschen transportierte. Naja. Die Nacht war wieder sehr ruhig und ich konnte extrem viele Sterne sehen, als ich nochmal auf Toilette gegangen bin.

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