12.10.2025 – Tag 142
Heute bin ich wieder etwas zerknautscht aufgewacht. Als erstes wollte ich mal los zum Einkaufen. Ich brauchte dringend neues Klopapier. Das haben sie ja auf den Toiletten in Frankreich nie. Und ich wollte noch ein bisschen was für Mittagessen holen. Auf dem Rückweg, nachdem ich gerade mal 4km gefahren bin, merkte ich schon wieder das mein Hinterreifen wieder Luft verliert. Also blieb mir nichts anderes übrig, als das Gepäck, was ich gerade raufgebaut hatte, wieder komplett runter zu nehmen und in der Prallen Sonne an der Straße den Reifen zu flicken. Das doofe war auch, das ich wieder nur noch einen Schlauch in Reserve hatte. Ich wollte also um jeden Preis flicken und nicht schlauch tauschen. Leider hab ich das Loch nicht gefunden und habe einen Flicken auf eine Stelle geklebt die aussah wie ein loch und wo im Mantel ein Dorn gesteckt hat. Es war auch schon wieder der 4. Flicken oder so und irgendwann weiß man ja eh nicht mehr, ob nicht vielleicht irgendein alter flicken Luft verliert. Es war also eine verzweifelungstat. Etwa 10km weiter konnte ich es nicht mehr leugnen. Mein reifen fühlte sich immer schwammiger an. Ich war inzwischen so hart genervt vom ständigen flicken, das ich mir gesagt habe, das ich nicht über die Pyrenäen fahren werde, so lange ich nicht eine zumindest halbwegs zuverlässige Lösung gefunden habe um das mal nachhaltig zu beheben. Ich stellte mich also wieder an die Straße und musste mir wohl oder übel den letzten Schlauch ins Rad ziehen. Während ich da so stand kam jemand mitm E-Bike vorbei. Der hat mich da so gesehen und gefragt ob ich Mal flickzeug da habe, weil sein reifen Luft verliert. Ich sagte ihm das er gern welches haben kann und dachte er fängt dann auch an zu flicken. Statt dessen hatte ich das Gefühl, das er nur einen Gesprächspartner brauchte. Er fragte mich über meine Reise aus und erzählte mir das er mit seinem Camper unterwegs ist und mit dem E-Bike dann am Tag so rumfahrt. Er hatte sogar Klickpedale, weil er meint das er das aus seiner aktiven Zeit vom Triathlon so kennt und das man damit ja auch noch ein bisschen zusätzliche Kraft aufbringen kann. Ich sagte ihm das ich das mit Flipflops nicht brauche und es mir auch gar nicht auf maximale Effektivität ankommt. Inzwischen erzählte er mir noch was er arbeitet und das er ja eigentlich eh ausgesorgt hat, weil er Aktien, Immobilien und Bitcoins hat. Er sei aber sehr sparsam und das ist sowieso die Lösung, weil man dann auch nicht so viel fürs Leben braucht. Ich dachte mir nur herzlichen Glückwunsch zu der weltbewegenden Erkenntnis. Und stellte mein Fahrrad wieder auf die Reifen. Dann pumpte ich Luft drauf und fragte ihn was er denn braucht, weil ich gleich weiter will. Beim flicken zeigte sich, das es scheinbar das erste Mal war, das er von einem Fahrrad den Mantel abgenommen hat und auch beim flicken wusste er nicht so Recht, wie das alles funktioniert. Ich habe ihm dann ein bisschen geholfen und er klebte einen Flicken auf einen anderen flicken, neben dem ein Loch war. Ich denke er hat das letzte Mal schon den flicken daneben geklebt und in seinem Mantel hat er auch nicht gekuckt ob da noch was drin steckt oder so. Naja. Der wird seine 2km zum campervan wohl schon schaffen. Ich bin dann weiter und war schon echt genervt. Es war inzwischen schon 15:30 und ich hatte ca. 15km zurückgelegt. Jetzt fuhr ich die restlichen Strecke die ganze Zeit mit der Angst das ich mir irgendwas in den Reifen reinfahre. Flickzeug ist zwar noch da, aber ich hatte weder Bock nochmal anzuhalten, noch ein Loch zu suchen, was ich vielleicht wieder nicht finde. Zum Glück ging es gut. Auf dem letzten Stück zum Campingplatz sah ich dann etwas riesiges am Horizont. Etwas in Wolken gehüllt und im ersten Moment dachte ich auch es sind wolken, weil es so blau aussah. Dann fiel mir auf das es Berge sind. Und was für welche. Die Pyrenäen. Und sie kamen mir krasser als die Alpen vor. Zumal sie einfach so riesig und massiv da standen. Das war schon ein krasses Gefühl. Ich für weiter zum Campingplatz und baute das Zelt auf. Den Abend habe ich nicht mehr viel gemacht.

