06.08.2025 – Tag 78
Nachdem ich wieder erst gegen halb 2 eingeschlafen konnte und dann um kurz nach 7 aufgewacht bin, konnte ich zum Glück noch eine Stunde weiter schlafen. Der wetterbericht sagte das es den ganzen Tag bewölkt sein soll. Das hat gleich wieder schlechte Laune gemacht. Um 9:30 bin ich dann aus dem Zelt gekrochen und hab mich richtig fertig gefühlt. Es war keine Wolke am Himmel. War vielleicht die Vorhersage für eine andere Stadt. Die anderen Fahrradfahrer waren alle schon weg und ich hatte das Gefühl das ich in letzter Zeit wieder gehetzt bin und eine innere Unruhe habe. Ich muss das mal im Auge behalten. Wenn Paris mich stresst, muss ich es halt doch weglassen. In meiner gestressten Stimmung ist mir dann noch eingefallen das ich Frankreich noch gar nicht auf mein Navi gezogen habe. Zum Glück hatte ich die Karte schon auf meinem handy und bräuchte sie nicht mehr runterladen. Trotzdem ist Frankreich ein großes Land und entsprechend war auch die Karte ein paar GB groß. Es dauerte also ewig. Das hätte ich auch locker nebenbei beim Packen machen können. Naja. Durch strukturiert können andere sein. Ich saß also auf meinem Fahrrad mit gepackten Sachen und hatte nichts mehr zu tun als aufs Navi zu warten. Nach einer gefühlten Ewigkeit war es dann fertig und ich konnte Lille als Ziel eingeben. Als ich dann losgefahren bin habe ich mich komischerweise so fit wie lange nicht gefühlt. Ich habe mir laut Musik angemacht und dieser spanische HipHop macht mir einfach immer gute Laune. Plötzlich war die schlechte Laune und der Stress Weg. Wie aus dem Nichts hatte ich Spaß und bin rumgeheizt wie lang nicht mehr. Ich hatte echt viel Energie plötzlich. Ich habe bei der Fahrt über die innere Unruhe und Unzufriedenheit nachgedacht. Ich denke das hat mehrere Gründe.
1. Ist das diese kiff-Lethargie die ich schon kenne, wenn ich viel gekifft und geraucht habe und dann von einem auf den anderen Tag aufhöre mit allem. Ich brauche dann immer ein paar Tage um wieder klar zu kommen. Das ist der Preis den man für so eine ungesunde Zeit zu zahlen hat. Das war mir aber bewusst und ich habe es in Kauf genommen. Der 2. Grund ist, dass ich dazu neige schwarz zu malen und mich in negativen Gedanken zu verlieren wenn es sich scheiße anfühlt dann so richtig. Und der 3. Grund, und das ist denk ich der Grund der dieses Hilflosigkeits Gefühl auslöst ist, dass ich oft nicht genau weiß aus welchem Grund genau ich Dinge mache.
Ist es eine intrinsische Motivation nach Paris zu fahren? Dann ist alles super und es kann weitergehen, oder ist es ein Grund wie „ich möchte gern sagen können, dass ich in Paris war und tolle Bilder zeigen. Dann wäre das ein extrinsischer Grund und ich sollte Paris einfach fallen lassen. Ich wusste es tatsächlich nicht, aber ich wollte gern erstmal nach Lille. Zumal heute morgen mein Klapp Löffel einfach so auseinander gefallen ist und ich da vielleicht in einem Outdoor laden was neues bekomme. So konnte ich zumindest für den Moment mit diesem Scheiß Gefühl Frieden schließen und Fahrradfahren ist für mich eh oft wie Therapie. Ich denke dadurch war ich dann auch wieder so gut drauf. Ich hatte ein neues Ziel und was morgen oder übermorgen kommt, konnte mir erstmal egal sein. Soll sich doch Zukunftsjan damit rumärgern. Ich hatte wieder Spaß.
Erstmal ging es an einem schönen Fluss entlang. Mein Navi wollte mich dann vom Fluss wegschicken, aber ich habe mir die Karte angeschaut und der Fluss führte grob in die richtige Richtung, also hab ich heute Mal nicht aufs Navi gehört. Ich will ja nicht auf Krampf was abzureißen, sondern eine schöne Zeit haben. Der Weg war einfach viel schöner und man trifft viel mehr Wanderer und Radfahrer. Da hatte ich mehr Bock drauf. Als ich merkte das es schon langsam wieder städtischer wurde habe ich noch ganz viele Brombeer Sträucher gesehen und bin angehalten. Hab mir dann erstmal eine kleine Brotdose genommen und Brombeeren gepflückt. Gegen innere Unruhe. Hat geholfen und war lecker.
Da ich mich noch überhaupt nicht darum gekümmert hatte wo ich Abends ankommen will und es langsam auf 18:00 zu ging, wo einige Rezeptionen zu machen, habe ich mich dann erstmal auf eine Bank gesetzt und recherchiert. Weil ich heute keinen Bock auf Stress hatte, habe ich dann einen Campingplatz angesteuert, bei dem ich keine Preisliste gefunden hatte. Aber egal. Heute hatte ich nicht auch noch Lust rumzueiern und mir einen Platz zum wildcampen zu suchen. Das kann ich die Tage Mal machen, wenn es mir besser geht. Unterwegs bin ich noch bei decathlon angehalten. War gar nicht so einfach ein Decathlon Geschäft zu finden. Hier gibt’s Decathlon-universitäten, Decathlon Schulen und Decathlon stadien. Am Ende hab ich aber doch noch ein Gabel/Loffel-Set gefunden was klappbar und aus Metall ist. Das wird mich jetzt hoffentlich lange begleiten. Am Campingplatz angekommen hab ich eine positive Überraschung erlebt. Der Campingplatz hat preislich (fast) alles getoppt was ich kannte. 10€ die Nacht und nur einen Katzensprung von Lille entfernt. Das sind wohl in Frankreich so kommunale Campingplätze. Die gibt es wohl öfter. Find ich gut. Nach dem aufbauen und einrichten bin ich dann direkt nochmal zur Rezeption gegangen und habe ne 2. Nacht gebucht. Und da kam Zukunftsjan ins Spiel. Ich habe mich entschieden Paris links liegen zu lassen. Ich denke das man sich für Paris lieber Mal mehrere Tage einplanen sollte. Was bringt es mir, da jetzt hinzuhetzen und dann so’n halben Tag durch die Stadt zu fahren. Außerdem ist es sicher eh mega voll und laut und ich brauchte das nicht unbedingt anzusehen. Ich habe eh mehr bock auf Barcelona und/oder Madrid. Für Paris kann man separat nochmal wieder kommen. So nahm ich mir Stress raus und hatte wieder ne Menge Ruhe für den Weg zum Treffpunkt mit Jacky. Zumal im Elsass eh gerade Weinernte ist wenn ich ankomme und ich dann lieber das noch Mal ein paar schöne Tage verbringen kann.

