14.01.2026 – Tag 206

Das war eine Horror Hostelnacht, wie sie im Buch steht. Einer in meinem Zimmer hat fast durchgehend gehustet. Ein anderer meinte um 2:30 eine Tüte Chips rausholen zu müssen, damit laut rumzuknistern und laut die Chips fressen zu müssen. Andere „Mitbewohner“ sind in der Nacht aus dem hochbett gesprungen anstatt ruhig die Leiter runterzuklettern, auf den Fluren haben sich bis um 3 immer mal wieder Laut Leute unterhalten und durch das Laute husten in meinem Zimmer haben nicht Mal die Ohropax geholfen.
Ich bin dann trotzdem um 8:00 aufgewacht und habe erstmal frühstück gegessen. Heute war mein erster richtiger Fahrradtage seit langem. Irgendwie freute ich mich drauf und ich konnte ja auch mein neues Navi austesten. Zuerst habe ich aber ausgechecked und mein Frühstück aufgegessen. Dann kam Navi dran bauen und Taschen und Kram ranbaumeln. Als alles fertig war ging es los. Da ich noch mal mit Jacky geschnackt habe, die nochmal wegen den Taschen recherchiert hatte, wusste ich, das es noch günstigere Varianten gab die Taschen nach Deutschland zu schicken. Ich fuhr also mit dem sperrigen Karton zu einem Einkaufszentrum in dem ein laden war, der UPS, DHL, und DPD im Angebot hatte. Am Ende wurde es DHL. So kostet das Paket „nur“ 30€. Und da Jacky was dazugeben wollte, weil die Taschen ja für sie waren, konnte ich damit leben. Dieses mal hat mir der Mitarbeiter auch ganz lieb geholfen und ich konnte sogar mit meiner deutschen EC Karte bezahlen.
Jetzt war es schon 11:30 und ich konnte endlich meine eigentliche Etappe starten. Zuerst ging es vom Einkaufszentrum wieder am Hostel vorbei und nur ein kleines Stück, bis ich am Wasser war. Dort war das Fährterminal. Hier war ein mega gut gelauter Ticketmensch, der in seinem Häuschen gerade so lustig rumgetanzt hat. Er erkannte gleich meinen deutschen Akzent und scherzte ein bisschen rum. Er sagte mir dann das die Fähre gerade weg ist und so hatte ich sogar noch Zeit einen Kaffee trinken zu gehen. Nach dem Kaffee ging es dann zur Fähre wo mich auch gleich in neugieriger Typ fragte wo ich hin will und was ich vor habe. Weil mein Handy wieder klingelte und ich eigentlich gerade mit Jacky telefonierte, wimmelte ich ihn ab und fuhr dann auf die Fähre. Schon jetzt merkte ich übrigens das ich morgens einen Fehler gemacht hatte. Ich hatte vergessen meine Polsterhose anzuziehen…
Die Fähre fuhr auf die andere Seite auf eine Landzunge. Hier nervte mein neues Navi ein bisschen Rum, weil es im falschen Koordinaten Format war, weshalb ich Probleme hatte den Zielpunkt einzugeben. Die Menüs bei Garmin sind so hart unintuitiv, das ich erstmal eine halbe Stunde im Regen stand und versucht hatte mit meinem Oberkörper die Tropfen vom Touch-Display fernzuhalten, während ich versuchte die richtige Option zu finden. Nachdem ich schon ein bisschen genervt war hatte ich es aber geschafft. Als ich losfuhr merkte ich das hier wenig Verkehr war und bis auf die Autos von der Fähre und ein paar Fahrradfahrer war ich quasi allein. Das Wetter hatte sich tatsächlich auch wieder gefangen und bis auf ein paar kleine Schauer und einen sehr grauen Himmel war es ganz ok. Wenigstens trocken. Außerdem freute ich mich wieder in der Natur zu sein. Viel Steigung war hier auch nicht zu beklagen. Nur mein Arsch tat weh. Aber das kann man schon mal ein Tag durchhalten. Ich fuhr immer in der Nähe vom Wasser und Recht und links waren Pinienwälder und Dünenlandschaft. Nach einer Ewigkeit musste ich dann abbiegen. Was mich wunderte war, das der Weg laut Google etwas über 40km betragen sollte und meiner war scheinbar ein ganzes Stück weiter. Leider hatte ich auch bisher nicht rausfinden können wie mir, wie bei meinem alten Navi Geschwindigkeit und Reststrecke angezeigt werden kann. Also wusste ich nicht wie weit es noch war. Ich hatte aber eh noch nicht auf die Endstation eingestellt, sondern auf einen Decathlon, weil ich unbedingt eine neue kurze Hose brauchte. Meine hatte ich vorm Flug weggeworfen. Es ging an einer Bahnstrecke lang und immer mal wieder ein paar „Abkürzungen“ die kleine Matschige singletrails waren. Egal ich fuhr sie und mein Bike war schon wieder mega Matschig und kurz vor meinem ersten Ziel hatte ich auch schon wieder nasse Füße, weil ich in einer Riesenpfütze stecken geblieben war. Dann ging es noch an einer ominösen Straße endlang, wo scheinbar Prostituierte auf Plastikstühlen saßen und auf haltende Autos warteten. Bei Decathlon angekommen, kaufte ich mir erstmal etwas Proviant in Nachbar Supermarkt und im Decathlon gab es dann neue Flipflops (die gleichen wie vorher) und eine Zipperhose. Die einzige Möglichkeit an eine kurze Hose zu kommen die keine Jogginghose war und eigentlich auch gar nicht so unpraktisch, dachte ich. Jetzt ging es zum Campingplatz. Dazu schickte mich mein Navi als erstes durch einen Wald, der ganz schön sandig und hügelig war. Und ein bisschen zu Matschig für meinen Geschmack aber was soll man machen. Ich dachte mir das ich mir die Routing Option des Navis morgen nochmal ansehen muss. Die Strecke wurde einfach nicht kürzer und inzwischen musste ich durch Metalltore, die ich aufmachen musste um durchzukommen. Ich hatte schon Angst das ich irgendwo vor einem verschlossenen Tor stehen würde, weil mein Navi mich schon mehrfach versuchte durch verschlossene Tore zu führen. Aber zum Glück ging es gut.
Nur das die Sonne langsam unterging. Es ging langsam schon auf 18:00 zu und es waren laut Google noch 15km zu fahren. Inzwischen schaute ich nämlich schon bei Google nach, weil ich misstrauisch wurde. Der Sonnenuntergang war echt schön, wenn ich nicht drüber nachdachte, das ich gleich im stockdunklen in einem unbekannten Wald rumfahren musste, bei dem ich mir nicht sicher war ob ich auf Grund der Tore so ohne weiteres einfach rausfahren konnte. Nach einiger Zeit und nachdem ich noch ein paar Reiter auf ihren Pferden aufgescheucht hatte kam ich wieder an eine echte Straße mit asphalt. Inzwischen fuhr ich schon mit Licht, aber ehr damit ich nicht übersehen werde, als das es wegen der eigenen sich wäre. Ich musste scheinbar noch einen Berg überqueren um zu meinem Campingplatz zu kommen. Was ich zu der Zeit noch nicht wusste war, das das Navi mich tatsächlich auf direktem Weg über einen Bergkamm schicken wollte. Ich fuhr einen sehr matschigen Weg steil hoch. Der Boden war mehr aus scheiße und es wurde immer dunkler, so dass ich irgendwann meine kopflampe aufsetzte. Auf meine Fahrrad Funzel konnte ich mich nicht verlassen, zumal sie ja mit Nabendynamo läuft und besonders bei keiner Geschwindigkeit bergauf maximal ein bisschen flackerte. Es war kalt und ich sah meinen atem. Immer wieder hörte ich irgendwo Hunde kleffen und der Weg wurde immer schmaler. Irgendwann war es nur noch ein sehr zugewachsener singletrail und so steil und rutschig, das ich absteigen musste. Um mich Rum war es stockdunkel und es waren nicht Mal Häuser zu sehen. Ich war irgendwo hoch in den Bergen und fragte mich wie scheiße man den Router eines Fahrrad Navis einstellen kann. Das es überhaupt möglich ist, über einen Wanderweg geroutet zu werden, der selbst zu Fuß nicht passierbar ist. An einer Stelle versank mein Fahrrad bis zur Achse des Vorderrades im Matsch. Und das ist nicht übertrieben. Ich war auch nur noch am rumrutachen. Das war alles dieser gelbe matsch, der aussah wie Durchfall. Als ich dann an einer Stelle ankam, wo ich nicht Mal das Fahrrad hochheben konnte weil die Stufen ungefähr kniehoch waren, machte ich die Schwedentaktik. Taschen ab und zu Fuß vorgehen und schauen ob es nur eine Stelle ist, oder ob es allgemein so weiter geht. Leider war es das zweite. Ich stand also völlig fertig, schwitzend und kaputt bis zu den Knöcheln im Matsch und es war einfach mal stockduster. Ohne meine kopflampe hätte ich die Hände vor den Augen nicht gesehen. Ich dachte über meine Optionen nach und rief erstmal Jacky an. Zum Glück gab es hier empfang. Jacky fragte erstmal nach dem Standort und sagte mir das Google da nicht Mal mit maximal reinzoomen einen Weg anzeigte und das ich mitten im Wald in den Bergen bin. Es gab aber eine kleine Straße ungefähr 500m von mir entfernt. Das heißt die ganze scheiße zurückschieben. Und versuchen sich im Matsch und Geröll nicht die Beine zu brechen. Das war ein Horrortrip. Ich war inzwischen auf die Navigation mit Google umgestiegen. Auf mein Navi war in dem Zustand kein Verlass. Das war der harte Weg es zu lernen. Nach einer weiteren Ewigkeit kam ich an einer Abzweigung des Wanderweges an, die mir vorhin auch schon aufgefallen war. Hier bog ich auf den Weg den ich noch nicht kannte und tatsächlich kam ich irgendwo an einer kleinen Straße raus.
Ich rief bei dem Campingplatz an, weil es schon 20:30 war und wollte wissen ob die noch aufhaben wenn ich in einer Stunde ankomme. Leider konnte der, der abnahm nur Spanisch, Portugiesisch und Französisch. Ich versuchte ihm zu erklären das ich Probleme habe und in einer Stunde da bin und fragte ob das ok ist. Er meinte ja, komm vorbei. Das war doch wenigstens ein Lichtblick. Als nächstes musste ich feststellen das der Antrieb meines Rades so zugeschlammt war, das die Kette immer wieder runterging. Ich konnte also nicht fahren. Zum Glück hatte ich noch eine Wasserflasche dabei, so ich ein Loch in den Deckel bohrte. Damit versuchte ich dann den Antrieb so weit sauber zu bekommen, das die Kette drauf blieb.
Mit Sand knirschen und einer Bergetappe wurde jetzt also meine neue Kassette und Kette eingeweiht… Nach einer weiteren Ewigkeit kam ich am Campingplatz an und bekam einen Platz. Jetzt wollte ich nur noch duschen und schlafen. Vorher schnorrte ich mir bei zwei deutschen in einem Wohnmobil noch Klopapier, weil ich natürlich keins dabei hatte und vergessen hatte, das die Spanischen und portugiesischen Campingplätze scheinbar immer am klopapier sparen. Einzuschlafen hat heute echt nicht lange gedauert.

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