12.08.2025 – Tag 84

Heute morgen bin ich wieder um ca. Halb 8 aufgewacht. Ich habe mich gefühlt als wenn ich einen schlimmen Kater habe, als ich aufgestanden bin um auf Toilette zu gehen. Als ich wieder am Zelt angekommen war, stand ich erstmal eine Weile da und habe in die leere geschaut. Ich wusste nicht ob ich einfach wach bleiben soll. Habe mich aber gefühlt als wenn mich ein LKW überrollt hat. Darum bin ich wieder ins Zelt und habe die Augen nochmal zu gemacht. Schlafen ging aber irgendwie auch nicht mehr also habe ich nach einer weile angefangen meinen Kram zusammen zu packen. Nebenbei habe ich mir einen Kaffee gemacht. Da kam auch schon Andreas mit seinem Kaffee rüber und fragte mich ob ich los fahren will. Er hatte sich ja schon am Vortag entschieden noch einen Tag zu bleiben, weil er es hier so schön idyllisch fand und in der Hitze lieber noch einen Tag Pause machen wollte. Ich wollte aber los. Er ging zum Platzwart (falls man den so nennen kann) und wollte noch eine Nacht buchen. Der Stand gerade da mit einer anderen Familie und hat gequatscht. In der Hand hatte er eine Leine und am anderen Ende der Leine war ein kleines Pony was gerade Gras von der Wiese abfutterte. Andreas erzählte mir später, das er meinte das es ein ganz altes Pony ist und er mit dem morgens ein bisschen spazieren geht, damit es ein bisschen Bewegung bekommt. Ich hab weiter meinen Kram zusammengepackt und Andreas hat schon seinen Kram rubergetragen. Der wollte natürlich jetzt auf meinen Premium Schattenplatz. Ich hab dann noch ein bisschen mit ihm gequatscht und hab mich verabschiedet. Statt „tschüss“ bekam ich von ihm ein „jetzt hau schon ab“. So ist er, aber ich weiß das er es nicht böse meint. Er wirkte ehr ein bisschen traurig über den Abschied. Ich bin dann los und dachte noch an gestern. Dann merkte ich in der ersten Kurve, das sich irgendwas komisch anfühlt. Klar. Der Vorderreifen war wieder etwas platt. Wie nervig. Also wieder umdrehen und bei Andreas im Schatten den Schlauch tauschen. Dann nochmal kurz tschüß sagen und dieses Mal wirklich los. schon beim losfahren müssen es über 30°C gewesen sein und da Andreas aus der Richtung kam, in die ich jetzt fahre, wusste ich das ich ca. 15km in der prallen Sonne fahren musste. Landstraße und kein Baum. Aber ich wusste auch das es danach an der Kanal ging, wo guter Bodenbelag ist und ich im Schatten fahren kann. Die 15km waren ganz schön heftig. Aber da musste ich halt durch. Der Umstand, das ich gestern Abend nichts gegessen hatte, weil ich zu faul war und keinen Hunger hatte und heute morgen auch nicht gefrühstückt hatte, weil ich einfach nichts mehr da hatte machte es nicht besser. Na gut. Ich habe ein bisschen Schokomüsli trocken gegessen, weil ich zumindest irgendwas im Bauch haben wollte. Ich habe mehrere Trinkpausen gemacht und bin den Weg am Kanal so weit gefahren bis kein Asphalt mehr da war. Überall waren kleine Schleusen, weil der Kanal so angelegt war, das Schiffe in die reinfahren konnten und mit dem Wasser hochgehoben wurden. Sie konnten also quasi eine Treppe hoch fahren. Diese Schleusen waren alle ca. 5km. Jedes Mal gab es für mich dadurch natürlich auch einen Anstieg zu fahren, um auf gleicher Höhe mit dem Kanal zu bleiben. Irgendwann hörte der Asphalt auf aber ich hatte auch keine Lust an der Landstraße zu fahren, wie mein Navi sagte. Also blieb ich am Kanal. Der führt schließlich bis Reims. Leider war der Weg zuerst Schotter, dann nur noch 2 Spuren Schotter mit Gras in der Mitte und nach einer Weile nur noch Treckerspur im hohen Gras. Nach mühevollem durchkämpfen kam ich irgendwann an eine Metallbrücke die schon lange nicht mehr als Brücke genutzt werden konnte. Sie war kaputt und auf der anderen Seite war der Weg auch so zugewachsen, dass man eh nicht da durch kam. Ich hab erstmal mein Fahrrad an die Brücke gelehnt und bin in den Schatten gegangen. Ich hab mich echt fertig gefühlt. Während ich ca. 2l Wasser getrunken habe, sah ich das überall Brombeer Sträucher waren. Endlich Frühstück. Ich Läden gab’s ja wieder auf dem ganzen Weg nicht. Ich habe also erstmal alle Brombeeren abgepflückt und aufgefuttert, die ich erreichen konnte. Dann gab ich mir noch ein bisschen Zeit zum klarkommen und schaute mich nach einem anderen Weg um. Am Kanal weiter wäre extrem Quälerei. Zum Glück sah ich einen kleinen Feldweg und schaute bei Google sattelit ob der was für mich sein könnte. Es sah danach aus und auch mein Navi zeigte mir jetzt den Weg als Strecke an. Ich fuhr also wieder in der prallen Sonne über einen Stein/Geröll/Schotterweg um riesige Schlaglöcher rum mit unter 10kmh. Nach einer ganzen Weile kam ich bei einer echten Straße raus. Zivilisation. Das war schon ein Randgebiet von Reims. Ich setzte mich erstmal im Schatten von einem Haus auf den Boden und trank Wasser. Nachdem ich da so ca. 15min rumsaß und mich wieder gefangen hatte, stellte ich das Navi auf ein Lidl ein, der nur 5km entfernt war. Dort gab’s erstmal ne kalte Limo und einen Berliner und ein Croissant und ich kaufte mir Baguette und Salami. Außerdem noch einen Proteindrink, was leckeres zu trinken für später und eine Tafel Schokolade. Dann setzte ich mich auf dem Parkplatz direkt vor dem Lidl in Schatten und aß erstmal Berliner und Croissant und trank ne kalte Limo. Komischerweise war ich danach schon satt und dachte das ich kotzen muss, wenn ich noch mehr esse. Mir war aber auch klar das die Schokolade es in meiner Tasche nicht überleben würde. Also machte ich die Packung auf und schaffte genau 2 Stücken zu essen. Dann war die restliche Schokolade flüssig von der Hitze und floss schon aus der Packung. Das hätte ich mir auch sparen können. Als nächstes hab ich dann meine Mom angerufen um zu quatschen und Mal ein bisschen Licht ins Dunkel dieser Erbgeschichte zu bringen. Ich wusste ja nicht viel und da ich keinen Wohnsitz in Deutschland habe, kann das Amtsgericht mir auch keine Post zustellen. Ich bin auf der einen Seite in der doofen Lage das ich nicht direkt kontaktiert werden kann aber auf der anderen Seite habe ich so den Sonderstatus, das ich so statt einer 6 Wochen Frist eine 6 Monatsfrist habe um zu reagieren bzgl. Annehmen , oder abschlagen. Naja, mehr Details gehören hier nicht hin. Als ich mich erholt hatte, gegessen, fertig telefoniert und 95% der Schokolade weggeschmissen hatte schaute ich auf die Uhr. 17:00. Um 19:00 schließt die Rezeption des Campingplatzes. Hatte Andreas mir erzählt. Dabei wollte ich doch Reims noch sehen und in Ruhe einen Wein trinken. Aber genau hier will ich ja lernen lockerer zu werden. Ich dachte mir also „Egal. Ich mach jetzt wo ich Lust drauf habe und der Rest kommt schon irgendwie. Ich fuhr also in die Innenstadt. Auf dem Weg fiel mir dann wieder ein, dass es ja in Frankreich eine Pflicht gibt, eine Warnweste auf dem Fahrrad zu tragen, wenn die Dämmung eintritt und es kann auch richtig teuer werden, wenn man ohne erwischt wird. Also in den nächsten supermarkt und schauen ob die welche haben. Hatten sie natürlich nicht. Ich wurde inzwischen traurig, das ich jetzt schon wieder im Stress war. So konnte ich auch nicht in Ruhe die Stadt anschauen und langsam wurde es eh schon spät. Dann fahr ich halt zu Decathlon und schaue mir unterwegs an, was so kommt. War natürlich auch nicht so geil. Egal. Bei Decathlon hatten sie eine Warnweste. Für 7€!!! Ist die mit goldgarn genäht? Ich erinnerte mich noch wie ich die Warnweste ausgemustert hatte, die ich in Schweden am Hafen geschenkt bekam, weil man im Hafenbereich Warnweste tragen musste. Egal. Kann ich jetzt nix dran ändern.
Ich hab dann gleich noch Elektrolyte, Schläuche und Proteinpulver mitgenommen. Am Ausgang stand dann ein Eis Wagen. Wenn es schon kein Wein gibt, dann wenigstens ein eiskaltes Slushy Eis. Ich drückte der Verkäuferin die 2,50 in die Hand und wählte nach Farbe aus, weil die schon am abbauen waren und ich nicht noch die Sorten übersetzen konnte. Natürlich grün. Scheinbar hatte ich Pfefferminz erwischt. Egal. Zumindest kalt. Danach fuhr ich noch Wasser und essen kaufen. Wenn ich fertig, übermüdet und nass geschwitzt wildcampen muss, weil ich beim Campingplatz nix mehr erreiche, dann wenigstens satt und mit ein bisschen Wasser im mich zu waschen. Die Fahrt zum Campingplatz waren noch 12km. Ich kam um 20:30 beim Campingplatz an. 1,5h nach Rezeptionsschluss. Vor der Rezeption saß so ein junger Typ der echt ein schönes Englisch gesprochen hat. Später stellte sich raus das er aus England kommt. Also kein Wunder. Er meinte das dort eine Nummer ist und ich evtl. noch jemanden erreichen kann. Also angerufen und erzählt das ich gerade angekommen bin mit meinem Fahrrad. Wenn man das extra dazu sagt, haben die Leute meistens plötzlich doch noch einen kleinen Platz. Mitm Fahrrad wird man selten abgewiesen. Der am Telefon fragte „oh, Fahrrad? Stell dich einfach an den Kanal und den Rest klären wir morgen ab.“ Als ich auflegte kam eine etwas aufgeregte Frau auf mich zu. Sie fragte ob ich französisch spreche? Sie ist Niederländerin und gleich kommt der Abschlepper für ihr Auto auf dem Campingplatz. Sie weiß nicht wie sie mit dem kommunizieren soll. Außerdem ist das Tor geschlossen und sie weiß nicht wie man den dann auf den Platz lassen kann. Der junge erzählte dann das seine Eltern so eine Karte bekommen haben. Ich habe dann gefragt warum nicht einfach die Eltern dem Abschlepper aufmachen und das mit der Sprache muss man halt sehen. Sie war direkt ein bisschen beruhigter, weil ein Problem ja jetzt gelöst ist. Als ich auf den Platz fuhr und mein Fahrrad abstellte kam mir schon ein aufgeregter Mann entgegen der offensichtlich zu der Frau gehörte. Er hielt mich für den abschleppfredel, weil ich ja eine Warnweste an hatte. Musste ich ja, weil es in Frankreich so ist. Aber ich sagte ihm das ich schon mit seiner Frau geredet habe. Da hörte ich auch schon den Abschlepper aufs Gelände fahren. Ich richtete mich ein und baute schnell alles auf, weil es schon dunkel wurde. Dann noch schnell Duschen und überlegen was ich nächsten Tag mache. Es soll ja wieder so heiß werden. Weiterfahren wollte ich nicht. Statt dessen wollte ich morgen früh gleich noch eine zweite Nacht buchen, weil ich irgendwie traurig war, jetzt wieder so durchgehetzt zu sein. Vielleicht morgen nochmal zurück nach Reims?Nebenan war aber auch ein großer Badepark mit Rutschen und Pools. Oder ein entspannter Tag in der Natur? Ich konnte mich nicht entscheiden. Aber das musste ich ja auch nicht. Auf dem Campingplatz war es richtig schön ruhig und ich konnte meine Augen kaum noch aufhalten. Also besser erstmal schlafen.

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