13.11.2025 – Tag 174
Heute sind wir am Strand in der Nähe von Las Negras aufgewacht. Die Nacht war wieder nicht so geil, weil das Meer wieder so laut war und ich noch bei jedem kleinsten Geräusch hellhörig werde. Ich habe mir dann Ohropax reingetan um nicht diese Laute Brandung zu hören. Wir haben also zusammen gepackt und sind als erstes nach San José gefahren. Das ist eine wirklich hübsche kleine Küstenstadt. Unterwegs hat uns ein rennradfahrer angesprochen. Er hat uns Tipps für die Route gegeben und sich eine ganze Weile mit mir unterhalten. Er sagte etwas von einer Schotterstraße an der Küste, die schön und aufregend sein soll. In San José haben wir uns erstmal in ein Café gesetzt und uns einen Überblick verschafft. Franziska hatte uns in der Zwischenzeit eine Nachricht mit Tipps und Rechercheergebnissen zur Wüstenetappe geschickt. Während wir unseren Kaffee trinken kam noch ein Typ mit einer Babykatze auf der Schulter ins Café. Das ist zwar keine wichtige Information für die Geschichte der Reise, aber voll süß.
Als wir wieder losfahren wollten kam eine Frau auf uns zu. Ich hatte schon gesehen, das sie etwas mit sich gerungen hat, ob sie uns anspricht, aber dann war sie total begeistert und fand das so cool, das wir so eine Reise machen und war begeistert das wir durch diese Wüstenartige Landschaft gefahren sind. Und sie ist da auch gerade durchgefahren. Sie hat uns von Hunden erzählt die da ausgesetzt werden. Wahrscheinlich war der Hund der mir gestern vors Fahrrad gelaufen war auch so einer. Leute setzen echt ihre Hunde in dieser trostlosen trockenen Landschaft aus um sie loszuwerden. Das macht mich wütend und fassungslos. Wie Menschen so kalt und herzlos sein können. Die Frau war genau so traurig und versuchte eine Organisation rauszufinden, die diese Hunde retten kann. Dann kurz bevor wir loswollten sah sie uns nochmal und wollte Fotos mit uns machen. Die war echt süß.
Nachdem wir uns losgerissen hatten schauten wir auf die Karte und schauten wo wohl die Straße ist, von der der rennradfahrer sprach. Wir sahen einen schmalen Weg, der scheinbar direkt am Berg lang führte. Nachdem wir da hinfuhren, mussten wir anhalten weil wir mit den Bikes absolut nicht fahrend durchgekommen wären. Die Überlegung war schieben/tragen, oder um den Berg rumfahren. Wir liefen den Weg sogar zu Fuß ab. Entschieden uns dann aber für den Weg um den Berg, weil wir zu sehr an unserem Leben hängen. Trotzdem konnten wir von oben schon ausmachen, das der Spot den wir da sahen wohl ein guter Platz zum Campen war. Als wir um den Berg rum waren, mussten wir an einem Tor vorbei, das dafür sorgte das keine Autos durch können. Auch gut für den spot. Als wir ankamen, sprang ich erstmal ins Wasser. Das war richtig schön. Dann holte ich die picknickdecke raus und legte mich mit meinem sketchbook hin und aß turron. Eine spanische Süßigkeit. Und trank Limo. Lange malen konnte ich nicht weil hier, wie so oft in Spanien, eine unermessliche Fliegenplage war. Ich hörte also genervt auf. Man konnte hier keine Minute liegen ohne das die fliegen einem überall ins Gesicht, in die Ohren und sogar in die offenen Augen flogen. Ich hab mir also die Hängematte aufgebaut und mich unter dem Mückennetz versteckt. Geil. Einfach hier chillen zu können. Malen wollte ich hier aber nicht. Außerdem war ich wirklich müde. Ich habe also mal meine Rechnungen von den Fahrradteilen aus Frankreich zu meiner Versicherung geschickt und außerdem 2 fahrradläden in Lissabon angeschrieben. Da ich ja über weihnachten nach Bayern fliege, und nicht sicher war wo ich mein Kram lassen kann, war meine Idee, einen Fahrrad-Laden mit der Wartung/Inspektion/Reinigung meines Bikes zu beauftragen und zu fragen ob die nebenbei meine Sachen irgendwo verwahren können. So könnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Lustiger Spruch bei dieser Fliegenplage hier. Naja. Irgendwann kam ich nochmal raus und versuchte zu malen, aber mit diesem Fliegen? keine Chance… Ich habe also meinen Kram weggeräumt und das Tarp über meine Hängematte gebaut, weil es tatsächlich eine Regenwahrscheinlichkeit gab und die Wolken auch dafür sprachen, das man lieber ein Dach überm Kopf haben wollte. Erst dachte ich an ein Backup Zelt, aber mit dem tarp war ich eigentlich ganz zufrieden. Damit war mein Schlafplatz auch echt schon früh aufgebaut. Während dessen kamen eine Menge Leute vorbei die uns sahen und natürlich neugierig waren. Sie fragten wo wir herkommen und was wir machen. Die üblichen Fragen halt. Man sorgt halt für Aufsehen mit den Reisebikes. Nachdem der Schlafplatz fertig war, hatte ich auch schon Antwort von beiden Fahrradläden. Beide würden das Fahrrad gern inspirieren und das mit den Taschen wäre auch kein problem. Wieder ein Problem vom Tisch. Und das ohne Zusatzkosten. Das Bike vor Marokko nochmal durchsehen zu lassen halte ich eh für eine gute Idee.
Abends habe ich noch mit Jacky telefoniert. Und kurz bevor wir pennen wollten, als es schon dunkel war, sahen wir dann auf dem weit entfernten Parkplatz Blaulicht aufleuchten.
Wir standen natürlich wieder mitten am Strand, direkt neben einem Zelten verboten Schild. Die Bullen waren an dem nahe gelegenen Parkplatz und haben wahrscheinlich nach Womos geschaut. Wir saßen wie im Kino bei einem aufregenden Film auf einem Baumstamm und haben gehofft, das sie uns nicht sehen. Zum Glück hatte ich nicht das leuchtend gelbe Zelt aufgebaut. Corinna hatte ein dunkelgrünes Zelt etwas hinter Büschen aufgebaut und wir waren beide dunkel angezogen. Eigentlich waren wir gut getarnt. Die sind trotzdem ca. 1,5h mit Taschenlampen und Suchscheinwerfer rumgelaufen.
Wir wussten auch nicht was sie genau suchten, aber bei der Intensität war es nicht ausgeschlossen das sind uns zufällig sehen. Die haben sogar mit so einem hellen grünen Laserding in unsere Richtung geleuchtet aber nicht ganz bis zu uns rumgeschwenkt. An Ende sind sie sogar mit dem Motorrad dich an unserem Spot vorbeigefahren.
Die waren nur ein paar Meter von uns weg und haben alles abgesucht. Natürlich ausgehend von dem Parkplatz. Wir waren scheinbar unauffällig genug und gut genug getarnt, das sie irgendwann endlich anzogen und wir uns ins Bett legen konnten. Vor den waren wir heute wohl sicher.

