16.08.2025 – Tag 88
Ich bin aufgewacht und bilde mir ein das diese zwei Nächte schon etwas mit mir gemacht haben. Ich war nicht in Panik schnell alles abzubauen, sondern bin in aller Ruhe aufgewacht und habe erstmal geschaut ob es schon an der Zeit ist aufzustehen. Was soll auch schon passieren, außer das mich jemand verscheucht. Ich hatte meinen Schlaf und eigentlich war doch alles gut. In der Nacht war ich wieder mehrfach aufgewacht und habe teilweise ne Weile gebraucht um wieder einzuschlafen. Trotzdem fühlte ich mich Recht fit und beschloss aufzustehen. Der See war leer und es waren noch keine Menschen unterwegs. Es war ungefähr 7:00. Ich baute also in aller Ruhe ab und machte mir erstmal einen Kaffee. Ansonsten hatte ich nichts zum Frühstücken da, aber auch nicht so richtig hunger. Ich brauchte eine Weile und nahm mir alle Zeit die ich brauchte um mein Fahrrad zu beladen. Dann konnte es losgehen. Wieder an den Kanal. Das alte Spiel. Schotter, Berg, Schleuse, Schotter und so weiter. Es tauchten immer größere Berge am Horizont auf aber ich war ja am Kanal und brauchte eigentlich nur die kleinen Berge fahren um wieder aufs nächste Kanal-Level zu kommen. Ich fuhr genau so schnell das es nicht anstrengte. Meine Beine traten quasi von allein und ich beobachtete die Landschaft. Und natürlich die Schlaglöcher. Ab und zu hielt ich an und schaute auf der Karte wo ich lang komme und irgendwann machte ich mich auf die Suche nach einem Supermarkt um etwas zum Frühstück/Mittagessen zu kaufen. Irgendwann führte mich der Kanal dann durch eine kleine Stadt, wo ich mir einen blaubeerskyr und Müsli kaufte. Dazu noch einen Liter Limo und anderen Kram. Auf bonschi verzichtete ich. Irgendwie hatte ich schon Lust auf was süßes, aber mit Gummibärchen Kram war ich übersättigt und Schokokekse oder so gingen ja wegen der Hitze nicht. Statt dessen noch einen Apfel und ein paar gelbe Kiwis zum gleich essen. Alles in die Taschen und wieder an den Kanal. Ich merkte das ich echt extrem überladen war. Das ganze Paranoia Wasser, dann noch die 1,5l Schweppes, die ich nicht trinken mag, weil sie einfach immer viel zu warm ist und dann noch der liter Limo die ich gerade gekauft hatte. Ich hatte locker 8kg Flüssigkeit in top, zu meinem eh schon fett bepackten Fahrrad. Jetzt hieß es also Augen offen halten für eine gute Stelle zum essen und um die Mittagssonne ein bisschen auszusitzen. Es dauerte eine ganze weile. Ich denke ich bin sicher so 1-2 Stunden weiter gefahren, bis ich auf der anderen Uferseite eine große Wiese mit einem Tisch unter einem großen Baum sah. Also rüber und erstmal hinsetzen. In meinem Stil, erstmal den ganzen Tisch Vollmüllen, das ich selber kaum Platz habe zu sitzen und erstmal was essen. Eine 1,5l Flasche Wasser habe ich auch noch ausgemustert und die 1l Limo habe ich auch ausgetrunken. Dann noch den 500g skyr aufgegessen mit Müsli und Apfel. Also quasi etwas über 3kg weniger. Lustig ist, das das Gewicht inzwischen nicht mehr mir zu schaffen macht, weil die Kraft inzwischen nicht mehr das Problem ist. Ich mache mir nur Sorgen ums Fahrrad. Naja. Dann habe ich noch Blog geschrieben und sogar noch ein bisschen gemalt. Inzwischen werde meine Tage immer entspannter und ich genieße das sehr. Ich habe mich die letzten 2 Tage echt wegen nichts mehr gestresst. Die Schlafsituation hat sich komplett aufgelöst, weil ich einfach mal auf Campingplätze scheiße und dadurch endzerrt sich auch mein ganzer Tag. Mir doch egal ob ich 1 Stunde oder 4h Mittagspause mache. Ich werde schon abends irgendwo mein Zelt hinschmeißen.
Nachdem ich dann wieder Lust bekam weiter zu fahren stieg ich auf mein viel leichteres Fahrrad und fuhr. Keine Musik, kein telefonieren oder Ablenkung. Einfach nur das surren der reifen und der Weg am Kanal. Irgendwann dachte ich dann über Abendessen nach und schaute auf mein Handy, durch welche Stadt ich noch komme. Es gab eine größere, wo auch ein Aldi war. Ich entschied mich aber für einen französischen Supermarkt. Is doch scheiße sein Geld immer nur den großen in den Schlund zu schmeißen. Also ging es zu einem „Market Ligny-En-Barrois“. Als ich da an kam, schien es so wie in anderen Städten. Es war ein Supermarkt wo man online seine Sachen aussucht und dann Mc-drive mäßig nur ranfährt um den stuff abzuholen. Das machen die Franzosen oft. Also doch 100m weiter zum Aldi… Scheiß drauf. Da hab ich mir dann Lachs geholt, Zitrone, 1kg Kartoffeln, weniger ging nicht, dann noch ne Zwiebel, eine Dose Bier und eine Flasche Wein, Schokoberliner und ein schokohörnchen. Drin hörte ich schon ein Pärchen mit 2 kleinen Kindern deutsch sprechen. Hab sie aber erstmal ignoriert, weil ich selber mit Jacky telefoniert hatte. Dann bezahlt und zum Fahrrad. In dem Moment kam auch das Pärchen raus. Scheinbar war ich und auch mein Fahrrad den aufgefallen. Mir war inzwischen deren massiver Anhänger aufgefallen. Als ich auf meinem Navi schaute wie ich zum Kanal komme und wo es weiter geht, fragte er mich, ob ich nach dem Campingplatz suche. Es gibt hier im ort eine und bei bar-le-duc noch eine kleinen günstigen. Von da kam ich gerade und ich sagte ihnen das ich mit einfach an der Strecke was suchen würde, aber bedankte mich für den Tipp. Es kam dann noch raus das die Kurzurlaub machten. 2 kleine Mädchen im Anhänger und die beiden mit Fahrrädern. Der hänger war selbst geschweißt, nach YouTube Vorlage und darin hatten die beiden Mädels Platz. Sie führen am liebsten, wenn die Kinder eh schlafen und waren in umgekehrte Richtung als ich unterwegs. Wir unterhielten uns noch ein bisschen. Dann fuhr ich weiter. Wieder völlig überladen zurück zum kanal. Der Weg wurde kleiner und Schotteriger und endete dann irgendwo an einem Feld. Ein Blick aufs Navi verriet mir, das ich hier eine Bundesstraße nehmen musste um wieder an den Kanal zurück zu kommen. Ich war aber schon auf der Suche nach einer Schlafmöglichkeit und musste jetzt auch noch umdrehen. Also zur Bundesstraße. Kein Bock auf den Stress. Kurz vor der Bundesstraße kam dann auf der rechten Seite ein Grundstück, wo mehrere Seen waren. Ich sah, dass dort auf Pontons verschiedene Häuser schwammen, die scheinbar gemietet werden konnten. Manche sahen aus wie kleine hexenhäuschen, manche wie fassaunas. Später sah ich das zu jedem dieser pontons ein kleines Paddelboot gehörte, mit dem man zum Ufer, oder zum Ponton fahren konnte. Naja. Meine Idee war dann, dass ich ja Mal fragen könnte, ob die ein kleines Stück Wiese über haben. Bevor ich jetzt auf die blöde Schnellstraße fahre und wer weiß wie weit fahre, um ein Stück Wiese zu finden, wollte ich wenigstens Mal den Versuch machen. Vor 3 Tagen wäre das noch nicht möglich gewesen. Naja. Ich ging also in die Bar, in der gerade Leute saßen und schnackten und fragte den Typ, der da stand, wie es aussieht. Ob sie Platz für ein kleines Zelt haben. Der sagte mir direkt nein. Ich sagte ihm das ich mit dem Fahrrad da bin und nur ein Stückchen Wiese brauche. Da er nur französisch Sprach, war es nicht so einfach. Als er Velo hörte und dann mein Fahrrad sah, ging er dann doch um die Ecke und sprach scheinbar mit seiner Frau. Er gab 15 in seinen Taschenrechner ein und hielt ihn mir hin. Ich zeigte ihm einen Daumen und er zeigte mir den Sanitärbereich. Ne ziemlich große saubere Dusche und schöne gepflegte Toiletten. Dann versuchte er mir zu erklären, das mein Fahrrad im Fahrradschuppen eingeschlossen werden könnte. Mega lieb. Ich bezahlte mit Karte und baute mein Zelt auf einer mega schönen Wiese zwischen den Seen wo die Pontons schwammen auf. Dann machte ich mein Bier auf und kochte mit meine Lachsfilets mit Kartoffeln und Zwiebel. Als ich dann Abends das Fahrrad reinschieben wollte, zeigte der Platzbesitzer auf meinen Hinterreifen. Er war Platt. Hatte ich mich also doch nicht getäuscht, als ich beim fahren so ein schwammiges Gefühl hatte. Er fragte mich irgendwas auf französisch, was ich natürlich nicht verstand. Aus dem Kontext wirkte es aber so, also ob er den Reifen flicken wollte. Ich gab in meinen Übersetzer ein, dass ich den Reifen morgen früh reparieren werde und er zeigte mir einen Daumen. Wieder ein Platter reifen. Vielleicht denke ich doch noch Mal über tubeless nach. Das nervt ja hart. Aber zuerst brauche ich hinten einen neuen mantel, weil der inzwischen schon wieder auf ist. Egal. Ich ging zum Zelt, kochte, wusch ab, duschte und schrieb Blog. Das war wieder echt ein geiler Tag und ich fühle mich immer Freier.

