28.09.2025 – Tag 128
Heute bin ich in meinem kleinen Zelt aufgewacht. Ganz allein und ich hab gefühlt das ich jetzt wahrscheinlich wieder lange auf mich allein gestellt sein werde. Ich kannte das Gefühl ja schon von letztem Mal, wo ich aus Göteborg mit der Fähre abgefahren war, aber es war wieder total komisch. Die gemeinsame Zeit war wieder viel zu schön und ich dachte noch ein bisschen zurück. Jetzt hieß es wieder allein Frühstück vorbereiten, allein Sachen packen und allein auf die Straße. Ich brauchte extrem lange um alles zusammenzupacken. Schließlich hatte ich ja ne Menge fresskram von der gemeinsamen Zeit übernommen. Das bedeutete auch Strategisches essen, um so wenig wie möglich wegwerfen zu mussen. Als erstes musste die mango weg. Und der Joghurt. Also gab es Müsli mit mango. Als ich dann allein zum Abwasch ging, wurde ich total traurig. Die waschbecken haben einen Druckknopf fürs Wasser, der immer viel zu kurz anblieb. Den konnte immer einer (Dörte) dauerhaft drücken und der andere wäscht ab. Heute musste ich den irgendwie mit dem Knie drücken um Wasser zu haben. Das machte mich alles sehr traurig und ich dachte mir, das ich so schnell wie ich kann hier weg muss. Es war trotzdem noch eine Menge zu tun mit abbauen und packen und ich habe meine Taschen kaum zubekommen, weil da so viel Kram war. Ich hatte schon mit Dörte drüber geschrieben und es war irgendwie eine schöner Gedanke und vielleicht wieder etwas was ich lernen kann. Erstens hilft es nichts der Vergangenheit nachzuhängen. Es zählt neue tolle Erinnerungen zu schaffen und zweitens kann mit den richtigen Menschen selbst der sonst so von mir gehasste Alltag zu etwas werden, woran man glücklich und dankbar zurückdenken kann. Naja. Es ging jetzt erstmal darum meinen Kram zusammenzustopfen und besonders das Zelt trocken zu bekommen. Gar nicht so einfach bei Nebel und einer klitschnassen Wiese. Die Sonne war zwar schon draußen und es war knapp 12, aber die Sonnenstrahlen hatten kaum noch genug Kraft um irgendwas zu bewirken. Selbst der verzweifelte Versuch das Zelt auf einer Wäscheleine aufzuhängen war vergeblich und so packte ich es eben halbtrocken ein. Dann bin ich vollkommen überladen losgefahren mit 1,5l orangina auf dem Pizzarack. Es ging aus Lyon raus und ich hatte heute viele Ecken Landstraße, aber auch Teile am Kanal zu fahren. Mittag habe ich dann in einem Park am Fluss gemacht. Es gab Baguette mit Aufschnitt. Operation „fressen gegen die Kilos“ hatte begonnen. Während der Fahrt habe ich auch viel mit Jacky telefoniert. Sie hat auch wieder ein bisschen bei der Navigation geholfen. Dörte war während dessen den ganzen Tag noch in Bus und Bahn unterwegs und wir haben auch zwischendurch geschrieben. Zwischendurch ging es steile Berge hoch und ich kam durch hübsche kleine Orte am kanal. es ging über Schotter und Kopfsteinpflaster. Echt ein schöner Tag. Gegen Ende habe ich auch noch eine Höhle gefunden, die aber so brüchig aussah, das ich keine Lust hatte mein Leben aus Neugier zu riskieren. Zumindest war sie groß genug, das ich mit meiner kopflampe das hintere Ende nicht sehen konne. Nach einiger Zeit begann es, das ich wilde Pflanzen sah, die ich sonst nur ausm Topf kenne und auch an einem richtigen Bambuswald vorbeikam dazu tauchten sehr hohe Berge am Horizont auf. Nach einigen weiteren Höhenmetern, kam ich zum Campingplatz. Ich stand vor verschlossenem Tor, aber das wurde mir direkt geöffnet. Der Platzwart rief mir zu „eine Person, ein Zelt und ein Fahrrad?“ Ich sagte ja und ging in die Rezeption. Er erzählte mir das sie einen Sondertarif für Biker und Wanderer haben. Es kostete alles zusammen 10€. Dazu nahm ich noch eine Flasche Wein für 15€ mit. Ich kam auf einen kleinen Platz, der umgeben von deutschen Wohnmobilen war. Alle auf der Durchreise in wärmere gegenden. Spanien oder portugal. Die eine Frau aus dem Nachbar Wohnmobil hat mir dann erstmal einen Kaffee gemacht. Sie ist dann aber zum Glück mit ihrem Mann abgehauen. Viel Bock auf Konversation hatte ich heute nicht. Statt dessen habe ich gemalt und meinen Wein getrunken.
Am Abend habe ich dann noch meine zeltlampe genossen. Ich habe die lichtmodi ausprobiert und mich gefreut das ich sie jetzt endlich habe. Leider etwas zu spät um sie gemeinsam zu testen und sich darüber zu freuen, aber immerhin habe ich jetzt eine.

