20.08.2025 – Tag 92
Heute geht es weiter und mich hielt ja hier auch nichts mehr. Da Regen angekündigt war, habe ich erstmal mein Zelt abgebaut und alles in dieses Gemeinschaftszelt gebracht. Noch war schließlich alles nahezu trocken. Ich habe mir echt viel Zeit genommen um eine Route zu planen, die mich eine ganze Ecke weiter Richtung Elsass bringt. Ich wollte Mal wieder auf einen Campingplatz, da ich nach den Prognosen ziemlich sicher davon ausging heute ordenlich nass zu werden. Lustig ist immer, wenn Leute (Vincent) mich fragen ob ich auf regen vorbereitet bin. Was glaubt er denn? Ich habe ihm gesagt das ich schon andere Zeiten erlebt habe und das ein Tag Regen hat kein Problem ist. Als ich fertig war, kam Vincent mit seinem Laptop und wollte mir eine gute Route sagen. Als er sah was ich geplant hatte, meinte er das die Route echt gut ist und auch schön zu fahren. Ich packte meinen Kram zuende, schnorrte mir noch eine Rolle Klopapier und verabschiedete mich von allen.
Nachdem ich losgefahren war, habe ich viel nachgedacht über die vergangenen Tage und Erfahrungen. Über Erwartungen und wünsche und Sachen die einem das Leben so beibringt. Ich habe auch darüber nachgedacht, was wohl mit mir wird, wenn ich zurück komme nach Deutschland und wie meine berufliche Situation dann wird. Was ich machen will und was ich auch nicht machen will. Das machte mich ganz schön traurig, weil ich nicht weiß was dann sein wird. Ich will nicht zurück in dieses Ingenieursumfeld in der Chipentwicklung. Auch wenn das ja das einzige ist was ich bisher gemacht habe und wenn das Geld dort immer wieder lockt. Aber es ist klar, das mich das auf Dauer nicht glücklich machen kann. Ich will nicht jeden Tag aufm Arsch sitzen und virtuellen Kram machen für eine cosumerbranche die in meinen Augen kaum jemand braucht. Ich will etwas mit Sinn machen und ich will nicht 40h arbeiten. Es gibt ja einige entfernte Ideen, aber nichts ist so richtig greifbar. Ich konnte mich dann irgendwann aus dieser komischen Stimmung holen, indem ich mir sagte das es noch lange hin ist. Bis dahin erlebe ich hoffentlich noch so viel, lerne spannende Leute kennen und wenn ich die Augen offen halten ergibt sich ja vielleicht auch ganz von allein etwas.
Also erstmal den Tag genießen. Und das kann ich inzwischen echt gut. Ich bin Mal wieder am Kanal lang gefahren und wusste das ich irgendwann durchs Land musste um an einer anderen Stelle wieder in den Kanalweg einzusteigen.
Es ging endlich Mal wieder durch den Wald. Nachdem ich durch die Navigation von meinem Navi nicht mehr durchblickte bin ich irgendwann nach Google gefahren. Auch Google hat mich dann irgendwo zwischen Feldern lang geschickt und es wurden immer kleinere wege. Als ich irgendwann durch eine Hecke auf einen Wildschweinpfad sollte, wurde es mir zu viel. Ich fuhr auf dem kürzesten Weg, der trotzdem noch ganz schön lang war, an eine Landstraße. Von hier aus fuhr ich über einen Umweg wieder zu dem Dorf, wo der Kanal weitergehen sollte. Als ich anhielt um mir was zu trinken rauszuholen, merkte ich, das mir vom ganzen rütteln und schütteln eine Fantadose in meiner Tasche explodiert war. Mein sketchbook war zum Glück verschont geblieben, aber mein medikit, ein paar Socken und ein spanisch Kurzgeschichtenbuch haben alles aufgesaugt. Das Buch hab ich direkt weggeworfen und did anderen Sachen habe ich versucht so gut es geht trocken zu machen bzw. Die Socken habe ich auf meiner Tasche festgemacht.
Ich hatte inzwischen schon echt Hunger, aber es kam Mal wieder kein einziger einkaufsladen. In Frankreich ist es in ländlichen Regionen teilweise schlimmer als in Schweden mit den Einkaufsmöglichkeiten. Zum Glück hab ich ja noch ein paar Tütensuppen dabei. Den Rest der Etappe bin ich teils Kanal und teils durchs Land gefahren. Am Ende ging es nochmal ganz schön Berg auf und bergab. Leider konnte ich bergab am Ende nicht mehr so richtig Abschwung nehmen, weil mein schwerster Gang nicht mehr reinging. Als ich ankam zeigte mein navi knapp 80km und ich war total kaputt. Als ich meine Tütensuppe machte kamen noch 2 andere bikepacker auf den Platz gerollt, die sich aber an einer anderen Ecke vom Campingplatz ihr Lager aufgebaut haben. Ich hab nur noch geduscht, wo ich auch Klamotten mit geduscht habe, die ich noch aufgehängt habe. Was noch sehr geil ist und unbedingt noch gesagt werden muss, ist, das ich bis ich spät abends im Zelt lag, nicht einen Tropfen Regen abbekommen habe, obwohl es den ganzen Tag grau war, die Straßen nass waren und sehr viel Regen angesagt war. Scheinbar war ich immer gerade da wo der Regen nicht war.

