05.12.2025 – Tag 196
Ich war heute gut drauf und hatte wieder mega Lust zu fahren. Franziska hatte ja den Tipp mit der Euro Velo 1 gegeben, die gut fahrbar sein soll und es sind scheinbar auch keine harten Berge zu erwarten. Mich wunderte aber ein bisschen, das kein Navi auch nur in die Nähe der Euro Velo navigierte. Die wollen alle einen großen Umweg fahren. Ich bin also erstmal über Landstraße zum nächsten größeren Ort und hab mir erstmal Frühstück geholt. Avocadobrötchen. Im Mercadona gab’s sogar Tische und Stühle, so das ich direkt im Laden Picknick gemacht habe. Bier dem Ort stieg ich auch in die Euro Velo 1 ein und sie zeigte direkt ihre komplette Schönheit. Es begann mit einem singletrail, aus wunderschönem Sandboden, der immer schmaler wurde. Ich hab noch Fotos gemacht und fand es abenteuerlich, aber als ich dann in voller Fahrt von Dornenranken auf beiden Seiten gebremst wurde war es nicht mehr so spaßig. Die haben sich in meiner Fließjacke auf dem Gepäckträger verfangen und in meinen Armen und in meiner Hose und in meinen Schuhen und Socken. Mir blieb tatsächlich nichts anderes übrig, als mein Messer rauszuholen und mich freizuschneiden. Geiler Einstieg und ich fragte mich ob jemals jemand von dieser Velo Kommission auf einem Fahrrad gesessen hat, oder sogar hier vor Ort war. Ich denke nicht. weiter ging es dann mit einer knietifen Pfütze. Das weiß ich so genau weil mein Bike sich genau in der Mitte im Schlammwasser festgefressen hatte. Meine Schuhe und Socken waren also auch durch. Danach konnte ich erstmal alles mit vollem Gepäck über einen Baum tragen, der quer über den Weg lag und danach unter einem umgestürzten Baum durch. Dann ging es ein Stück über Schotter und dann wieder Sand. Gut das ich einen Tag länger Pause gemacht habe. So bin ich wenigstens fit. Mit Krankheit wäre ich hier gestorben, oder hätte mein Zelt direkt aufm weg aufgebaut. Hier kommt eh niemand freiwillig vorbei. Dann kam noch eine gesperrte Brücke, wo netterweise jemand mit einem Bolzenschneider großzügig einen Durchgang in die Absperrung geschnitten hatte. Danach ging es auf Sand weiter, den ich teils gefahren und teils geschoben habe. Achja. Und wieder Riesenpfützen, die ich einfach direkt durchgeschoben bin. Schuhe waren ja eh durch, also was soll’s.
Zwischendurch kam ich durch kleine Orte wo ich immer Pause gemacht habe um was zu essen und zu trinken. Irgendwann kam ich zu so einer Dünen und Küstenlandschaft und der Weg wurde ein bisschen besser. Es wurde tatsächlich vom dünnen singletrail oder sandigem Flussbett zu einem sandigen breiten Weg mit kleinen Pfützen. Ich hatte es fast geschafft und war nicht mehr weit weg von einer kleinen Fähre, die mich rüber nach Portugal bringen soll. Bei dem kleinen Ort an der Fähre bin ich nochmal Geld holen gegangen, weil ich nicht wusste wie man die Fähre bezahlt. Ging dann nachher an einem Ticket Schalter, aber ein bisschen Bargeld dabei haben ist immer gut. An der Fähre hab ich dann noch einen Bikepacker getroffen. Der ist ganz anders als ich unterwegs gewesen. Der hatte bis auf ein bisschen minimal Wäsche, ein paar Power Gels und ein Laptop nix dabei. Er fährt von Hotel zu Hotel und ist mit seinem Carbon gravel bike wahrscheinlich so schwer wie eine Hintertasche von mir. Außerdem war er sehr nervig und hat mir von AI Anwendungen erzählt die er für seine Reise schreibt und das man an meinem Gepäck noch viel optimieren kann. Alles maximal ein Viertel von der Größe und so. Wir haben mal Nummern getauscht und er wollte mir mal seinen Ultralight Schlafsack und Isomatte schicken. Ich bin mir sicher das das Zeug auch ultrateuer ist und sehr robust sind solche Sachen wahrscheinlich auch nicht. Mal schauen. Auf der anderen Seite des Flussarmes, in Portugal, bin ich dann erstmal ein bisschen einkaufen gegangen für den Abend. Dann hatte ich noch 4km zum Campingplatz. Es war ein Ganzjahres municipal. Ich war gespannt was der kostet, aber von 7,68 für alles ich echt positiv überrascht. Der Campingplatz wirkte ein bisschen lieblos und war sehr hügelig, aber ich durfte auf dem ganzen Gelände frei aussuchen und so fand ich noch ein gutes Plätzchen. Dann gab’s erstmal Nudel mit Bolognese und Schafskäse und danach eine warme Dusche. Das einschlafen hat dann auch nicht lange gedauert.

