17.11.2025 – Tag 178
Heute Morgen war es echt kalt und Bewölkt. Ich bin seit langer Zeit Mal wieder mit meinem longsleeve und handschuhen losgefahren. Ich dachte es ist Sommer. Auf dieser Höhe und ein Stück im Inland sieht das wohl anders aus. Aber jetzt Mal ohne Witz. Das ist echt spannend. Ich bin nur auf 800m Höhe und ein paar km von der Küste weg und es ist echt kalt.
Wie schon gestern ging es wieder an der Autobahn lang. Aber das war nur ein kleines Stück. Dann war es zum Glück eine eigene Strecke. Ein bisschen Schotter und durch die Berge. Es dauerte eine ganze Weile und weil ich nicht Mal Frühstück gegessen hatte, wurde ich schon langsam unruhig. Dazu kam noch das es die ganze Zeit starken Gegenwind gab. Nach einer Weile ging es dann aber in den kleinen Ort Abla. Laut Wikipedia ganze 1272 Menschen groß. Am Anfang des Ortes stand ein Schild mit der Aufschrift „Sierra Nevada“. Am Horizont sah ich auch schon einen Schnee bedeckten berg. Richtig cool. Dann ging es in den Ort. Es gab einen kleinen Supermarkt, wo ich wieder komplett eskaliert bin. Süßigkeiten, Brot und Wasser, Bier und jede Menge Nüsschen und snacks.
Danach bin ich in ein kleines Café gegangen und hab mir einen Kaffee bestellt. Ich habe 1€ bezahlt. Krass. Für einen Kaffee im lokal. An der Küste hätte ich locker das doppelte oder noch mehr bezahlt. Dann ging es auch schon weiter mit meinem vollgepackten Fahrrad. Es war echt ruhig und ich habe die ganze Zeit kaum Menschen gesehen. Als nächstes kam ich an der kleinen Stadt Fiñana vorbei. Hier waren teilweise Häuser in die Berge reingebaut. Das sah richtig cool aus. Dann bin ich von der Straße abgefahren und mein Navi leitete mich auf eine kleine Straße. In den Bergen bin ich bei meinem Navi extrem misstrauisch. Ich weiß ja wo es mich manchmal hinführt und ich habe keinen Bock irgendwann nach mehreren Kilometern und vielen Höhenmetern umdrehen zu müssen. Zum Glück kam da gerade ein Auto aus der Straße und ich fragte mit meinem gebrochenen spanisch ob die Straße gut sei. Ich habe verstanden, das sie ok ist und zum Camino de santiago führt. Der Jakobsweg. Also wagte ich es und tatsächlich war ich plötzlich auf dem Camino de santiago. Ich habe sogar Pilger mit Wanderstöcken und Rucksäcken gesehen. Ich bin dem Jakobsweg ca. 15km gefolgt. Er führte durch kleine Wege wo ab und zu Mal ein Haus stand und man sah oft coole Berge. Cool weil sie so unterschiedlich aussahen und man immer was zu kucken hatte. Dann führte der Weg lange Stücke durch trockene flussbetten. Mir ist auch erst in den letzten Tagen aufgefallen, dass Flüsse in Spanien scheinbar einen Doppelzweck erfüllen. Die 3 Tage im Jahr, wo sie Wasser führen, sind sie ein Fluss und die restliche Zeit, werden sie als Straßen benutzt. Ich habe sogar schon LKWs gesehen, die in den trockenen Flüssen rumfahren und es stehen sogar teilweise Verkehrsschilder dort. Naja. Ich fuhr weiter meinem Navi nach, durch sehr ruhige und einsame Gegenden. Das gefiel mir und ich grübelte über alles mögliche, oder hörte Musik. Der Weg ging stetig bergauf aber nicht zu steil. Ich merkte wie ich langsam an Höhe gewann. Es war den ganzen Tag lang bewölkt und Mittags gab’s sogar kurz regen. Ich hatte schon fast vergessen was das ist. Aber im warmen ist Regen gar nicht so schlimm.
Leider ist es dann aber immer weiter zugezogen und ab 14:30 gab es dann durchgehend regen. Damit konnte ich eigentlich ganz gut leben, aber zwei Sachen beunruhigten mich. Erstens war ich echt weit oben und die Wolken waren sehr dunkel, was natürlich bedeuten kann, das es anfängt zu Gewittern. Das wäre echt scheiße. Zumal hier überall Bahnanlage und hohe Hochspannungsmasten rumstanden. Zweitens wusste ich nicht auf was für einen Schlafplatz es hinauslaufen würde. Mein Zelt bei strömendem regen aufbauen ist nicht geil, weil es da nicht für gemacht ist. Irgendwann kam ein Tunnel, der unter den Bahnschienen, an denen ich die ganze Zeit lang gefahren war. Da stellte ich mich erstmal drunter um mir im trockenen einen Überblick verschaffen zu können.
Ich fand herraus, dass in gar nicht so weiter Entfernung ein Lostplace steht. Vielleicht könnte ich da sogar im trockenen mein Zelt aufbauen. Also stellte ich die Koordinaten ein und fuhr los. Leider war die Umgebung dort sehr matschig und das verlassene Gebäude war offen. Es gab kein Dach und es lag komplett voll zerbrochener steine. In dem Haus hingen 1000 Vogelhäuser und es gab keine Stelle fürs Zelt. Außerdem war es hier sehr offen und wenn es stürmisch wird, ist das auch scheiße. Das war also kein Platz an dem ich bleiben wollte.
Es gab noch einen anderen Platz bei dem Ort Gaudix. Ein von Bäumen und Natur umgebener Parkplatz. Leider 20km entfernt. Aber mir blieb nicht viel anderes übrig und ich dachte, wenn ich unterwegs was gutes sehe, kann ich da ja auch bleiben. Ich habe also wieder die Koordinaten eingegeben und den Platz angesteuert. Erst ging es an Olivenplantagen entlang und dann immer auf Schotter und Geröll. Asphalt hatte ich schon seit heute Vormittag nicht mehr gesehen. Dann kam ich wieder in so ein Flussbett. Es wirkte wie ein canyon. Die eine Seite grenzte an eine teils locker 20km hohe Felswand, auf der Bäume zu sehen waren und die andere Seite war durch einen Sand und steinwall begrenzt. Ich bin sehr lange durch diesen Canyon gefahren. Es ging bergab und ich war teilweise mit über 30kmh unterwegs. Das hat voll Spaß gemacht und ich war umgeben von richtig schöner Natur. Trotzdem merkte ich auch, das der Tag sich langsam dem Ende neigte und die Sonne schon tief stand. Aus der Erfahrung der letzten Tage hatte ich aber noch genug Zeit zum Platz zu fahren und aufzubauen. Am Ende führte der Weg aus dem Canyon in einen Wald. Der Weg wurde immer kleiner und auf einmal stand ich vor einem Drahtseil als Absperrung.
Darauf konnte ich heute keine Rücksicht nehmen. Es war zu spät. Ich bin also trotzdem da durch. Plötzlich führte der Weg auf einen Trampelpfad. Und an einer Stelle vorbei, wo ein altes Sofa stand, als wenn jemand es hergebracht hat um von hier aus die Lichter der Stadt Gaudix anzusehen. Ich folgte weiter meinem Navi und es ging tiefer in das Waldstück. Und plötzlich ging es nicht weiter, weil ich schlecht über die roten porösen Felsen klettern konnte. Wo mein Navi da einen Weg ausmachte, ist mir schleierhaft. Nicht Mal ohne Fahrrad gab es hier einen.
Es wurde schon langsam dunkel und der Regen wurde stärker. Ich musste also schnell eine Entscheidung treffen. Also schaute ich, wo der Boden am Gradesten war und baute mein Zelt direkt hier im Wald im strömenden regen auf.
Dann schmiss ich alles ins Zelt was ich brauchte, kramte mein Shampoo raus und zog mich aus. Das ich kein Handtuch griffbereit hatte war mir klar. Aber was soll’s. Ich wollte nicht wieder ungeduscht ins zelt. Ich wusch mich also und kroch nass, aber wenigstens sauber ins Zelt. Da habe ich mir dann erstmal ein Bier aufgemacht und mich gefreut das ich im trockenen war. Heute hatte ich das richtige mindset für so einen Quatsch. Heute fand ich das sogar cool. Gut geschlafen habe ich trotzdem nicht, weil ich nicht wusste ob es in der Sierra Nevada Bären gibt. Eigentlich war ich mir Recht sicher das es Bären gibt, aber ich redete mir ein das die bestimmt gerade Winterschlaf machen. Ich hätte es auch googlen können, aber ich wollte es lieber gar nicht wissen. So blieb die Hoffnung das es keine gibt.
Kleiner Spoiler: Es gibt keine Bären in der Sierra Nevada. Nur Bergziegen und Wildschweine.

