09.10.2025 – Tag 139

Die Nacht in der Hängematte war so mittel gut. Ich habe schon ne ganze Menge Schlaf bekommen aber dieser nervige Rauch nach glimmendem Holz hat mir schon ein bisschen die Nacht versaut.
Am Morgen bin ich dann von Schüssen geweckt worden. Sie waren schon noch ne Ecke entfernt und ich kann verstehen, das es Spaß macht rumzuballern, aber es war halt auch zu laut um weiterzuschlafen. Ich weiß nicht genau was es war, weil ich mich da auch nicht auskenne, aber es war schon eine scharfe Waffe. Ich bin also aus meiner Hängematte raus und hab mir erstmal einen Kaffee gemacht. Dann habe ich mal ganz anders al sonst Blog geschrieben und mein Frühstück gegessen. Dann alles zusammen gepackt und wieder auf die Bahn. Ich bin durch Touristengegenden gekommen. Alles wie verlassen. Die Saison war vorbei und das hat man gemerkt. Leute waren am aufräumen und bauen. Ich bin an so vielen Campingplätzen vorbeigekommen wie noch nie. Es waren aber nicht einfach nur Campingplätze. Es waren Teilweise kleine Freizeitparks. Echt krass. Es gab Achterbahnen und ganze Freizeitlandschaften mit Rutschen, Wasserrutschen und Plastiksaloons. Ganze fantasiewelten mit Plastikaffen, groß wie Kingkong und Cocktailbars. Es waren nicht nur Swimmingpools, sondern Freizeitparks mit Palmen und Wasserrutschen. Alles verlassen und menschenleer. Ich will gar nicht wissen was hier in der Saison los ist und wer hier rumhängt und was die Nacht hier kostet. Sicher 3 stellig. Ich bin an den ganzen Landschaften vorbeigefahren und hab ein bisschen geträumt. Ich steh ja voll auf lost places und ich war mitten drin. Nur das es nicht lost war, sondern einfach nur verlassen. Die Videokameras und Securitys hatten einen sicher sofort entdeckt.
Für mich ging es weiter auf unbefestigten Straßen. Die Eurovelo 8 war, wie es auch schon im Namen der Tracks verzeichnet war, „under development“. Vielleicht sieht das hier nächstes Jahr schon ganz anders aus. Die Bauarbeiten waren in vollem Gang. Ich war oft auf Schotter, oder in zerklüfteten Straßen, die durch Schlaglöcher gekennzeichnet waren unterwegs.
Dann ging es weiter am Kanal. Es war ein kleiner Kanal, der mich jetzt eine ganze Weile begleitet untergegs. Gar nicht schlecht. Zumindest nicht viele Höhenmeter. Der Kanal war scheinbar gern gesehen von kleinen Booten, die hier und da mal zu sehen waren. Es gab wieder Schiffshebeschleusen, wie ich sie schon kannte. An einer Stelle führte der Kanal wieder über einen Fluss. Ein bisschen wie in einer ausgedachten Welt in Minecraft. Menschen sind schon echt komisch und wenn die nötige Kohle da ist, werden die wildesten Sachen gebaut. An einer Überführung, wo der Kanal dann über den Fluss ging, hielt ich an es wimmelte überall von eidechsen, die sich in den brüchigen Steinen versteckten. Als ich ruhig stehen blieb, wimmelten sie um mich Rum und eine Babyeidechse war so neugierig, das ich sie sogar am Kopf berühren konnte. Hier ist auch mein Navi abgestürzt und hab mir eine ungewollte Pause. Ich sah dwn ganzen Menschen zu die sich die Schleusen ansahen. Es war schon ein bisschen surreal. Es waren ungefähr 10 Schleusen auf 1km und Touristen Fähren fuhren da durch. Ich denke das es bestimmt eine Stunde dauert um den Höhenunterschied zu passieren, den ich mir dem Fahrrad in 2 Minuten machte.
Es war in der Stadt Béziers. Die wohl eine große Attraktion war. Es war schon eindrucksvoll mit den großen Bergen am Horizont. Ich hab nachgesehen und es waren die Berge Vom Nationalpark Haut Languedoc. Nachdem ich aus der Stadt wieder raus war, fuhr ich den Kanal weiter. Und irgendwann kam wie immer der Moment, wo ich anhielt und mir einen Überblick über meine Schlafsituation machte. Ich war in einer Reichen Gegend und Bonzen in hummer und Porsche Cayennes fuhren hier rum. Auf der anderen Seite vom Kanal waren Villen mit Palmen im Garten zu sehen. Nicht die beste Ecke im nach nem Platz im Garten zu fragen. Die reichsten Menschen haben immer die größte Angst davor etwas von ihrem Platz mit dem Pöbel zu teilen und außerdem haben die oft Angst, das jemand ihnen ihren Reichtum wegnehmen könnte. Es waren auch weit und breit keine Campingplätze die offen hatten zu finden. Es gab also die Möglichkeit wildzucampen und mich mit meiner hängematte irgendwo zwischen Bäume zu hängen, oder weiterfahren und was passendes fürs Zelt zu finden. Weit und breit nix. Dann kam ich an einem Hausboot vorbei. Es sah aus, als wenn hier entspannte Menschen leben. Das Boot war bunt angemalt und auch der Bereich drumherum wirkte friedlich und gemütlich. Leider war es am anderen ufer. Nach einer weile kam aber eine Brücke und ich wagte den Versuch Mal hinzufahren und zu schauen wer da so unterwegs war. Nachdem ich auf der andern Uferseite über ein kleines weinfeld gefahren war, ging es etwas durchs Dickicht und Ich erreichte nach einiger Zeit das boot. Es stand eine Badewanne mit Kerzen davor und auf dem boot wehten Klamotten zum Trocknen auf einer Leine. Daneben waren bunt angemalte Stühle und ein Tisch. Komisches Gefühl. Ich war quasi ungefragt in deren Wohnzimmer eingedrungen. Als ich am Ufer stand und rief, tat sich nichts. Leider niemand zu Hause. Ich drehte also um und fuhr wieder zum Kanal. Während dessen merkte ich schon, wie mein Hinterreifen sich immer schwammiger anfühlte. Er verlor wieder Luft. Ich stand auf einem Schotterplatz auf der unbewohnten Seite des Kanals und musste wohl oder übel wieder meinen reifen flicken. Kein Schlafplatz in Sicht, im nirgendwo und ich sah langsam die Sonne untergehen. Scheiße.
Beim Reifen flicken fiel mir dann etwas ins Auge, was ich schon die ganze Zeit in den letzten Tagen wahrgenommen, aber nicht wahr haben wollte. Ich hatte die ganze Zeit schon das Gefühl das sich meine Speichen komisch anhören und es gab immer wieder Geräusche vom Hinterreifen aus. Ich dachte es ist was temporäres und es würde schon nicht so schlimm sein. Naja. Jetzt sah ich, wie ernst es war. Eine Speiche war gerissen. Direkt an der Verschraubung an der Felge. Ich flicker also den Reifen und war mir sicher, das ich so nicht weiter fahren konnte. Schon als Dörte da war und schon davor hatte ich irgendwie ein Gefühl, das es gut wäre ein paar Reservespeichen dabei zu haben, aber ich kümmerte mich nicht darum. Wird schon gut gehen. Jetzt kam ich mir mega dumm vor. Als ich genauer hin sah, bemerkte ich, das genau gegenüber von der gerissenen Speiche noch eine Speiche gerissen war. Und zwar an der Achse. Scheiße. Nach etwa Googlen sah ich, da des einen Fahrradverleih im Nachbardorf gab. Keine Ahnung wie lange die Speichen schon durch waren, aber ich wollte mir dem ganzen Gepäck jetzt zu diesem Fahrradverleih. Vielleicht haben die eine Werkstatt und diese ganzen Rentner mit e Bikes fahren doch eh meist Mountainbikes, weil das am Komfortabelsten ist. Also vielleicht könnten die mir helfen. Scheiß Gefühl mit dem kaputten Rad rumzufahren aber es war schon spät und irgendwas musste passieren. In der kleine Stadt angekommen, merkte ich, das der Verleih wohl nur auf Anruf auf machte in die Bikes rauszugeben. Es gab keine Werkstatt und auch keinen laden, der auf hat. Bis auf eine niedliche Katze in der Straße zu streicheln hatte ich also keinen Erfolg.
Das nächste, was ich machen konnte, war zur nächst größeren Stadt zu fahren. Da gab es einen Decathlon und die haben auch oft eine Werkstadt. Leider war es schon 18:00 und der Decathlon war 20km entfernt. Der hatte bis 19:30 auf. Es gab einen Weg am Kanal endlang. Die Euro Velo 8, der war aber locker 45km lang, oder einen direkten Weg an der Landstraße. 20km. Ich ging die Möglichkeiten durch. Einen Schlafplatz hatte ich eh nicht und auf der anderen Seite waren 2 Speichen gerissen und mit voller Beladung war es echt heikel. Wobei ich auch echt sagen konnte, wie lange ich schon mit dem defekt gefahren war… Ok. Lange Bedenkzeit hatte ich nicht. Also seit langem Mal wieder den Helm aufn Kopf und Stoff geben. Mir war klar, das ich ungefähr ne Durchschnittsgeschwindigkeit von 20kmh machen musste um eine Chance zu haben. Zum Glück war es Recht flach, also schaffte ich es fast durchgehend über 20 zu fahren und kam um 19:00 an. Ohne Unfall und ohne weitere kaputte Speichen. Beim Decathlon hatten sie keine Werkstatt und konnten auf Englisch auch nicht wirklich verstehen was ich wollte. Dazu hatte ich kurz vorm Decathlon wieder einen Platten. Ich bin also gerade so mit Platten reifen auf den Hof gerollt und mußte leider unverrichteter Dinge wieder gehen. Aber ich war in einer größeren Stadt und es gab hier mehrere Fahrradläden. Eine Schlafplatz hatte ich aber immer noch nicht. Ich stand vor einem Ibis Budget Hotel, aber das sollte über 100€ die Nacht kosten. Das Budget war mir zu groß. Ich war schon kurz davor mich mitm Zelt in Stadtpark zu stellenz als Jacky mir einen Campingplatz durchgegeben hatte, der ganz in der Nähe war und auf hatte. Ich habe da angerufen und die haben wir am Telefon gesagt das sie das Tor für mich auf machen und ich soll anrufen wenn ich da bin. Als ich mit meinem kaputten Rad und völlig fertig ankam, sagten sie mir einen Platz wo ich das Zelt aufbaute. Schnell noch duschen und hinlegen. Hier hat man nicht mehr das Problem mit Nässe am Morgen, sondern ehr das Problem mit steinigen böden. Als ich mich hinlegte, merkte ich das meine Isomatte Luft verlor. Ich dachte das es wahrscheinlich ein spitzer stein war, aber als ich sie wieder aufpustete und die Ventile Schloss blieb sie voll. Das wäre ja noch der Oberscheiß. Zum Glück ist sie doch heil. Mal schauen, ob mir morgen die Bikeshops helfen können. Ich war jedenfalls krass dankbar das Jacky mich gerettet hat und ich hier erstmal bleiben konnte, bis alles wieder gefixed ist. Ach ja. Und nebenbei sagt ich noch, das direkt auf meinem Zeltplatz ein Granatapfel baum steht. Also gibt es wohl morgen frisch gepflückten Granatapfel. Das ist eine Sache die ich Mal verinnerlichen muss. Es kommt manchmal scheiße und es wirkt alles aussichtslos, aber am Ende fügt sich eigentlich immer alles. Es fühlte sich an wie eine aussichtslose Situation als ich mit Platten reifen und den gerissenen Speichen dort im nirgendwo an der Straße stand. Bisher ist es aber immer gut ausgegangen. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so wirkte. Oft ist es auch eine Sache der Sichtweise und ich neige ja leider dazu schwarz zu malen. Aber ich bin gesund, habe einen Schlafplatz und alle Zeit der Welt mir einen Plan zu überlegen und als Sahnehäubchen wache ich neben frischen Granatäpfeln auf. Es könnte mich echt schlimmer treffen.

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