03.11.2025 – Tag 164
Heute bin ich leicht verkatert aufgewacht. Waren gestern halt auch nicht wenige Biere. Ich lag in meinem Zelt und natürlich musste ich jetzt direkt eine entscheidung treffen. Die anderen waren so nett und Gastfreundlich und wollten mich am liebsten gleich mehrere Tage mit einplanen. Der Plan war Palmen pflanzen und Oliven ernten. Das klang alles toll, aber wollte ich wirklich bleiben? Es ging gar nicht darum jetzt für und wieder abzuwägen sondern als erstes Mal nur auf mein Bauchgefühl zu hören. Das sagte mir nämlich, das ich weiter will. Dann stellte ich mir die Frage warum und warum nicht. An dem Punkt wurde mir irgendwie klar, das ich bleiben würde, weil die anderen so nett zu mir waren und ich mich verpflichtet fühle. Es waren alles ältere Menschen aus Holland und wahrscheinlich wird hier jeden Tag geraucht und getrunken, so wie gestern. Ich fragte mich am Ende noch ob ich eigentlich Bock habe auf Oliven pflücken und Palmen pflanzen und das konnte ich mit einem Recht sicheren nein beantworten. Nicht in dieser Runde und auch nicht zu dieser Zeit. Ich hatte gerade eine lange Auszeit auf Mallorca genommen und nur zu bleiben, um anderen einen Gefallen zu tun, war mir meine Zeit zu kostbar. Außerdem schulde ich den nichts. Ich wollte nur einen Schlafplatz und alles andere haben die aus eigenem Antrieb gemacht. Eigentlich wäre ich in deren Plänen gar nicht hier und sie werden auch ohne mich klarkommen. Also packte ich mein Zelt und meine Sachen zusammen, nahm noch die Einladung von gestern zum Frühstück an, zahlte dem Campingplatz besitzer den 10er für die Übernachtung und machte mich auf den Weg. Ich stellte mein Navi und anders als in meiner Vorstellung, musste ich erstmal den Berg hoch. Zuerst war der Weg noch ganz ok, aber er wurde immer schlechter. Zurück runter zu fahren war keine Option, weil ich dann ziemlich sicher an einer anderen stelle wieder die ganzen Höhenmeter hoch musste und ich kannte die wege. Wer weiß ob es wo anders besser aussieht. Ich habe mich also weiter hochgekämpft und teilweise geschoben. Es war alles so loser Untergrund und so steil, das man an fahren gar nicht mehr denken konnte. An manchen Stellen könnte ich nicht Mal sagen, ob ich die runtergefahren wäre. Schlauerweise hatte ich auch noch meine flipflops an, die es mir mit dem schieben und teilweise halb tragen auch nicht einfacher machten. Nach einer ganzen Weile des rumquälens stand ich plötzlich auf einer Olivenplantage. Ich schob mein Fahrrad quer durch die Oliven. Mein Navi meinte hier irgendwo einen Weg zu kennen. Ich sah keinen. Statt dessen Gestrüpp und dornen überall. Ich sah aber auf der Karte, das ich gar nicht so weit von einer befestigten Straße entfernt war. Ich stellte das Fahrrad an und machte mich zu Fuß auf den Weg, nach einem weg zu suchen. Nicht dem, den es laut Navi geben sollte, sondern irgendeinen. Ich beschloss zur Straße hochzuklettern und mir von oben ein Bild der Situation zu machen. Dazu musste ich einen steilen Hang hochklettern, der komplett mit vertrockneten Dornenranken zugewachsen war. Die gingen mir bis zur Brust, aber zerbrachen teilweise einfach, wenn ich mich dirchquetschte. Irgendwann stand ich an der Straße. Ich konnte keinen guten Weg finden und war auch schon Recht weit vom Fahrrad entfernt. Ich sah aber Recht weit entfernt ein Haus, von dem ich dachte, das es sicher irgendwie mit der Straße verbunden sein muss, weil ich auch ein Auto sah.
Also:
Option 1: alle Taschen von Fahrrad abbauen, Schuhe wechseln und das ganze Gedöns und das Fahrrad den Hang hoch tragen.
Option 2: Mich irgendwie zu diesem Haus durchkämpfen in der Hoffnung von da weiter zu kommen. Natürlich könnten es auch die Besitzer der Plantage sein.
Ich entschied mich für Option 2, ging zurück zum Fahrrad und schob durch brusthohes Gestrüpp und Dornen. Als ich auf das Haus zukam sah ich jemanden an der Terrassentür und ein Hund fing an zu rebellieren. Der Zaun hatte Löcher und ich dachte das ich echt schlechte Karten habe, wenn dieses komische viech da durchkommt. Zum Glück sah ich weder von Besitzer noch von Hund etwas. Ich ging ums Haus Rum und war tatsächlich an der Straße. Mit Asphalt und raus aus dem Gestrüpp. Leider nicht ganz ohne Verluste. Erstens waren meine ganzen Füße voll mit Dornen und ich merkte das mein Mora Messer, was ich mir in Schweden gekauft hatte, nicht mehr in meine Tasche war. Ich hatte es seit Schweden immer bei mir gehabt und es war immer in meiner Tasche. Jetzt war es weg und ich wusste sogar wo ich es verloren hatte. Ich dachte kurz drüber nach, ob es eine Option wäre, zurück zur Stelle mit den hohen Dornenranken zugehen, wo ich den Hang hochgeklettert war im zur Straße zu kommen. Dann dachte ich das ich so froh bin da raus zu sein und am Ende war es nur ein materieller Gegenstand. Es wäre etwas anderes, wenn es das Messer gewesen wäre, was ich von Jacky geschenkt bekommen habe, aber das habe ich noch. Das Mora habe ich mir selber geschenkt. Es ist zwar ein emotionaler Wert, aber ich kann mir auch wieder ein Mora Messer schenken. Ich habe Fotos und Erinnerungen an Schweden, die mir niemand wegnimmt also tut das Messer nicht so weh. Ich war jetzt an der Straße und hatte erstmal kein Bock mehr auf Offroad. Ich habe mich die Straße hoch gequält und sah plötzlich eine große Stadt. Nach einem Blick auf mein Navi wusste ich das es Alcoy gewesen sein muss. Lustig ist, das ich später erfuhr, das Franziska scheinbar zu einer ähnlichen Zeit unten in Alcoy unterwegs war. Sie hatte eine andere Route genommen, weil sie ja von ihrem Hotel gestartet war und kam durch Alcoy. Sie fuhr einen anderen Bergpass weiter rechts, auf der anderen Seite vom großen Berg. Ich fuhr weiter und es ging die ganze Zeit bergauf. Irgendwann kam ich an der Velo 8 endlang. Sie lief parallel zu meiner Straße, etwa 15m höher. Ich sah da sogar Radfahrer. Nach einer Weile kreuzte sie meine Straße und ich fuhr auf die velo. Die war so scheiße wie gewohnt. Sofort Schotter und dann wurde sie zum singletrail. Außerdem wusste ich, das sie finden großen Umweg machte. Ich wollte lieber den direkten Weg auf einer asphaltierten Straße fahren. Also bog ich ab und folgte einem weg zwischen Olivenbäumen. Plötzlich stand ich auf einem Hof. Von innen an Tor. Dieses Tor versperrte mir den Weg zur Straße. Das ist eine Sache die ich an Spanien hasse. Überall sind Zäune und Tore und Stacheldraht und blockaden. Ich wollte doch nur zur kack Straße. Ich fuhr ein wenig auf dem Stick Land Rum und es waren überall Kameras die mich wahrscheinlich gerade Aufnahmen. Es gab aber keinen Weg von diesem Grundstück, außer weiter die velo8 zu fahren. Ich war so hart genervt, das ich kurz überlegte, mir mit meiner Zange ein Loch in den kack Maschendrahtzaun zu schneiden. Statt dessen versuchte ich jetzt nochmal in die andere Richtung. Mir war auch egal, das ich gerade auf Privatgrund zwischen Olivenbäumen rumfuhr. Ich wollte nur zur Straße. Dann fand ich eine Stelle. Es ging wieder durch verschiedene Arten Dornen und Dornenranken. Dann kam ich zu einer Leitplanke. Hier hab ich mein Fahrrad inklusive komplettem Gepäck rüber getragen und stand auf der Landstraße. Die wollte ich jetzt nicht mehr verlassen und laut Navi führte die mich auch ins Tal, wo ich hin musste. Zuerst musste ich aber den Berg überqueren. Es dauerte noch ca. 2h bis ich am höchsten Punkt ankam. Etwas über 1000m über dem Meeresspiegel. Hier hatte ich eine mega Aussicht und ich machte erstmal Pause. Das war so wunderschön hier und entschädigte für vieles. Ich sag bewusst nicht für alles. Aber jetzt kam ja noch die abfahrt. Es ging quasie nur noch bergab bis ins Tal. An einer guten Straße, die in Serpentinen nach unten führte. Teilweise kam ich fast auf 60kmh. Es wäre perfekt gewesen, wenn mein Navi nicht wieder eine Abkürzung vorgeschlagen hätte, die ich mitnahm. Es war in einer Serpentine, wo es einen Weg gab, der nicht die Kurve machte um Steigung, bzw. Gefälle zu reduzieren, wie Serpentinen es halt machen. Der Weg führte auf direktem Weg von einer Serpentine runter zu der Stelle wo die Straße wieder lang kam. Super Idee. Erste war es Spaß weil es echt steil war. Dann endete der Asphalt und ich fuhr eine Endurostrecke mit Fußball großen Geröllsteinen. Auf absteigen hatte ich kein Bock, also rumpelte ich mit meinem ganzen Gepäck diese Downhill Strecke runter, vor der ich selbst mit nem fully Respekt gehabt hätte. Aber es ging gut und ich kam wieder an der Straße an.
Von da an blieb ich nur noch auf der Straße. Auch wenn es später eine 4-Spurige Schnellstraße mit Leitplanke in der Mitte würde. Das war mir völlig egal. Ich fuhr die ganzen restlichen 10km auf dem Seitenstreifen der Autobahn ähnlichen Straße bis nach Alicante rein. Auf dem Campingplatz angekommen buchte ich eine Parzelle mit dem gewohnten Schotter und eine halbe Stunde später kam Franziska an, die scheinbar eine viel entspanntere Tour hinter sich hatte. Ich hab mir noch Essen gemacht und vorm schlafen noch ein paar Stacheln aus meinem Fuß gezogen.

