14.08.2025 – Tag 86
Nach dem Aufstehen versuchte ich erstmal ein bisschen die Sachen zu trocknen, die letzte Nacht nass geworden sind. Ich hab langsam meinen Kram zusammen gepackt, aber machte mir auch keinen Stress. Es war ein schöner Morgen und meine Nachbarin in Ihrem Caddy war auch schon wach. Claudia heißt sie. Wir quatschen und sie hat Kaffee gemacht. Voll lieb. Das war das erste Mal, das ich in Frankreich Kaffee mit Hafermilch getrunken habe. Ich habe nebenbei weiter meinen Kram zusammen gepackt und mir Müsli gemacht. Claudia war auch in Marokko und zeigte mir Bilder wie sie da untergekommen ist und hat mir von ihrer Reise erzählt. Echt schön ist es da. Dann haben wir allgemein noch geschnackt über reisen und arbeiten und so. Am Ende hab ich sogar noch ein halbes Baguette geschenkt bekommen. Ich wusste gar nicht, das man Brötchen bestellen konnte. Naja. Hätte ich wahrscheinlich eh nicht gemacht. Dadurch das Claudia den Tag noch hier blieb, war ich der einzige, der packen musste und wir haben echt ganz entspannt gemacht. Ich glaube ich bin so gegen 12 los gekommen. Das war schon Mal ein echt schöner und entspannter Morgen. Als ich losfuhr, ging es erstmal querfeldein. Ich wollte heute zu einer Stadt, von der ich gehört hatte das sie richtig schön sein soll. Außerdem liegt sie in meiner Richtung. Die Stadt heißt Châlons en Champagne. Mit Fachwerkhäusern und voll gemütlich. Das Navi schickte mich an erstmal über schotter-feldwege und dann wollte sie mich auf eine Nationalstraße schicken. N24 hieß die. Ich weiß das noch so genau weil ich an der ankam und direkt beschloss einen langen Umweg in Kauf zu nehmen um sie zu vermeiden. Außerdem habe ich später noch nachgesehen, ob man überhaupt mit dem Fahrrad darauf fahren darf. Natürlich erst nachdem ich 5km darauf gefahren war. Aber zuerst konnte ich es noch vermeiden indem ich zwischen Feldern entlang gefahren bin. Wäre ich direkt drauf gefahren, wäre ich sicher 15km darauf gefahren. Die war 2-Spurig in beide Richtungen mit Leitplanke in der Mitte und Standstreifen. Gefühlt wie auf einer Autobahn zu fahren. Entsprechend fuhren die Autofahrer auch und da Autofahrer oft die Tendenz haben zu denken ihnen gehört die Straße allein, wurde natürlich auch gehupt und mit knapp 100km/h geschnitten. Is ja nur ein Menschenleben. Und da der Mensch auf einem Fahrrad sitzt ist er ja eigentlich auch gar kein Mensch. Penner. Naja. Sind ja nicht alle so. Viele haben auch Rücksicht genommen. Aber solche Spinner zeichnen dann halt ein Bild im Kopf was hängen bleibt. Naja. Nach diesem Straßenterror (es war übrigens erlaubt da zu fahren) fuhr ich eine Ausfahrt runter, die auch wirkte wie eine Autobahnausfahrt. Dann kam ich in den Ort. Erstmal zu einem großen Supermarkt. Dort gab es sogar Lakritz. Hier habe ich dann alles mögliche gekauft was ich so braucht. Hauptsächlich Essen. Danach steuerte ich direkt einen Park an einem Kanal an, wo es eine „cosy bar“ gab. Vielleicht bekomme ich hier endlich meinen Wein. Der Name klingt ja schon Mal gut. Als ich im Park ankam war ich begeistert. Es waren überall im Schatten gelegene Sitzmöglichkeiten und die cosy bar, machte ihrem Namen auch alle ehre. Es waren Sonnensegel in verschiedenen Farben gespannt, überall hingen Lampions und es gab ein Sammelsurium aus Stühlen. Darunter auch Liegestühle und die Leute saßen hier und tranken Limo, Wein und Bier. Ich setzte ich erstmal auf eine Bank und aß mein Baguette, was ich mir noch mit Kram belegte. Erstmal den Straßen Schock verarbeiten und ankommen. Nachdem ich aufgegessen hatte, suchte ich mir einen Platz von dem ich auf den Kanal schauen konnte und auf die dort ankernden Boote. Ich bestellte mir einen Weißwein und genoss es einfach im Schatten zu sitzen und das Treiben zu beobachten. Nebenbei lief so französische klimpermusik und es war eine super relaxte Stimmung. Genau so hatte ich mir meinen ersten Wein in der Champagne vorgestellt. Ich hab bestimmt eine Stunde an meinem Glas getrunken und mir dann noch einen rosé bestellt. Am liebsten wäre ich einfach hier geblieben, aber das ging ja nicht. Nach dem 2. Dachte ich über noch ein Glas nach. Ich hatte immer noch meinen Vorsatz, mir keinen Stress mehr wegen Campingplatz zu machen und das gelang mir gerade echt gut. Nach dem 2. Glas überlegte ich, ob ich nochmal in die Stadt fahre, um ein paar Fotos zu machen. Sie soll ja echt schön sein, aber ich glaube es machte in dem Moment wieder klick und ein weiterer Stresspunkt löste sich auf. Ich hinterfragte, wozu ich die Stadt sehen will und warum ich den Umweg für die Fotos machen würde. Ziemlich schnell wurde mir klar, das ich es sicher nicht für mich mache. Mir sind doch die Fachwerkhäuser egal. Ich brauche das nicht extra ansehen. Klar ist es schön wenn man es sieht und da vorbeikommt. Und natürlich kann man dann auch Fotos davon machen. Aber ich werde nicht extra einen Umweg dafür fahren. Ich mache nur noch, wozu ich Lust habe. Ich brauche nichts beweisen, oder zeigen wie toll mein Urlaub ist. Das ist alles nur für mich. Ich fand Reims gar nicht so schön und ich fand Lille auch gar nicht so schön. Mir sind grüne Ecken und Ruheoasen viel wichtiger als prunkvolle bauten. Ich bin lieber in der Natur und finde es viel schöner besondere Bäume zu finden oder Gegenden, die ich aufregend finde. Also dachte ich mir, dass ich ohne Umwege weiter fahren wollte, um noch ein bisschen aus der Stadt raus zu fahren, wo ich mir irgendwo einen Platz zum Schlafen suchen wollte. Mir war schon klar daß es wohl auf wildcampen hinauslaufen würde. Trotzdem rief ich noch einen 30km entfernten Campingplatz an. Der hatte sogar bis 20:00 offen. Naturcamping oder so. Ich wollte fragen, ob ich auch nach 20:00 kommen könnte. Es war schon nach 18:00 und selbst wenn ich wollte hätte ich 20:00 nicht mehr geschafft. Es ging ein Mann ans Telefon der mir sagte das es auf gar keinen Fall möglich ist. Ich bedankte mich nur und sagte das ich mir dann eine andere Alternative suchen würde. Damit schob ich den Gedanken mit Campingplatz weg und fuhr am Kanal entlang. Irgendwie fühlte es sich jetzt sogar gut an. Ich hatte Spaß, der Weg war total schön am Kanal und sogar gut asphaltiert. Und ich war unabhängig von irgendwelchen scheiß Zeiten, oder gehetze. Ich fuhr eine ganze Weile und schaute mich um. Bis ich dann irgendwann keine Lust mehr hatte. Ich schaute mal wieder in der App Park4Night und nur 200m entfernt sollte ein Stellplatz für Wohnmobile sein. Außerdem hörte ich Kindergeschrei. Als ich dann in die Richtung fuhr sah ich das da ganz viele Menschen am baden waren. Ich fuhr zuerst zum Stellplatz und fragte die Leute ob man hier wohl zelten könnte, aber mich hat niemand Verstanden. Also fuhr ich erstmal zur Badestelle. Baden ist genau das richtige jetzt. Dort sah ich einen Typen in einer Hängematte. Daneben standen wanderstöcke und ein großer Rucksack. Ich fuhr hin und sprach ihn an. Es war ein Italiener auf dem Weg nach England, der schon seit Mai unterwegs ist. Er meinte er pennt heute hier und das es eh niemanden in Frankreich interessiert, solange es ein öffentlicher Ort ist. Das machte mir auch ein gutes Gefühl und ich beschloss mir hier auch einen Platz zu suchen. Als die Sonne dann unterging baute ich mein Zelt auf. Nur das Innenzelt. Das ist das erste Mal das ich wieder quasi unter freiem Himmel schlief seit Schweden. In der Nacht wurde ich noch ein paar Mal wach, aber ich fühlte mich trotzdem gut und dachte das man das öfter machen kann, wenn das hier wirklich so locker gesehen wird. Es nimmt extrem viel Stress raus und man ist viel unabhängiger. Von der Geld Ersparnis mal ganz abgesehen.

