27.08.2025 – Tag 99

Ich bin ganz Recht fit aufgewacht. Für meine Verhältnisse hab ich schon echt gut geschlafen. Trotz der Schräglage auf der Wiese. So schräg habe ich glaub ich noch nie geschlafen. Aber solange die Füße niedriger als der Kopf sind, geht es eigentlich erstaunlich gut. Ich habe meinen Kram zusammen gepackt. Das letzte Mal, das ich mein altes Zelt abbaue und zusammenpacke. Das letzte Mal, das ich das tarp morgens zusammenlegen muss.
Zum Kaffee trinken bin ich dann zu einem Unterstand mit sitzen und einem Tisch gegangen. Da saß aber schon jemand und ich fragte ihn ob ich mich dazu setzen kann. Er räumte seinen Kram zur Seite und wir kamen ins Gespräch. Über reisen, das er seine Frau lange gepflegt und dann verloren hat und das er sich dann 7 Monate Auszeit genommen hat und mit einem Bus durch die Gegend gefahren ist. Er hat mich auch nach meiner Motivation und nach meiner Lebenssituation und meinen Wünschen nach und meinem Leben vor der Reise gefragt. Wir haben sehr unbefangen gesprochen und er hat es ganz gut getroffen. Diese Gespräche sind manchmal die tiefsten und unbefangensten, weil man ohne Angst fragen und reden kann, weil man den anderen wahrscheinlich eh nie im Leben wieder trifft. Dann erzählte er mir von seiner Bibel, die er seit seiner Konfirmation bei sich trägt. Er ist sehr gläubig und kann sich auch alles mit Gott erklären. Ich habe ihm gesagt das ich überhaupt nicht gläubig bin und ich es interessant finde, wie sehr er daran glaubt. Ich wollte ihm seinen Glauben nicht schlecht reden und auch nicht diskutieren. Es ist halt sein weg. Ich habe ihm gesagt das aus meiner Sicht die Bibel wahrscheinlich ein schönes Märchenbuch ist, das auch sicher einige interessante Philosophische Gedanken enthält. Daraufhin hat er mit das Buch Salomos empfohlen. Er meinte das es für mich interessant sein könnte, weil der einige Parallelen zu uns hat und zum nachdenken anregt. Ich könnte mir das einfach runterladen. Es ist frei verfügbar. Vielleicht mache ich das mal. Wir haben gemeinsam zuende gefrühstückt, uns zum Abschied noch einander vorgestellt. Er heißt Matthias und ich bin wieder froh ihn kennengelernt zu haben. Danach habe ich meinen Kram zusammen gepackt und bin aufs Fahrrad gestiegen. Ich war noch eine ganze Zeit lang nachdenklich und habe das Gespräch noch ein bisschen nachwirken lassen. Zuerst fuhr ich zum Cafe Extrablatt am Kanal. Dort habe ich mich erstmal hingesetzt und gemalt, weil ich nicht zu früh ankommen wollte. Ich wusste ja wie lange ich ca. Für die Strecke brauche. Plus ein paar „Angstminuten“ wegen Höhenmetern. Ich habe gemalt und mir noch einen leckeren Cocktail geholt. Dann bin ich aber iegendwann losgefahren. Es ging leicht bergauf. Ich wusste schon, das ich heute um die 1000 Höhenmeter vor mir habe.
Aber ich dachte mir gut es wird anstrengend, aber es wird ja sicher auch Mal bergab gehen. Is dann halt nervig aber das bekomme ich schon hin. Was ich überhaupt nicht auf der Uhr hatte war, das der Titisee, wo ich hin wollte um mich da mit Jacky zu treffen, einfach mal ca. 1000m höher liegt als Freiburg. Es gab tatsächlich etwa 5h kein bergab. Nicht Mal gerade. Es ging durchgehend bergauf. Das war der anstrengenste Anstieg, den ich auf meiner ganzen Reise erlebt habe. Ich würde sogar sagen anspruchsvoller, als die Alpenüberquerung, die ich vor ein paar Jahren gemacht habe, wo ich den Brenner Pass hochgefahren bin. Da waren es auch ein paar Stunden bei 5km/h steil bergauf, aber das hier toppte das locker. Ich hatte keine Idee wie bergig der schwarzwald sein kann. Am Ende war ich mit meinem ganzen Gepäck 1277m hoch gefahren. Ich hab später noch Google Maps angemacht und bin danach gefahren, weil Google mir einen Weg sagte der 10km kürzer war als mein Navi an sagte. Das endete damit das ich im Wald schieben musste, weil mein Vorderrad hochgegangen ist, und der ganze weg aus Matsch und Geröll bestand. Ich war irgendwann so fertig und wütend, dass ich laut Google beschimpft habe. Nach einer Ewigkeit mit nur ein paar kurzen Trinkpausen kam ich völlig abgekämpft bei der Unterkunft an, wo ich mich mit Jacky und den Kids getroffen habe. Ich war extrem froh, das ich jetzt erstmal ein paar Tage lang nicht aufs Fahrrad musste.

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