19.08.2025 – Tag 91

Heute hatte ich mir seit langem Mal wieder den Wecker gestellt, weil Christelle mich gestern noch gefragt hat, ob ich mit den beiden Frühstück essen möchte. Ich dachte mir Richtig cool. Vielleicht finden wir ja jetzt Mal ein paar Minuten zum reden. Sie meinte 9:00 würde passen. Ich war eigentlich noch viel zu kaputt, aber gemeinsames Frühstück klang gut. Ich bin also gegen halb neun in der Morgensonne am Platz gewesen den sie mir gesagt hatte und habe mir schon Mal einen Kaffee gemacht. Um 9 war immer noch niemand da. Dann kam Vincent vorbei und war schon wieder voll im Arbeitsmodus. Nix mit Frühstück. Ich machte mir also mein Müsli und hab entspannt selber Frühstück gegessen. Gegen halb 10 kam Christelle dann vorbei und wünschte mir guten Appetit. Ich fragte wie es mit Frühstück aussieht und sie meinte sie kann nicht, sie muss los. Dann kam kurze Zeit später auch Vincent und hat mir erzählt was der Plan ist. War schon blöd aber ok. Ich habe in Ruhe zuende gefrühstückt und ging dann zu ihm. Er hatte schon kleine Bäume und Sträucher hingestellt, die wir um den kleinen Wohnwagen Rum einpflanzen wollten. Der Boden war so hart, das ich am Ende mit einer Spitzhacke das Loch „graben“ musste. Wenigstens beim Arbeiten konnte man Mal ein bisschen schnacken, aber nur über Garten und ganz Oberflächlich über das was er so gemacht hat und wo ich so her komme. Als wir dann fertig waren und er irgendwas von Kaffee trinken und Pause machen sagte dachte ich wir machen eine Pause und dann geht es weiter. Er meinte dann aber das es schon später ist als er dachte und er würde mich wieder allein lassen. Das ist so genau das Gegenteil von dem was ich erwartet und gehofft hatte. Ich habe dann aber statt dessen eben gechillt und die neue Hängematte getestet. Leider stand die Mittagssonne genau so, das ich voll in der Sonne hing. Ich hab mir dann einen liegestuhl geholt und bin immer mit dem Schatten weitergezogen. Ich habe dann irgendwann genug von der Hitze gehabt und beschloss mir ein Eis zu holen. Als ich los fahren wollte lief mir Vincent über den Weg. Er wollte jetzt den 2. Teil der Gartenarbeit machen. Ich habe ihn gefragt ob die beiden auch Eis wollen und er wollte gern. Ich habe dann für alle Eis geholt. Wir haben zusammen Eis gegessen und ein bisschen komischen Smalltalk gemacht. Danach hab ich dann noch einen Baum eingepflanzt und der Arbeitstag war zuende. Vincent ist dann auch abgeschossen und Christelle hab ich auch nicht mehr gesehen. Ich bin dann wieder in die Hängematten. Die ist eigentlich ganz cool für den Kurs. Schön groß und gemütlich. Ich wäre fast drin eingepennt.
Auch wenn der Tag ganz anders verlaufen ist als ich gehofft hatte, glaube ich ja inzwischen, das mir jede Erfahrung etwas geben kann. Auch wenn es auf den ersten Blick scheiße ist und ich andere Erwartungen hatte, gibt es auch immer etwas was ich mitnehmen kann. Dieser Tag zeigte mir auf jeden Fall ganz deutlich, was ich nicht für ein Leben führen will. Vincent und Christelle sind zwar selbstständig und unabhängig und können sich und ihr Kind von ihrer Arbeit versorgen. Aber der Preis den sie dafür Zahlen ist in meinen Augen viel zu hoch. Vincent erzählte mir beim Arbeiten zum Beispiel das er mit viel Glück 2 Wochen im Jahr frei nehmen kann, wo sie gern nach Portugal fahren. Aber er hat weder Urlaub, noch wochenende. Der Garten respektiert ja nicht Mal wenn Sonntag ist. Er muss jeden Tag arbeiten. Es scheint für ihn das richtige zu sein und er scheint auch nicht unglücklich, aber ich will nicht so leben. Ich dachte ja das es vielleicht eine Option ist, sich selbstständig zu machen und wenn man Minimalistisch lebt sich die Freiheiten nehmen kann die man braucht, aber nach dieser Erfahrung denke ich da etwas anders drüber. Die beiden leben in einer Jurte und wirken nicht als wenn sie in Saus und brause leben, aber werden trotzdem komplett vom Job eingenommen. Ich glaube nicht das es unmöglich ist, einen Weg zu finden mit selbstständiger Arbeit glücklich zu werden und ich habe ja zum Glück auch kein Kind, aber man muss sich das genau überlegen und es kann auch sehr fordernd sein. Als Angestellter hat man auch Vorteile, die man nicht unter den Teppich kehren sollte. Sicheres Gehalt am Ende des Monats und kopf aus nach Feierabend (im Optimalfall) und viel Papierkram der einem erspart bleibt. Also es hat alles seine vor und Nachteile. Das war mir vorher schon irgendwie bewusst, aber hier konnte ich es Mal live miterleben und vielleicht ist das die Lehre, die ich aus dem kurzen Einblick in deren Hofleben ziehen konnte.
Später habe ich dann noch essen gekocht und als das Essen fertig war, bemerkt das ziemlich dunkle Wolken aufziehen. Dann fiel mir ein das ich mein Zelt in eine Mulde gebaut habe, weil das der einzige Platz war, der ein bisschen gerade war. Da ich keine Lust habe in einer Pfütze zu schlafen, habe ich dann mein Zelt noch Mal versetzt. Dann muss ich halt Downhill schlafen, aber wenigstens nicht im Wasser. Hoffentlich. Dann hab ich gegessen und schon Mal meinen Kram in die Kochtasche geräumt. Morgen hier Frühstück essen fällt dann halt aus. Dafür kann ich direkt los.
Hinterher habe ich noch mein Fahrrad mit dem Gartenschlauch abgespritzt, damit es wenigstens oberflächlich Mal wieder sauber ist. Abends hab ich dann noch im Gemeinschaftszelt gesessen und mal wieder ein bisschen gemalt. Als ich müde wurde bin ich dann ins Zelt gegangen und relativ schnell eingeschlafen.

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