09.08.2025 – Tag 81
Ich hatte so gehofft das sich diese komische Depression und die blöden Gefühle über Nacht in Luft auflösen. Hatte. War aber leider nicht so. Ich war total unruhig und ich glaube das ADHS hat sogar noch ganz schön heftig mit reingekickt. Ich bin eingelaufen und habe versucht die Sachen zu packen und mit jeder Sache die ich an einen anderen Platz räumte, brachte ich 2 andere Sachen wieder zusammen. Bei dem Versuch mir nebenbei einen Kaffee zu machen, fiel mir mein Spirituskocher runter. Natürlich offen und kopfüber. Alles, inclusive meine Hände, war mit Spiritus voll, weil ich ihn gerade neu aufgefüllt hatte. Danach wollte ich mein Zelt abbauen und einen Stange brach. Dachte ich zumindest im ersten Moment. Zumindest ist sie auseinander geflutscht und ich dachte sie ist kaputt. Ich weiß immer noch nicht was wirklich passiert ist. Zum Glück habe ich ja ne Reparaturhülse dabei, aber ich hatte eigentlich nicht vor sie zu verwenden. Es war irgendwie ein Tag, der schon beim Aufstehen gelaufen ist. Ich brauchte eeeewig um endlich alles einzupacken und mich fertig zu machen. In meinem Kopf war nur Chaos und ich hatte mega schlechte Laune. Ich fragte mich wozu ich das eigentlich alles mache. Als ich dann auf das Fahrrad stieg wurde es ein bisschen ruhiger und die Laune wurde ein bisschen besser. Ich hatte inzwischen Jacky angerufen und wir telefonierten die ganze Zeit. Zum Glück hatte sie Zeit und sie freute sich auch Mal wieder richtig lange mit mir zu telefonieren. Eigentlich telefonierten wir die ganze Fahrt über und das war schön. Die Strecke war wieder ziemlich bergig, aber das machte Spaß. Meine ganze schlechte Energie in die pedalen treten. Es waren wieder knapp 500 Höhenmeter am ende. Ich fuhr in meiner Zielstadt, in Saint Quentin, noch bei einem großen Einkaufszentrum Ran, weil ich ein Decathlon suchte. Laut Google sollte der da sein, aber ich fand ihn nicht. Scheinbar war er bei Google falsch verzeichnet. Am Ende fragte ich einen Typen und der zeigte in eine richtung wo auch Decathlon am Haus dran stand, aber laut Google sollte es nur ein Decathlon Parkhaus sein. Nachdem ich mehrere Male unter Einsatz meines Lebens einen 2 spurigen Kreise durchfuhr, weil ich verwirrt durch die Gegend fuhr, fand ich raus das das Decathlon Kaufhaus eigentlich das Decathlongeachaft war. Ich konnte also neue Flipflops kaufen, weil meine ja kaputt gegangen waren und in dem Zug konnte ich mir gleich noch eine neue kurze Hose kaufen, weil meine auch total am Ende war. Nach ca. 70km kam ich auf einem Campingplatz in Saint Quentin an, der ein bisschen an Knast erinnerte. Er war von einem hohen Gitterzaun umschlossen. An der Rezeption verstand die Tante mich überhaupt nicht. Zumindest verstand sie das ich mit einem Zelt und allein für eine Nacht hier bleiben wollte. Die Nacht sollte zumindest nur etwas über 6€ kosten, was ich für den Zustand dieser Anlage auch angemessen fand und ich bin da echt nicht anspruchsvoll. Die Toiletten hatten zum Beispiel wieder keine brillen und es gab kein klopapier. Alles war dreckig und lieblos. Die Rezeptionistin sagte mir auch direkt, das ab 21:00 das Tor geschossen wird und man nicht mehr rein oder raus kann. Knast. Ich habe dann aber gesagt das ich noch unterwegs sein will und sie gab mir eine Schlüsselkarte. Ich hatte mir nämlich vorgenommen zum Baden zu fahren, weil da irgendeine Badestelle sein sollte. Dann baute ich mein Zelt auf dem zugewiesenen Platz auf. Zwischen einer Gruppe von Leuten, die gerade dabei waren, mit Arbeitshandschuhen Unterarm dicke Kupferkabel abzuisolieren um das Kupfer zu sammeln und einem Typen der etwas angetrunken in seinem Minizelt lag und Chips aß. Ich will lieber gar nicht wissen wo die Kabel her kommen. Als sie mich entdeckten und sahen das ich ihre Aktion entdeckt hatte, grüßten sie mich zumindest freundlich. Ich dachte mir, das die Nacht ja bestimmt super werden wird (Ironiealarm). Ich packte die Taschen Jedenfalls ins Zelt und nahm mein Bike um zum Baden zu fahren. Inzwischen war es schon 19:00 und als ich ankam, wollte ich lieber doch nicht baden. Außerdem wurde scheinbar gerade dicht gemacht. Es war ein umzäuntes kleines Stück Strand, wo gerade die Leute rausgeschmissen wurden und zusammenpackten. Es lag direkt am Hauptbahnhof und so entsprach auch die Gegend jedem Klischee. Alles wirkte ein bisschen düster und zwielichtig. Leute saßen auf dem Boden und tranken Bier und alles war dreckig. Vielleicht verstehe ich jetzt zumindest, warum die Campinganlage abgeschlossen wird. Ich habe dann mein Fahrrad mit einem etwas komischen Gefühl im Bauch bei Lidl angeschlossen und mir ein paar Sachen für Abendbrot gekauft. Heute gab’s Frikadunsen mit Senf. Das muss reichen und passt zur Stimmung. Langweilig und lieblos. Also zurück zum Campingplatz. Kurz bevor ich ankam, merkte ich, das auch noch mein Reifen wieder platt war. Darum kümmere ich mich morgen. Also Fahrrad abstellen, anschließen und essen.
Auf dem Campingplatz hatten sich inzwischen noch mehr Leute zusammengefunden. Sie saßen kiffend und Biertrinkend auf dem Boden und einer spielte Gitarre. Die liefen auch so komisch Rum und suchten irgendwas im Gebüsch. Später stellte sich raus das sie Holz sammelten für eine Feuertonne, die einer mitgebracht hatte. Als er sie direkt neben mein Zelt stellte sagte ich das es geiler wäre, wenn sie die ein Stück weg stellen würden. War für die kein Problem. Manche Menschen haben glaube ich einfach kein Gefühl für Persönliche Grenzen. Die meinen das gar nicht böse. Die machen einfach und denen fällt dann gar nicht auf, wenn die einem zu dich auf die Pelle rücken. Wenn man sie darauf aufmerksam macht, gehen sie weg und machen wo anders weiter. Da ich die ja auf Englisch ansprach, stellte sich raus das der eine von den ganz gut Englisch konnte. Er fragte mich was ich mache und so und er kommt aus Lille, aber sein dad wohnt in Birmingham. Darum ist er zweisprachig aufgewachsen. Der war eigentlich ganz nett. Ich bin dann trotzdem ins Zelt und wollte meine Ruhe.
Da hatte ich meine Rechnung aber ohne die Typen gemacht. Die haben nämlich um 24:00 nochmal eine Gitarrensession mit singen und lautem reden neben meinem Zelt gemacht. Ich hatte keinen Bock auf Konversation, die ja wahrscheinlich eh nicht verstanden wird und steckte mir Ohropax rein. Nach einer langen Weile bin ich dann eingeschlafen. Das nächste Mal bin ich mit einem Albtraum im 4 aufgewacht weil die im Nachbarzelt scheinbar immer noch laut redeten. Da halfen auch meine Ohropax nicht. Außerdem war sofort wieder gedankenkarussell in Gange und ich schaffte es nicht meinen Kopf zu beruhigen. Irgendwie war ich zwar extrem übermüdet, aber wach. Nach ca. Einer Stunde grübeln und hin und her rollen, schlief ich dann scheinbar wieder ein. Als ich dann um 7:30 wieder aufwachte gab ich es auf.

