02.10.2025 – Tag 132
Wir sind heute aufgewacht und es gab in der Nacht keine besonderen Vorkommnisse. Außer das ein paar von uns meinten, kurz Stimmen von 2 Leuten gehört zu haben. Selbst wenn da welche waren, haben sie zumindest nichts gemacht. An mir ist das auch komplett vorbeigegangen. Wir haben uns fertig gemacht, gefrühstückt und waren Recht schnell fertig. Da ich mit meinem Zelt auf einer Art Holzveranda gestanden habe, gab es auch nichts mit Feuchtigkeit zu regeln. Echt entspannt. Wir waren Recht schnell fertig und wieder auf der Straße. Es ging direkt wieder zum Kanal und wir sind gut vorangekommen. Wie es aussah, standen auch heute wieder mindestens 60km auf der Uhr. Und es passierte heute etwas. Nach unserer Planung trennten sich heute die wege. Luwin und Sophie, die nach Barcelona unterwegs waren wollten so schnell es ging weiter in die Richtung und überlegten sogar eine Strecke mit der Bahn zu fahren. Da wurde mir mal wieder klar in was für einer geilen Situation ich bin. Es ist halt ein anderes reisen, wenn man zurück nach Hause und zur Arbeit muss. Dann hat man, besonders bei so einer langen Strecke nicht so die Flexibilität zu sagen das man irgendwo einfach mal bleibt, oder sogar Umwege macht. Ich hatte sehr viel Zeit und konnte frei entscheiden was ich mache. Darum entschied ich mich mit Girmi weiterzufahren. Er war zwar Richtung Marseille unterwegs, was nicht meine Richtung ist, aber er wollte in einen großen Nationalpark. Die Camargue. Und dieser Nationalpark lag schon grob in meiner Richtung. Darum hatte ich Lust auf Natur und außerdem könnte es passieren, dort Flamingos zu begegnen. Ich nahm also diesen kleinen Umweg in kauf und plante diese Richtung. Den Tag konnten wir allerdings noch alle zusammen fahren und das war ein schöner Gedanke. Wir sind also erstmal bis Avignon gefahren. Dort wollten Luwin und Sophie ein Bisschen Sightseeing machen. Da das Sightseeing dieses mal bedeutete mit dem Fahrrad durch die Stadt zu fahren, war ich sofort dabei. Auch wenn ich mich gefreut hätte, wenn die eine Kirche oder Burg besichtigen würden, damit ich ein bisschen im Park chillen kann. Dafür war aber keine Zeit. Als wir durch die Stadt ging es dann durch kleine Gassen und an einer Stelle fuhren wir dann umgekehrt durch eine Einbahnstraße. An einer Stelle sprangen Kinder hinter einem Auto auf die Straße, was dazu führte das das eine von einem Tandem umgefahren wurde. Es ist aber nichts passiert. Dann ging es weiter und mir gefiel diese alte Stadt inmitten von Burgmauern so gut das ich natürlich anhielt und ein Foto machte. Als ich dann weiter den anderen folgen wollte kamen jede Menge Autos entgegen, so das ich an der Seite halten musste um die vorbeizulassen. Dadurch habe ich dann den Anschluss zu den anderen verloren. Als die Straße wieder frei war, waren sie nicht mehr zu sehen. Ich dachte das sie sicher bis ans Ende der Straße gefahren sind und dort auf mich warten. Aber auch da waren sie nicht. Auf der rechten Seite kam ich auch an einer Stichstraße vorbei die übertrieben voll mit Menschen war. Ich dachte das die Wahrscheinlichkeit das sie da reingefahren sind, und dann noch mit dem unbeweglichen Tandem gegen Null geht. Aber 100% sicher war ich mit auch nicht. Also fuhr ich zu dieser Stelle und wartete dort. Ich setzte mir ein Limit von 15min. Und stand da um zu warten ob sie zurück kommen. Wäre in meinen Augen das einzig logische. Aber es kam niemand. Nachdem ich das Gefühl hatte das niemand mehr zurück kommt, schaute ich auf mein Handy. Nummern getauscht hatten wir die ganze Zeit noch nicht aber ich hatte ihnen zumindest meine Homepage gesagt, auf der auch ein Kontaktformular ist, was eine Email zu meinem Postfach schicken würde. Auch nichts, also war der nächste Gedanke das ich zur Fahrradstraße via Rhona fahre und auf der ersten Bank die ich sehe nochmal anhalte. Erstens musste ich da eh weiter und zweitens mussten sie da Vorbeikommen, wenn sie die Stelle nicht schon lange passiert hatten, aber dann hätte ich eh keine Chance sie wiederzufinden.
Als ich zur Fahrradstraße kam sah ich die dort alle stehen und sie warteten auf mich. Das war schon ein cooler Moment. Wir haben uns alle so gefreut und wiedergefunden zu haben, als wenn wir uns schon ewig kennen und wiedergefunden haben. Es stellte sich raus das die anderen tatsächlich in diese Straße mit den vielen Menschen abgebogen waren und als sie bemerkten das ich weg bin, blieben sie stehen und schauten zurück. Sie setzten sich auch 15min. Als Limit. Wir müssen nur ein paar Meter entfernt voneinander gewartet haben. Es war im nachhinein auch lustig, weil ja keiner die Nummer des anderen hatte und wir haben auch jetzt nicht Nummern getauscht. Das fühlte sich so irgendwie richtig an und es fragte auch niemand. Irgendwie fühlte es sich für mich so auch freier an. Keine Ahnung wie es den anderen ging. Wir waren uns aber alle einig, das es das traurigste Ende der gemeinsamen Reise gewesen wäre, das wir uns vorstellen könnten. Naja.
Wir fuhren wieder raus aus der Stadt und es wurde wieder ländlicher. Als nächstes machten wir halt ab einer alten Wasserstelle, wo früher die Menschen ihre Wäsche wuschen. Dort habe ich erstmal mein Gesicht und meine cappi nassgemacht, weil es echt heiß war. Auf dem weiteren Weg ist mir etwas aufgefallen, das es hier Stierkampfarenen gibt. Ich wusste gar nicht das sie sowas in Südfrankreich auch machen und später stellte sich raus, das das wohl hier die einzige Region in Frankreich ist, wo sie Stierkämpfe machen. Naja. Kurz vor unserem Ziel haben wir dann noch eine sehr seltsame Frucht am Boden liegen gesehen die niemand von uns kannte. Es sah aus wie ein Gehirn und der dazugehörige Baum heißt Milchorangen Baum. Es gibt kein Mensch oder Tier was diese Frucht essen kann und das einzige Tier was sie Mal gegessen hat, ist wohl ausgestorben. So überlebte der Baum nur noch, weil Menschen ihn als lebenden zaun gepflanzt haben. Wir sind dann in eine kleine Stadt gefahren wo es einen Campingplatz gibt. Jetzt waren wir an der Côte d’Azur.
Hier hieß es Abschied nehmen. Wir holten uns ein paar Biere und verbrachten noch ein wenig Zeit ab der Rhone. Bis auf Girmi, der am Ufer ein bisschen eBook laß, sind wir alle ins Wasser gesprungen.
Es war zwar kalt, aber nicht zu kalt zum baden. Am Ende haben wir noch eine Frau gefragt, ob sie ein Gemeinschaftsfoto machen kann. Sie war Spanierin, aber mir fehlten natürlich die Worte auf spanisch zu fragen. Später erinnerte ich mich aber Girmi hatte sie inzwischen schon auf Französisch gefragt und wir bekamen ein paar tolle Fotos. Ich werde die hier allerdings nicht posten, weil ich bisher nicht alle Fragen konnte, ob es für die ok ist.
Der Campingplatz für Gimir und mich war nur noch ca. 1km entfernt. Wir kauften noch ein um uns abends Wraps zu machen und machten uns einen entspannten Abend. Auf dem Campingplatz wurden wir auch gleich von einem sehr süßen Hund begrüßt, der uns ein großes Blatt brachte und mit uns noch ein bisschen gespielt hat. Abends war dann nur noch Blog schreiben und essen angesagt. Ich war so froh das ich bis spät abends im T-Shirt draußen sitzen konnte. Außerdem wurden in Relation zu den nördlichsten Gegenden in denen ich war, die Tage wieder merklich länger. Endlich bekam ich noch ein bisschen Sommer, der besser war als der vergangene, der ja quasi keiner war. Ich hatte jetzt schon eine längere Zeit warmes Wetter und es wurde immer schöner. Dazu noch die Gegend und auch in der Vorhersage kamen bisher nur ein paar Wolken vor aber weit und breit nichts von Regen. Ich bin einfach nur glücklich darüber und über die vergangenen Tage, die ich mit tollen Menschen verbringen konnte.

