23.11.2025 – Tag 184
Wer hätte es gedacht? Heute war ein richtiger Katertag. Ich bin morgen um 8 das erste Mal aufgewacht und ich bin glaub ich so gegen 9 völlig kaputt losgefahren. Keine Ahnung wie wenig Stunden ich geschlafen hab. Ich hab gestern irgendwann einen polnischen Abgang gemacht und hab mich ohne auf die Uhr zu schauen in mein Zelt verkrochen. Da musste ich noch das ganze Schlafsetup aufbauen. Für die Matratze hat’s noch gereicht. Ein Kissen gab’s diese Nacht nicht. Hätte eh nichts geändert. Ich hab nochmal zu den bullis rübergeschaut. Ein paar waren schon weg, die anderen, in den auch die Leute von gestern waren, waren noch komplett dicht. Die haben sicher noch geschlafen. Dann bin ich erstmal vom Berg runter gerollt und hab mir an den Café, wo ich gestern noch Cerveza para llevar (zum mitnehmen) geholt habe, einen Kaffee geholt und mich an die Straße gesetzt. Da saß ein alter Mann und las Zeitung und er kannte scheinbar jeden, der hier vorbeikam. Immer würden ein paar Sätze gewechselt und sie haben zusammen gescherzt. Ich saß da und war auf der einen Seite froh das mich hier keiner kennt, weil ich nicht reden wollte, auf der anderen Seite fühlte ich mich auch irgendwie leer und traurig. Das ist manchmal ein echt komisches Gefühl, wenn ich den ganzen Abend in so eine andere bubble eintauche und alles ist cool, ich quatsche mit jedem und habe eine tolle Zeit und plötzlich bin ich wieder allein und in einer anderen Realität. Das kenne ich auch von Demos so, wo man sich gemeinsam gegen rechte Aufmärsche stellt, oder für eine andere gemeinsame Sache kämpft. Und abends geht man dann wieder nach Hause. Ich weiß aber inzwischen das es anderen genauso geht. Ich habe mit anderen über dieses Tief gesprochen und es kann sehr hart sein wieder in der kalten Realität anzukommen. Naja. Nach meinem Kaffe bin ich dann wieder losgefahren. Ich wusste nicht wohin genau. Nur die Richtung war ja klar. Erstmal nur fahren und den Tag überstehen.
Unterwegs habe ich in Abständen mehrere Katzen gesehen die scheinbar gerade überfahren wurden. Das sah schlimm aus. Heute war ein richtiger scheißtag. Dann gingen die Batterien von meinem Navi leer und ich wollte sie gegen zwei neue tauschen, dabei hab ich dann scheinbar leere und volle vermischt, so das ich jetzt statt 2 gleich 4 hatte, die ich nicht mehr gebrauchen konnte. Ich habe ja aber zum Glück 2 Packungen mit 4 Batterien. Aber so hatte ich dann plötzlich nur noch 2 als Reserve. Ich hoffe das ist alles nicht zu verwirrend geschrieben. Ich weiß jedenfalls was ich meine. Übrig waren jetzt ein Satz volle im Navi und ein Satz als Reserve für 2 Tage. Das müsste passen, ist aber nicht optimal. Dann kam ich in einer kleinen Stadt vorbei, wo so eine selbst Waschanlage war. Den Fahrradwaschtag hatte ich jetzt schon oft mit schlechtem Gewissen verschoben. Heute wollte ich es endlich machen. Also alles Gepäck ab und das Fahrrad abgespritzt. Erst mit Seife, dann mit Wasser.
Danach das ganze Geraffel wieder dran. Dabei wurde ich von einem Mann angesprochen, dem ich geschafft habe zu erzählen wo ich hin will und wie meine Pläne sind. Er fand das richtig cool und hat auch gesagt das er das Fahrrad und die Komponenten richtig cool findet. Ich war schon kurz davor zu fragen ob er einen Platz in seinem Garten hat für ein Zelt, aber das war noch zu früh. Ich hatte schon mal zwischendurch geschaut und wie es aussieht wird es nicht einfach heute mit campen, weil wieder alles nur Landwirtschaft ist. Egal. Erstmal weiter.
Heute war das fahren echt ne Quälerei und die Berge kamen mir noch viel schlimmer vor als normal. Ich hatte meinem Navi schon gesagt das es unbefestigte Straßen vermeiden soll. Irgedwann, als es schon langsam auf 17:00 zuging, dachte ich mir, das es vielleicht ne gute Idee ist, dem Navi wieder unbefestigte Straßen zu erlauben. Dann schickt es mich irgendwo in die pampa, wo ich bessere Möglichkeiten hab als an der Landstraße und tatsächlich. Ich wurde in einen Wald aus Olivenbäumen geschickt, der an eine riesige Sandkuhle grenzte. Die Bäume standen ungeordnet da Rum und es gab keinen Zaun. Das die Fläche wahrscheinlich irgendeinem Bauern gehört war mir klar, aber es fühlte sich ok an. Außerdem war ich in Sichtweite vom Dorf, so das ich da morgen früh direkt einen Kaffee holen und meine Vorräte auffüllen kann. Erst suchte ich einen Platz bei der Sandkuhle, aber da waren überall Dornenpflanzen, also stellte ich, nachdem sich ein paar Jungs mit cross Motorrädern und ein paar Kinder mit Böllern verzogen hatten, mein Zelt direkt zwischen die Olivenbäume und direkt an den Weg und lag mit einsetzen der Dunkelheit im Zelt.

