22.10.2025 – Tag 152
Heute hat der Wecker 6:30 geklingelt. Etwas übermüdet hab ich dann gegen 6:50 geschafft aufzustehen. Ich hab mich langsam fertig gemacht und meine Sachen gepackt. Da ich leider keinen kleinen Rucksack oder so habe blieb mir die Wahl zwischen einer großen Einkaufstüte und einer Fahrradtasche. Es wurde dann die Fahrradtasche. Etwas klobig, aber zumindest konnte ich sie über der Schulter tragen. Ich ging also zur Schnellstraße und lief auf dem Seitenstreifen. Zum Glück war der auf der linken Seite Recht breit und ich hatte gar nicht so ein schlechtes Gefühl. Hab mich jedenfalls nicht in Gefahr gefühlt. Irgendwann kam dann auch eine kleine Unterführung und ich konnte noch ein Stück am Strand laufen. Es war noch ganz dunkel und als ich am Bahnhof ankam, sah ich langsam den Sonnenaufgang. Der Ticketautomat im Bahnhof war irgendwie nicht gerade intuitiv. Ich verstand auf spanisch und auch auf Englisch nicht richtig was die Optionen waren. Es gab aber ein one-way Ticket, was ich dann kaufen wollte. Leider kamen immer so kryptische Fehlermeldungen als ich den Kauf abschließen wollte. Ich sprach ein paar Typen am anderen Automat an, die nur spanisch konnten, aber ich konnte ihnen zumindest sagen das ich Probleme mit dem Ticketautomaten habe und das ich nach Barcelona will. Selbst die kamen nicht mit dem Automaten klar. Zum Glück hatte das kleine Infohäuschen inzwischen aufgemacht und ich versuchte mit dem Menschen da sein abzuklären was ich brauchte. Sein Englisch war scheinbar schlechter als mein Spanisch und als ich plötzlich versuchte spanisch mit ihm zu sprechen schaute er mich etwas verwirrt an und sagte „Du kannst doch spanisch, warum sprichst du dann Englisch“ ich sagte ihm das ich nur ganz wenig spanisch kann. Daß fühlte sich aber wieder gut an. nachdem ich nicht für 25€ ein Tagesticket kaufen wollte, kaufte ich ein Ticket für Hin- und Rückfahrt. Ich bin dann bis Arc de triomp gefahren. Die Bahn war mega überfüllt und ich stand da gequetscht wie eine Sardine mit meiner fahrradtasche. Es war auch nicht gerade eine kurze fahrt. Aber als ich ankam war ich noch gut in der Zeit. Beim ersten Bäcker holte ich mir einen Café zum Mitnehmen. Etwa 100ml für 2,50€. Danach ging ich noch zu einem Kiosk und gab fast 10€ für einen Schokoriegel, eine Limo und ein eingeschweißtes Sandwich aus. Echt teuer ist es hier. Danach ging ich dann etwa 10min. Zum Ort wo das sketching stattfindet. Es war in einem wunderschönen Park. Parque de la ciutadella. Dort gab es so Gewächshäuser. Also nicht so kleine mit Glas sondern richtig große mit richtig schöner Architektur. Nach einer Weile rumstehen sah ich auch eine Frau auf mich zukommen, die fragte ob ich Jan bin. Die war super nett und wir haben uns ein bisschen Unterhalten, während wir auf die Seite des Gebäudes gegangen sind die von der Sonne angestrahlt wird. Dort waren so Typen mit Sonnenblumenkernen, die mich auch gleich gefragt haben ob ich die Papageien füttern möchte. Diese Papageien landeten auf seinen Armen. Die Frau von sketching sagte mir das man die füttern kann und Fotos mit den machen kann, aber die Typen wollen dann Geld dafür. Wenn ich will kann ich das machen. Ich hatte aber jetzt keinen Kopf dafür. Nach und nach kamen noch andere Leute die zum Sketchen gekommen sind. Viele hatten Stühle dabei. Ich leider nicht. Obwohl ich kurz drüber nachgedacht hatte den campingstuhl mitzunehmen. Wir machten erstmal ein paar one-line Drawings zum Aufwärmen. Das heißt man malt einen Gegenstand, in meinem Fall eine Straßenlaterne, ohne den Stift vom Papier abzusetzen. Um die Hand-Augen-Koordination zu üben erst mit hinsehen und dann ohne aufs Papier zu schauen. Das ging zu meiner Verwunderung viel besser als ich erwartet hatte. Also das ohne hinsehen.
Das andere fand ich auch cool, weil ich sowas noch nie wirklich gemacht habe und es trotzdem direkt ganz cool aussah. Es war eine super entspannte atmosphäre. Gleich am Anfang habe ich Martin kennengelernt. Er kommt ursprünglich aus Pinneberg und hat Familie in Hamburg. Lustig. Jetzt ist er jedenfalls in Rente und zu seiner Frau nach Barcelona gezogen. Er sagte auch direkt das er gern übersetzen kann wenn ich irgendwas nicht verstehe. Die Frau die den Kurs leitet sprach abwechselnd mal spanisch und mal Englisch. Cool war das ich alles verstanden habe. Also nicht jedes Wort, aber ich habe immer verstanden worum es gerade geht oder was sie so erläutert hat. Sie wollte vorher Mal mein sketchbook durchschauen und sagte das ich mit Perspektive ja schon ganz gut bin. Ich habe ja hauptsächlich auch mit Farbe Probleme. Perspektive und Proportionen wird langsam würde ich sagen. Aber da über ich ja auch am meisten, wenn ich allein Male. Mit dem Ergebnis was ich da gemalt habe war ich auch ganz zufrieden. Am Ende haben wir alle noch unsere Bilder hingelegt und fotografiert. Der Vogeltyp hat noch geschaut und gesagt das er die Bilder voll cool findet. Martin hat mir noch seine Nummer gegeben, falls ich Mal auf der Ecke bin und alle gingen wieder weg. Komisches Gefühl. Auf einen Schlag war ich wieder allein. Die Zeit habe ich aber voll genossen und ich hatte mich ja immer vor so einer Gruppe und gemeinsamen Urbansketching gesträubt, weil ich die Vorstellung komisch fand, da irgendwo mit ner Gruppe zu sitzen und ein Gebäude zu malen, aber eigentlich ist es ganz cool. Eigentlich genau das richtige. Man trifft sich mit Menschen, hat Gesellschaft, aber alle haben zu tun und halten die schnauze. Keine aufgezwungenen Gespräche, oder unangenehme ruhe. Am Ende freuen alle sich über das was man da geschaffen hat und man inspiriert sich gegenseitig und dann gehen alle wieder nach hause. Ich glaube sowas will ich fest in mein Leben integrieren wenn ich zurück bin. Als nächstes habe ich dann ein bisschen dagesessen und überlegst was ich jetzt mit dem angefangenen Tag machen kann. Ich schaute Mal wo die Fähre fährt. Schließlich ist ja der Plan, morgen nach Mallorca zu fahren und ich wusste nicht ob die ohne weiteres mein Fahrrad mitbehmen. Man konnte bei der Buchung nur Fußgänger, Motorradfahrer, Autofahrern oder LKW wählen. Also schaute ich wo das Terminal ist und zum Glück war es fußläufig in 20min. Zu erreichen. Also erstmal da hin und nachfragen. Die sagten mir dann, das sie Fahrräder kostenlos mitnehmen. Gebucht habe ich dann aber trotzdem über ein Portal. Nur 30€. Am Terminal hätte es 40 gekostet. Komische Welt wo es über einen externen Anbieter weniger kostet, als wenn man es direkt kauft. Aber so ist es halt. Danach wollte ich etwas gegen mein Transportproblem machen. Also einen kleinen Rucksack kaufen. Ich wusste das es bei Decathlon so kleine Rucksäcke gibt, die man wie diese kleinen Einkaufsbeutel super kompakt einpacken kann. Man kann sie dann in einer Hosentasche oder so mit sich rumschleppen und nur rausholen, wenn man sie braucht. Auf dem Weg wurde ich dann von so einem Typen a gequatscht, der in der Fußgängerzone Leuten so komische Armbänder „schenkte“. Er konnte sogar ein bisschen deutsch und verwickelte mich in ein Gespräch. Irgendwann sagte ich das ich weiter muss und er wollte mir ein Armband Schenken. Erstens glaube ich nicht, das die aus reiner Gutmütigkeit diese Armbänder verschenken. Da wird sicher irgend eine masche hinterstecken und zweitens waren die hässlich.
Ich lehnte also ab und nachdem er noch ein Stück neben mir herlief, es mir unbedingt schenken wollte und ich aber weiterging, drehte er ab und ging zu seinem Platz zurück. Zum Decathlon musste ich jetzt durch die überfüllte Innenstadt. Daß fühlte sich echt nicht safe an. Überall lungerten Leute rum die einem irgendwas andrehen wollten. Mir viel sofort der Kontrast zwischen Touristen und den, die davon lebten und der Armut, die hier parallel herrschte auf. Ich würde barcelona darum als schön und gleichzeitig hässlich beschreiben. Auf der einen Seite die Palmen, Strand mitten in der Stadt und wunderschöne Gassen und auf der anderen Seite Menschen die irgendwie versuchen zu überleben. Kleinkriminalität, wie Taschendiebstahl vor dem man überall gewarnt wird, Obdachlosigkeit und Armut.
Mein Fahrrad mit Gepäck würde ich hier nicht Mal am Tag mit gutem Gewissen an der Straße stehen lassen um einzukaufen.
Zum Decathlon ging es dann durch kleine Gassen wo mir Drogen angeboten wurden und im kleinen eingezäunten Park davor sah man Leute auf den Bänken liegen, oder beim crack konsumieren. Die Stadt war extrem überfüllt und ich versuchte die ganze Zeit im Blick zu behalten, wer gerade dicht hinter mir lief. Beim Decathlon habe ich dann meinen Minirucksack bekommen. Jetzt hatte ich auch genug von schiebenden Menschenmassen und schaute wo der kürzeste Weg zu dem schönen Park war, bei dem ich vorher gesketched habe. Von dem wusste ich ja, das man da Abstand und Ruhe bekommen kann. Ich habe mich zu einem anderen Gebäude gesetzt und das auch noch gesketched. Das machte heute richtig Spaß. Ich wurde dabei auch von ein paar Leuten angesprochen, die das voll cool fanden und schauen wollten was ich so male. Als ich fertig war und weiter ging rief ich Dörte an. Als ich mit ihr telefonierte und so rumlief, fiel mir auf das jetzt das große Gewächshaus auf hat, das wir vorher gemalt hatten. Hier war gerade eine Gruppe, die die Pflanzen Sketchten. Auch geil. Das hätte mir mindestens so gut gefallen wie das Urbansketching. Florales malen ist auch immer wieder cool. Ich saß dann noch eine ganze Weile im Park und trank Bier bis es langsam dunkel wurde. Gegen halb 9 ging ich dann etwas hektisch zur Bahn. Das buchen einer Fähre hatte ich im Park gemacht. Eine Unterkunft für Mallorca hatte ich immernoch nicht, was mich wieder etwas stresste. Was mich aber auch stresste war, dass ich voll die Zeit vergessen und keine Ahnung hatte, ob irgendwann die letzte Bahn fährt. Nachdem ich Leute gefragt hatte wie ich zum Bahnhof komme, fand ich dann auch den Eingang, der auf der anderen Seite der Kreuzung war, als ich vermutet hatte. Unten stand ein Pärchen, die scheinbar Deutsch Sprachen und auch nicht ganz sicher waren, ob noch eine Bahn fährt und ob sie richtig sind. Es stellte sich raus das sie auch aus Hamburg kommen und ein paar Stationen weiter als ich, zu ihren Hotel wollten. Wir sind also zusammen gefahren und haben uns über reisen und Hamburg unterhalten. Als dann die Bahn an meinem Bahnhof hielt bin ich nur noch an der Schnellstraße zurückgelaufen und ins Zelt.

