Die Vorgeschichte zur Reise 2025/2026

Natürlich hätte ich dieser Vorgeschichte nicht extra eine eigene Seite gewidmet, wenn alles easy und problemfrei gelaufen wäre. Mir fällt zurückschauend eigentlich kaum etwas ein, was in der Vorbereitungsphase problemfrei gelaufen ist. Zum Glück habe ich mich durchgebissen und am Ende doch alles in die Wege gelenkt/gezwungen, um diesen Lebenstraum zu verwirklichen.

Ich finde es selber spannend, was alles passiert ist und wie ich Dinge geregelt habe, darum ist es auch für den Zukunftsjan sicher auch zur Erinnerung ganz nett zu lesen.

Im Folgenden liste ich erstmal die einzelnen Baustellen auf.

Arbeit und beenden des Arbeitsverhältnisses

Ich habe schon frühzeitig überlegt wie ich die Reise mit, oder notfalls auch ohne meine Arbeit gestalten kann. Meine Arbeit lief ja und am komfortabelsten wäre es für mich gewesen, ohne große Änderungen loszufahren und wenn ich wiederkäme in ein „funktionierendes System“ zurückzukommen.

Erste Wahl war also mit meiner Firma ein Sabbat Jahr abzusprechen. Ich wollte von Mai 2024 bis Mai 2025 auf halbes Gehalt arbeiten und dann ein Jahr die andere Hälfte bekommen. Alles könnte bleiben wie es war. Anschrift, Krankenkassen, Gehalt, … . Leider stellte sich nach einigen Verhandlungen heraus, das meine Firma, ein mittelgroßes Start-up, die Wirtschaftliche Situation für zu unsicher einschätzte und mich bei meinem Plan leider nicht unterstützen konnte.

Ich begann also ab Mai 2024 mir selber nur ein halbes Gehalt auszuzahlen und ein halbes zu sparen. Das reichte mir immer noch locker zum leben und zusätzlich konnte ich mir noch nach und nach Equipment kaufen und es schön in Ruhe testen.

Wie es dann im Jahr 2025 weiterging, war ich mir bis dahin aber immer noch nicht sicher. Egal, erstmal Füße stillhalten und abwarten.

Das Problem löste ich dann von allein, da meine Firma aus wirtschaftlichen Gründen, Ende Juli 2024, einen großen Teil der Belegschaft entlassen musste. Ich wägte meine Möglichkeiten ab und unterschrieb nach ein paar schlaflosen Nächten einen Aufhebungsvertrag. In diesem Aufhebungsvertrag wurde mir ein Abfindung zugesichert und etwas worüber ich mich noch mehr freute.

Auf Grund der Kündigungsfrist bekam ich 3 Monate Lohnfortzahlung und wurde während der Zeit freigestellt. Nun hatte ich also Freiheit, Geld und keinen Job mehr. Die Jahreszeit war nicht optimal, weil der Herbst vor der Tür stand, aber der Rest war perfekt.

Fahrradbau

Während der Endphase meiner Arbeitszeit und als ich mich fest für die Reise entschlossen hatte, war ich mir sicher, das ich ein ordentliches Fahrrad brauchte. Das zu der Zeit aktuelle Fahrrad war zwar ok und ich habe damit die Alpen überquert, aber es war mich leider eine Nummer zu groß und ich fühlte mich darauf nie so 100% wohl. Ich wollte also Geld in die Hand nehmen und mir ein Fahrrad bauen lassen, was genau auf meine Bedürfnisse zugeschnitten ist. Ich recherchierte sehr lange im Internet, verglich verschiedene Hersteller. Viele Hersteller hatten sogar einen Konfigurator, aber die Preise für die Räder, die ich da so zusammenstellte überstiegen meine Vorstellungen bei weitem. Dazu kam das leider bikepacking Bikes mit dünnen Rennradreifen, oder maximal Straßenreifen voll im Trend sind. Ich wollte auf jeden Fall etwas komplett anderes, was mich auch im tiefen Gelände oder auf sandigen Böden nicht im Stich lässt. Dazu wollte ich etwas stabiles, weil ich all mein Geraffel unterbringen wollte, ohne direkt an irgendwelche Grenzen zu stoßen.

Am Ende fand ich einen Englischen Hersteller (Surly), der mir sehr gefiel. Es schien so, als wenn man mit den recht universell gestalteten Rahmen etwas bauen kann, was meinen Vorstellungen entspricht. Sehr robust und die Gabeln hatten genug platz das man locker plus-size Reifen da rein bekommt.

Also hab ich mir einen Händler gesucht, der Surly verkauft und baut. Mit denen habe ich alles abgesprochen und wir haben gemeinsam das Fahrrad zusammengestellt, was genau auf mich passt. Keinen Schnickschnack, alles einfach und mechanisch. Keine Technik, die nicht unbedingt sein muss.

Dann fing der Stress an. Ich musste quasi hinterherlaufen, dass ich mein Fahrrad bekomme, es wurden Dinge die fest abgesprochen waren doch anders gebaut, zum Beispiel Schläuche in die Reifen anstatt ein pannenrobusteres Tubeless System. Bei Werkstatt Terminen wusste plötzlich keiner das der Termin abgesprochen war, was natürlich doof ist, weil ich da extra über 100km angereist bin. Die Werkstatt hat sich nicht gemeldet, als das Bike fertig war und als ich Wünsche hatte, musste ich Wochen lang hinterherrennen um mal eine Auskunft zu bekommen. Spannend war auch als ich das Rad abgeholt habe und mir die hintere Achse verrutscht ist. Der Mechaniker sagte mir das da ein wichtiges Teil fehlt, auf dessen Lieferung ich wieder Wochen lang warten musste. Als es dann endlich da war und ich es anbauen wollte, passte es nicht. Nach einem weiteren Termin stellte sich raus das ich das Teil gar nicht brauche und es mir gar nicht hätte verkauft werden dürfen.

Alles in allem ist der Service mehr als scheiße gewesen und ich brauchte viele Nerven und mehrere sehr böse Mails, bis ich das Bike endlich hatte, aber jetzt bin ich trotzdem sehr sehr glücklich damit.

Arbeitsamt

Beim Arbeitsamt habe ich mich rechtzeitig arbeitssuchend gemeldet und bin auch rechtzeitig zur Arbeitslosmeldung bei denen vorbeigekommen. Da wurde ich erst mal wieder weggeschickt, weil man einen Termin braucht. Die Empfangsmenschen sagten mir aber, dass der Tag für die Arbeitslosigkeit zählt, an dem ich den Termin gemacht habe.

Jetzt gibt es natürlich mehrere Stolpersteine, die mir auch bekannt waren. Jedoch war mir auch bewusst, dass es die Möglichkeit gibt, sich beim Arbeitsamt abzumelden und den Bezug vom Arbeitslosengeld bis zu 4 Jahre zu pausieren. Wichtig dafür ist ein rechtskräftiger Bescheid. Natürlich muss man sich dann auch selber krankenversichern. Genau das ist auch mein Plan.

So fing es damit an, das es fürs Arbeitsamt ein Problem war, dass ich einen Aufhebungsvertrag unterschrieben habe. Auch wenn es aus wirtschaftlichen Gründen war. Ich wurde halt nicht gekündigt, sondern habe das Arbeitsverhältnis in Einverständnis aufgehoben. Dann war meine Akte scheinbar in dreifacher Ausführung vorhanden und ich sollte Stellung zu meiner Berechnung nehmen.

Mir wurde vorgeworfen das ich mich weder rechtzeitig arbeitssuchend noch arbeitslos gemeldet hätte und dazu bekam ich eine Sperre wegen dem Aufhebungsvertrag. Das war im Dezember 2024. Bis heute (18.03.2025) habe ich nichts von denen gehört, außer eines Vermittlungsgespräches, was mir auf Nachfrage aufgedrückt wurde. Die Dame war auch sehr bemüht und hat mir erzählt, dass da scheinbar was schief gelaufen ist. Ich bin einfach mal ehrlich gewesen und habe über meine Situation aufgeklärt und ihr erklärt, dass ich bisher leider nicht mal einen endgültigen Bescheid habe. Mit einem vorläufigen Bescheid und ohne was Offiziellem habe ich wirklich Bauchschmerzen, mich beim Amt abzumelden. Ich habe einfach die Befürchtung, dass es Probleme geben könnte, wenn ich zurück nach Deutschland komme und weiter ALG1 bekommen will. Nach ihrer Aussage ist der Bescheid intern schon als endgültig eingetragen gewesen. Was Offizielles hatte ich aber bis kurz vor der reise immer noch nicht in der Hand. Ich hatte mich aber dafür entschieden wie geplant am 1.4. zu starten, auch wenn es negative Folgen haben könnte. Dann am 22.3. passierte doch noch ein Wunder und ich bekam den Änderungsbescheid. In dem Bescheid wurde mir jetzt nicht mehr 360 Tage ALG1 bewilligt, sonder ein paar Tage weniger, aber ich werde mit Sicherheit keinen Einspruch mehr einlegen. Hab ja eh nicht vor das bis zum Ende auszuschöpfen. Also gibt es wohl noch eine kleine Nachzahlung vom Amt und eine weitere Baustelle ist abgeschlossen.

Bauwagensituation

Auch die Bauwagensituation ist nicht die einfachste gewesen. Schon mit dem Ausstieg aus der Firma habe ich der Gemeinschaft in der ich gelebt habe gesagt das ich aus verschiedenen Gründen nicht dort bleiben will. Zu dem Zeitpunkt war ich an dem Punkt das ich mich bei anderen Gemeinschaften umgesehen habe, aber es ist natürlich nicht so einfach für ein paar Monate mit Bauwagen wo anders unterzukommen, wo mich niemand kennt und ich auch alle kennen lernen müsste. Also war ich recht schnell an dem Punkt wo ich es aufgegeben habe und mir dachte, dass es eine andere Lösung geben müsste. Irgendwie habe ich auch kein Problem darin gesehen, meinen Bauwagen einfach für die Zeit an seinem Platz stehen zu lassen. Als ich das jedoch thematisierte, zeigte sich, dass es doch nicht so einfach ist und ich es doch für die beste Lösung hielt, meinen Bauwagen außerhalb der Gemeinschaft unterzustellen. Ich musste also innerhalb eines Monats (unsprünglich war der 1.3. als Abreisetag geplant) einen Platz für den Wagen finden, alles für den Transport sichern, oder ausräumen und überhaupt erstmal einen Transport organisieren. Ich war so im Stress, das inzwischen kein einziger guter Gedanke an meine Reise mehr übrig war. Ich habe mich überhaupt nicht mehr auf die Reise gefreut. Am Ende habe ich die Abfahrt um einen Monat verschoben, weil zu viele Dinge zu erledigen waren und ich mir zumindest ein bisschen Luft machen wollte. Der Transport zu Super netten Menschen mit einem Hof ein paar Orte weiter, die mir unendlich doll mit ihrem Platz geholfen haben ging dann trotzdem noch ende März über die Bühne. Ich hatte also Anfang April kein eigenes Dach mehr über dem Kopf und ging zu meiner Freundin nach Bayern. Die letzte Aprilwoche habe ich noch um den letzten großen Schritt zu machen. Die Abmeldung aus Deutschland.

Krankenkasse

Es war echt eine längere Überlegung, ob ich mich komplett aus Deutschland abmelde, oder meinen Wohnsitz behalte und alles so lasse wie es ist. Die einzige Möglichkeit in Deutschland aus dem Sozialsystem incl. Krankenversicherungspflicht auszusteigen ist es nämlich, den Wohnsitz abzumelden und Wohnsitzlos zu sein. Es gibt aber in dem Fall auch jede Menge Dinge, mit denen man sich vorher auf jeden Fall auseinander setzten muss. Zum Beispiel ist es quasi unmöglich ein Bankkonto abzuschließen, wenn man keinen Wohnsitz hat. Eigentlich kommt es in fast jedem Bereich zu erschwerten Bedingungen.

Nach ein paar Telefonaten mit meiner Krankenkasse und einer Anfrage, was es kostet sich „freiwillig“ Gesetzlich zu versichern, war die Entscheidung getroffen. Ich melde mich ab. Ich habe mich mit Langzeit Auslandsreiseversicherungen auseinandergesetzt und fand eine. Diese Versicherung kostet nur etwas über ein viertel der Gesetzlichen. Das bedeutet das ich pro Monat ein paar hundert Euro sparen kann.

Eine kleine Überraschung hatte die Gesetzliche aber auch noch für mich bereit. Ein Mitarbeiter hat auf eine Email geantwortet und einen Beweis gefordert, das ich die EU verlasse. Das war so nicht geplant. Nach einem scheiß Abend und etwas recherchieren, schien es aber so, als wenn der Mitarbeiter falsch informiert war.

Nachdem ich mich sowohl bei anderen Versicherungen, als auch auf mehreren Kanälen bei meiner Gesetzlichen Versicherung informiert hatte, wurde mir unabhängig bestätigt, das lediglich die Abmeldebescheinigung vom Amt und ein Nachweis über eine alternative Versicherung notwendig sind um sich von der Gesetzlichen Versicherung abzumelden. Als das geklärt war, war ich viel beruhigter und konnte auch wieder schlafen. Jetzt war ich mir sicher meinen Plan weiter wie geplant zu verfolgen.