11.09.2025 – Tag 111
Nach dem ins Bett gehen hat es angefangen zu regnen und Dörte ist noch Mal raus um Wäsche abzuhängen. Das nächste Mal bin ich dann aufgewacht, weil es extrem gestürmt hat und ich dachte das gleich ein Baum vorbeigeflogen kommt oder so. Irgendwie ist das schlafen in letzter Zeit wieder nicht so geil.
Morgens haben wir wieder unsere Zeit gebraucht. Frühstück, Kaffee, Essen, Gedöns. Als wir da so saßen und ein bisschen gequatscht haben kam ein Spanier vorbei. Dörte hatte die gestern schon bemerkt und mir erzählt das die da sitzen und fröhlich auf spanisch am quatschen sind. Er fragte uns wo es hingeht und so. Sprach gutes Englisch und erzählte uns, dass er mal ne Zeit in England gewohnt hat. Er fand mega cool das wir die Reise machen und sagte das er sowas auch schon immer mal machen wollte, aber bisher nur kurze Touren mit seinem Motorrad gemacht hat. Dann fragte er ob wir nicht Kontakte austauschen wollen. Er wohnt in Barcelona und wenn ich da vorbeikomme und irgendwas brauche, soll ich mich gern melden. Mega cool. Wir haben nummern getauscht und uns bei instagram vernetzt. Ich sagte ihm das wir uns auf jeden Fall in Barcelona sehen werden. Danach machten wir uns weiter fertig und packten unsere Sachen. Zwischendurch mal noch seine Mutti vorbei und grüßte uns mit einem fröhlichen Buenos Dias. Dann stiegen wir auf die Bikes und machten uns auf den Weg zum nächsten Campingplatz. Wieder mal ein municipal camping. Der Tag war wieder mal grau und wir hatten durchgehend Angst das es gleich Wolkenbruch artig losgehen würde zu regnen. Das blieb aber zum Glück aus. Im Gegenteil. Wir sahen sogar ein bisschen blauen Himmel zwischen den Wolken. Darüber muss man sich schon freuen bei dem schlechten Wetter in der letzten Zeit. Ich hoffe es wird bald besser, damit wir nochmal ein paar aneinander hängende schöne Tage haben, bevor Dörte wieder weg ist. Naja. Die Gegend war wieder sehr schön und felsig und Grün. Irgendwann sagen wir in der Ferne eine Festungsanlage. Erstmal Fotos machen und weiter. Dann kamen wir immer mehr drauf zu und wir sahen das die echt riesig ist. Als wir kurz vor der Burg waren, sahen wir plötzlich, das wir durch einen langen Tunnel müssen, der durch den Berg führte. Der Weg führte parallel zu seinem Fluss, der auch auf die andere Seite führte. Hier konnten Schiffe durch den Berg fahren. Auf der anderen Seite angekommen ging es weiter am Fluss lang. Jetzt konnten wir die Burg nochmal von der anderen Seite sehen. Es ging weiter durch schöne Gegenden und die Natur hatte sich wieder ein bisschen geändert. Die Flora wirkte hier und da schon etwas mediterraner. Wir fuhren weiter an den Bergen entlang. Weg von der Burg und kamen an einer Stelle vorbei, wo ein Tunnel für Schiffe im Felsen war. Als Fußgänger hätte man da wohl auch durchgehen können. Das lustige war, das da von oben am Tunneleingang Wasser aus einem Rohr kam, so das der ganze Tunneleingang mit einer art Wasservorhang Zugemacht war. Als ein Schiff durchfuhr, ging das Wasser aus. Den Sinn davon hab ich nicht verstanden. Wir fuhren mit dem Fahrrad weiter und scheinbar um den Berg rum, weil wir nochmal von der anderen Seite am Schiffstunnel vorbeikamen. Dann ging es wieder weiter durch schöne Gegenden mit riesigen Bäumen und so Art Fluss-Alleen. Ich kam mir richtig klein vor und das wirkte alles wie aus einem Film.
Nach einer Weile wollten wir Mittag machen und mussten dafür einen Berg in die Stadt hochfahren. Dort haben wir dann erstmal was gegessen. Als nächstes wollten wir dann zurück zum Kanal. Eigentlich hätte es entspannt an der Straße zurück gehen können. Wir sind nur bergauf gefahren, also müsste es, rein logisch, jetzt nur bergab gehen. Da wir aber nicht mein Navi eingestellt haben, sondern dörtes high-tech scheiß Ding, was noch mit Werkseinstellungen versehen war, war es natürlich anders. Das blöde Navi wollte uns scheinbar auf kürzestem Weg zum Kanal zurück bringen. Das bedeutete direkt über einen hohen Berg. Wir haben uns durch einen Wald mit losem Untergrund einen steilen Berg hochgekämpft. Dörte musste wieder schieben und war total genervt. Ich war auch genervt weil ich ja wusste das das gerade komplett unnötig ist. Als wir endlich auf der Bergspitze ankamen, ging es nur einen schmalen singletrail runter, den man mehr bremsend und auf der feuchten Erde rutschend hinunterkam. Eine schöne Abfahrt gab es also auch nicht. Irgendwo war dann der Wald zuende und wir konnten die Bikes noch über einen dicken umgestürzten Baum tragen um dann über eine Wiese mit hohem Gras wieder zur Landstraße zu kommen. Nach einer Weile kamen wir wieder total abgekämpft am Kanal an. Wir einigten uns dann das wir immer mein Navi nehmen werden, sobald wir etwas von der Route ab navigieren wollten. Ich bin oft froh, das Garmin mir nicht als Sponsor dieses dumme Edge Ding geschickt hat. Ich liebe mein Oregon navi.
Der restliche Weg ging dann am Kanal entlang bis auf ganz am Ende wo wir einen kleinen Berg hoch, durch ein kleines Dorf und wieder zum Kanal gefahren sind. Angekommen am Campingplatz sah man sofort das der sehr spartanisch war. Er war direkt an einer Straße gelegen, es gab nur ein klohauschen, mit duschen und ein kleines Stück Wiese unter einem pavillion Häuschen. Der Betreiber war den Tag über in einem gammeligen Wohnwagen und hatte einen baucontainer als Büro. Das wir das Zelt unter einem pavillion aufbauen konnten, war in Anbetracht dessen, das es ständig regnete echt ganz cool, auch wenn wir uns den Platz mit 2 Franzosen dicht nebeneinander teilen mussten. zumindest war die Wiese dadurch nicht so aufgeweicht und matschig. Am Abend haben wir dann nur noch essen gemacht, geduscht und sind dann irgendwann ins Zelt verschwunden. Zwischendurch kamen nur noch 2 deutsche die ein Wohnmobil hatten und die ich direkt gefragt habe, ob sie Strom haben. Natürlich, weil ich denen dörtes powerbank aufs Auge drücken wollte, weil die leer war.
Ich dachte wieder drüber nach, das ich das Gefühl hatte, das mich dieser nervige Alltag gerade wieder ein bisschen einholte. Aufstehen, Frühstück, abbauen und einpacken, fahren, einkaufen, zu Campingplatz hetzen, aufbauen, kochen, duschen, schlafen. Es heißt ja immer das Routine gut und wichtig ist, aber mich nervt Routine meistens ehr früher als später. Ich bin dann gelangweilt von meinem eigenen Leben und will irgendwas extremes machen um auszubrechen. Warum ist das bloß so, das Routine so wichtig ist. Das ist irgendwie schon immer ein Problem bei mir. Ich denke ich muss hier wie so oft wieder einen guten mittelweg finden. Mittelwege sind nicht so meine Stärke, aber vielleicht schaffe ich das ja irgendwann. Aber ab Dijon will ich es auf jeden Fall entspannter machen. Kürzere Strecken, hier und da mal bleiben. Jetzt gerade geht das nicht wegen der Bestellung der Picknickdecke nach Dijon, aber dann muss Mal wieder chillen und ein entspanntes leben drin sein. Und hoffentlich auch Mal wieder ein bisschen Sonne. Ich habe dann noch den Campingplatz in Dijon angerufen und die sagten sie haben Platz für uns. Plan für morgen ist also 70km nach Dijon und dann erstmal chillen. Vielleicht finde ich da ja einen Outdoor laden, der eine Zeltlampe für mich hat.

