30.09.2025 – Tag 130

Heute hat mein Wecker schon morgens früh um halb 8 geklingelt. Ja, es gab seit langem Mal wieder einen Wecker. Jacky hatte mir am Abend schon gesagt, das der Campingplatz um 10:30 alle Leute raus haben will, weil es der letzte Tag der Saison ist. Ich habe mich aber trotzdem morgens zu den anderen Bikern an den Tisch gesetzt und gefragt ob der Platz frei ist. Das war er. Wir saßen eine ganze Weile da und unterhielten uns. Wir konnten uns gut auf Englisch unterhaltend und mir war jetzt auch egal wann die schließen, weil die meisten es wahrscheinlich eh nicht wissen wann hier offiziell Ende ist. Und die Leute schienen echt ganz cool drauf zu sein. Nachdem ich meinen Kram dann zusammen hatte fuhr ich als erster aus dieser Gruppe los. Erstmal zur Rezeption. Schauen ob ich nachbezahlen kann. Ich wollte ja nicht einfach die Zeche prellen. Da gestern niemand mehr da war, fuhr ich zumindest noch Mal kurz an der vorbei. Da saß heute wirklich jemand. Der öffnete aber nur das Fenster und sagte mir das es ok seit. Ich brauche nichts bezahlen. Ich glaube die hatten einfach keinen Bock mehr irgendwas abzurechnen. Wie auch immer. Es ging als los. So früh war ich lange nicht mehr auf der Straße. Es war 9:30. Ich schwelgte in Gedanken. Dann, nach ein paar km rief ich Jacky an und wir redeten ein bisschen.
Nach ein paar km hörte ich eine Fahrradklingel. Irgendwie hab ich mir schon gedacht wer mich da anklingelte. Es war ein Tandem und ein Trackingfahrrad. Natürlich die Truppe von vorhin. Jacky hat mir noch schnell viel Spaß gewünscht und wir legten auf. Wir sind dann den restlichen Tag zusammen gefahren. Es war echt toll wieder Leute zu haben die eine Weile mit mir zusammen fuhren. Und mir war klar daß es ein großes Glück war. In der Vergangenheit habe ich viele Menschen getroffen die mit Fahrrädern unterwegs waren. Aber meist waren es entweder Leute mit Rennrädern/Gravelbikes, das heißt die fahren viel schneller und mit viel weniger Gepäck, oder es waren Leute wo es von der Wellenlänge her nicht gepasst hat, oder sie waren in eine komplett andere Richtung unterwegs oder eine Mischung aus mehreren Sachen. Wie hoch ist schon die Wahrscheinlichkeit, das alles passt. Und das mach dann auch noch menschlich passt. Ich denke das geht gegen Null. Bei den war es aber anders. Das treckkingrad fuhr in meiner Geschwindigkeit und das Tandem war auf gerader Strecke schneller aber wir konnten es in kurvigen oder hügeligen Bereichen schnell wieder einholen. Es war als im Schnitt auch unsere Geschwindigkeit. Als ich anfing mich mit dem Fahrer vom treckkingrad zu unterhalten, der übrigens Girmi hieß, wurde klar daß es echt viele Parallelen gab. Er war auch Ingenieur und wie sich später rausstellte ähnliche Gedanken zum Leben am PC. Allgemein hat es ziemlich gut harmoniert und wir haben eigentlich immer was zu schnacken gehabt und beide super gern übers Leben Philosophiert oder ähnliche wünsche, Träume oder Visionen gehabt. Mit den anderen beiden (Luwin und Sophie) habe ich zu der Zeit noch nicht so viel geschnackt aber mir war klar, dass auch die beiden echt cool waren. Es war also eine perfekte Konstellation, die ich so noch nicht einmal auf meiner ganzen Reise erlebt habe. Wir fuhren gemeinsam Richtung Süden und es sah aus als wenn wir ein ganzes Stück gemeinsam fahren könnten, wenn alle Lust dazu haben. Heute ging es zumindest erstmal weiter an der Rhone. Es wurde irgendwie immer mediterraner. Ich weiß das haben ich schon mal gesagt, aber jetzt merkte man es endlich so richtig.
Die ersten Male tauchten Kakteen an der Straße auf, überall standen Olivenbäume und wir kamen sogar an einer Kiwi Plantage vorbei. Ich dachte ich sehe nicht richtig als Girmi mir sagte „schau Mal, Kiwis“. Außerdem kamen wir an Palmen vorbei die an Häusern standen. Nicht im Blumentopf, sondern einfach so im Beet.
Außerdem waren weiter diese Berge überall und die ganze Flora wurde mediterraner.
Unterwegs trafen wir noch einen Grüner Salamander und alles war steinig und schön. Unterwegs fuhren wir über mehrere Hängebrücken die laut der Bilder auf schildern früher Mal richtige Holzhängebrücken waren. Die hingen zwischen einer Art Burgtürme. Mit dem Fahrrad finde die eine richtig an zu schwingen, so das es schwer fiel die Spur zu halten. Ich war mir aber auch nicht sicher, ob es die Brücke, oder mein Kopf machte das sich alles wackelig anfühlte. Auf einer Brücke hielten wir dann an und ich versuchte auf einen der Burgtürme zu klettern. Leider war ein Gitter oben, so das ich, Nachdem ich über den Zaun geklettert war nicht mehr weiter kam. Also zurück und aufs Fahrrad und weiter. Der Campingplatz, den wir dann nach ca. 70km angesteuert hatten hatte leider auch schon saisonbedingt geschlossen. Also suchten wir einen anderen raus der nicht weit weg war. Ca. 7km. Leider waren die 7km nicht an der Rhone. Das bedeutet, wir mussten hoch in die Berge. Nachdem wir uns da endlich hochgekämpft hatten, wurden wir aber auch mehr als belohnt. Der Campingplatz war super schön und die Leute super nett. Es war ein Ganzjahrescampingplatz der in der 3. Generation geführt war. Der Opi hatte sich aus dem Business zurückgezogen und mir noch hauseigene Marmelade verkauft aus einem kleinen hübschen stand herraus, der Sohn hatte die irische Bar auf dem Platz, die wunderschön war mit einer tollen Terrasse, wo sofas waren und sogar ein Granatapfelbaum im Garten stand und die auf einer leinwand Bands zeigte und irische musik spielte. Der Enkel des opas, also die jüngste Generation, führte uns zu unserer riesigen leeren Campingwiese und zeigte uns den Mont blanc, der von hier aus in Sichtweite war. Wir hatten eine wunderschöne Sicht ins Tal und alles auf der Wiese roch nach Minze. Außerdem tauchten immer mehr Aloe Vera pflanzen an allen Ecken auf. Die Waren teilweise echt riesig. Wir sind nach dem Zelt aufbauen erstmal zur Bar gegangen. Haben uns 4 Sorten Bier geholt und die Gläser rumgehen lassen und danach nochmal. Luwin hat uns schon am Vormittag irgendwann gesteckt, das Sofie heute Geburtstag hat, also hatten wir was zu feiern. Girmi und ich haben dafür einen crumble Kuchen gekauft und die anderen meinten das sie zusammen essen gehen wollen, aber für später noch Champagner zum anstoßen haben. Bis dahin haben Girmi und ich uns essen gekocht und ich habe versucht Jacky an Telefon ein bisschen zu beruhigen, weil sie echt aufgeregt war, weil morgen ihr erster Arbeitstag ist. Als die anderen beiden zurück kamen, hatten wir eigentlich noch geplant lange zu feiern, aber da da die bar früh Zugemacht hat, haben wir dann unseren Champagner ausgetrunken und sind früh ins Bett gegangen. Es waren eh alle fertig. Ich bin jetzt schon den 2. Tag in Folge über 80km gefahren und wir waren uns alle einig, dass wir morgen entspannter machen wollen.

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