02.11.2025 – Tag 163

Heute war schon von Anfang an klar, das es auf eine Bergetappe geht. Es ging erst noch ein bisschen an der Küste entlang und dann durch ein Dörfchen. Dort stand ein riesiger surrealer Baum, der scheinbar nur aus Luftwurzeln bestand. Es wirkte als wenn er gar keinen richtigen Stamm hat. Trotzdem war er riesig und hatte ein krasses Blätterdach. Nachdem ich ein paar Fotos gemacht habe, ging es weiter zu einem Kiosk. Da Sonntag war, wollte ich lieber so früh wie möglich meine Wasserreserven auffüllen. Wer weiß, ob es wo anders noch die Möglichkeit gibt. Ich bin also in den kleinen kioskartigen laden rein und habe mir Wasser und ein bisschen Proviant geholt. Danach ging es weiter. Die Berge kamen schon immer näher und sie wirkten riesig. Da mussten wir rüber. Es ging noch ein paar Wege an einem ausgetrockneten Fluss entlang. Scheinbar war hier schon etwas länger kein Wasser mehr langgekommen. Dann ging es durch eine etwas kargere Gegend. Eine Art Industriegebiet. Dann standen wir vorm ersten Anstieg. Auf der rechten Seite entdeckten wir noch einen Feigenbaum. Also nochmal anhalten und mit frisch gepflückten Feigen stärken. Dann kam ein längerer sehr steiler Anstieg, den es im kleinsten Gang mit immer gerade so viel Geschwindigkeit das ich nicht umfalle hoch. Es zog sich und ging in ein paar Serpentinen, aber immerhin mit asphaltiertem Boden nach oben. Irgendwann kamen wir bei einer alten Ruine an. Hier haben wir erstmal ein kleines Mittagessen gemacht. Es war ein altes Industriegebäude, das scheinbar früher Mal in irgendeiner Art zum Steinabbau genutzt wurde. Nach unserer Pause endete der Asphalt und es ging, wie man es von Spanien gewöhnt ist, auf Schotter und Geröll weiter. Der Ausblick entschädigte aber immer wieder. Die Berge waren mächtig und wunderschön. Die Schotterstrecke blieb aber erstmal. Es ging stetig bergauf und durch das teils faustgroße Geröll und die großen Löcher konnte man nicht viel schneller als 6-8kmh fahren. Dazu musste ich immer sehr drauf achten eine gute Spur zu erwischen um nicht vom Fahrrad gewackelt zu werden. Franziska wusste aus einem Reiseführer, das wir wohl auf einer alten Bahntrasse unterwegs wahren. Das machte auch Sinn, denn wir kamen immer wieder über Brücken ohne Geländer und durch unbeleuchtete Tunnel, die teilweise sehr lang waren und stockdunkel. Wir machten unsere Fahrradlichter an um überhaut was zu sehen und ich machte ein paar Mal sogar meine kopflampe an um den Boden besser sehen zu können. Das schöne war, das die Umgebung quasi jedes Mal, wenn wir aus einem Tunnel kamen, wieder komplett anders aussah. Mal waren die Berge grün und mit Büschen bewachsen, mal wuchsen Moosartige Sachen und andere Male waren es Felsen, oder gelbes Gestein. An einer Stelle sahen wir sogar einen Wasserfall und ein kleiner Fluss tauchte auf, der im weiteren Verlauf unseren Weg begleitete. An einer Stelle, wo wir den Fluss über eine Brücke querten, badete eine Frau im Fluss und Leute mit Kindern picknickten dort. Dann wieder komplette Wildness und Gebäuderuinen aus einer anderen Zeit. Wir mussten uns wirklich lange mit dem unwegsamen Gelände rumquälen und zwischendurch kamen immer wieder steile Anstiege. Das kostete wirklich viel Zeit, Kraft und Nerven. Irgendwann kamen wir dann aber endlich an eine bessere Straße. Dann wieder Geröll und irgendwann eine echte Landstraße. Wir kamen nach einer Weile in ein kleines Dorf. Hier hat und direkt ein Typ angesprochen und gefragt was wir suchen. Wir wollten eigentlich noch etwas einkaufen, aber ein laden hatte hier nicht auf. Statt dessen gab es ein Lokal, wo viele Leute waren. Sowohl drin, als auch draußen. Es waren Tische in einer Nebenstraße aufgestellt und die Leute saßen zusammen und redeten. Wir überlegen kurz und setzten uns dann auch auf ein Bier hin.
Da ich immer noch nicht wusste wo ich die Nacht verbringen werde, schaute ich mich auf Maps ein bisschen um und sortierte meine Optionen. Viel zu sortieren gab es nicht. Franziska hatte sich ein Hotel gebucht und ich wollte Mal wieder wildcampen. Mein Plan war erst, zu einem Refugium zu fahren. Da es aber zusätzliche 460 höhenmeter bedeutet hätte, entschied ich mich um und wollte zu einem Campingplatz fahren, der sich in den Bergen, aber nicht so hoch gelegen war. „Nur“ 150 Höhenmeter… Zuerst ging es aber zusammen mit Franziska noch bis cocentaina. Hier feierten die Leute gerade ein großes Fest. Es war quasi die ganze Stadt voll mit Ständen und es wurden sogar campingmobile und Autos ausgestellt. Ich hatte aber auch die Möglichkeit, mich in einem Supermarkt mit Essen und Trinken einzudecken. Wenn schon wildcampen, dann wenigstens mit leckerem Proviant. Limo, Schoki, Bier, Sachen für Nudelpfanne und kleinkram. Der Weg zu dem geschlossenen Campingplatz zog sich echt lange und der Anstieg war so hart das ich kurz vor schieben war. Ich hatte inzwischen auch meine kopflampe aufgesetzt, weil es stockdunkel war. Ich war zwischen großen Bergen und im Dickicht raschelte es und irgendein Tier schrie oder bellte gruselig. Wie ein Hund hörte es sich nicht an. Ich fragte mich inzwischen ob es eine gute Idee war in der völligen Dunkelheit durch unbekanntes Terrain zu fahren und nach einer Stelle zum wildcampen zu suchen. Wenn es wenigstens noch ein bisschen hell wäre, könnte ich es wesentlich besser einschätzen. Statt dessen sah ich links Olivenbäume, die höchstwahrscheinlich auf Privatgelände standen und rechts ging es steil runter und außer ein paar Felsen sah ich selbst mit kopflampe Dunkelheit. Irgendwann sah ich aber ein beleuchtetes Haus. Auch wenn ich da nicht klingeln oder hinfahren wollte, machte dieses Zeichen von leben und das ich nicht allein bin mir schon ein besseres Gefühl und nach einer weiteren Weile, merkte ich das die Steigung flacher wurde und ich scheinbar auf einer Art Plateau ankam. Ich schaute mich um und sah irgendwo Licht. Dann kam auch schon eine Person auf mich zu die sichtlich von meiner kopflampe geblendet war. Ich sagte auf spanisch das ich nach einem Campingplatz suche und die Person konnte zum Glück auch Englisch. Es war der Besitzer des Campingplatzes, der mir sagte das der Campingplatz geschlossen hat. Ich konnte mich aber trotzdem unter den Olivenbäumen hinstellen. Außerdem feierte er und seine Freunde gerade ein kleines Fest. Es gab essen und Bier und nach dem Zelt aufbauen saß ich plötzlich an einem Tisch mit vielen mensch und alle wollten meine Geschichte hören und sagten wie mutig ich bin hier in der Dunkelheit rumzufahren. Mir wurde ein Bier hingestellt und ich bekam warmes Essen und Chips und Nüsschen und war scheinbar plötzlich die Attraktion des Abends. Außerdem versuchten sie mich zu überreden die kommenden Tage dazubleiben und zu helfen Palmen zu pflanzen und Oliven zu ernten. Am liebsten wollten sie mich gleich eine ganze Woche mit einspannen. Morgen gibt es Sauerkraut und übermorgen Paella. Lustig war, das unter ihnen nicht ein Spanier war. Es waren alles Holländer, die das Land gekauft hatten, aber jetzt den Campingplatz nicht betreiben dürfen, da die Anfahrt zu schmal, zu steil und unbefestigt ist. Komisch. Kann ich gar nicht verstehen… Naja, mal schauen, ob ich bleibe. Nachdem die Leute ihr zusammensitzen auflösten, wurde ich noch
mit zu einem tinyhouse geschnackt und wir haben weiter geredet und Bier getrunken. Außerdem wurde ich zum Frühstück eingeladen. Schon krass, wie sich so ein Abend manchmal entwickeln kann. Ich hatte damit gerechnet, das ich maximal eine kleine Fläche zum Zelt hinstellen finde und jetzt war ich voll versorgt. Achja. Die duschen und Sanitärräume waren auch offen, das ich sogar noch duschen konnte. Danach ging ich zum Zelt, wo mich eine süße Katze mit Kringeln an der Schulter begrüßt hat, die unbedingt ganz viel kuscheln wollte. Ich konnte leicht angetrunken und total glücklich einschlafen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert