24.08.2025 – Tag 96
Heute bin ich aufgestanden und habe meinen ganzen Kram in der Sonne zwischen den Weinreben ausgebreitet zum trocknen. Ich habe das Gefühl, das die Nächte schon wieder viel kälter sind. Morgens wache ich die letzten Tage manchmal auf, weil mir die Nase von der Kälte wehtut. Irgendwie macht es mich ein bisschen traurig, das der Sommer scheinbar schon zuende geht und keine Kraft mehr hat, ohne das es einen richtigen Sommer gab. Und es kommt mir vor, als wenn es, immer wenn ich Richtung norden komme, wieder voll ungemütlich und kalt wird. Und jetzt wo ich kurz nach Deutschland reinfahren um mich mit Jacky zu treffen und Dörte abhole, ist auch wieder Regen über mehrere Tage angesagt. Naja. Mal schauen. Mich hält die Hoffnung bei Laune, das ich im Süden vielleicht noch Mal Sonne abbekommen kann. Naja. Ich genieße erstmal die schöne Zeit die ich aktuell habe. Ich habe also weiter gepackt und die anderen beiden aus Bremen, mit ihrem VW Bus haben auch schon angefangen sich fertig zu machen. Aber verdeckt vom VW Bus. Ich wollte auch nicht rüber gehen, weil die sicher auch in Ruhe ihre Morgenroutine haben wollen. Als sie fertig waren, kamen sie noch Mal rüber und haben mir gesagt wie cool sie das finden was ich tue und mir viel Spaß und Glück gewünscht. Dann sind sie gefahren.
Ich habe mir dann noch in aller Ruhe einen Kaffee gemacht und alles zusammengepackt. Kurz wieder ein Gefühl von Einsamkeit und dieser Ruhe. Als ich fertig war kam der Winzer gerade aus der Scheune und hat mir nochmal zugewunken. Jetzt ging es weiter an der Weinstraße. Ich hatte das Gefühl das der Ort in dem ich gestern gelandet war und in dem ich jetzt starte, bisher der schönste ist, den ich durchfahren habe. Vielleicht lag es auch an der schönen Morgensonne ohne Wolken.
Als nächstes ging es weiter der Weinstraße nach. Zwischen Weinreben und durch malerische Dörfer. Zwischendurch habe ich sogar noch einen Platz gefunden wo ich mich im Schatten mit meiner hängematte hinhängen konnte um ein bisschen Mittagspause zu machen. Leider war der Wind schon so kalt im Schatten, das ich nicht lange geblieben bin. Am Ende bin ich dann nochmal von der Weinstraße abgekommen. Kurz vor Colmar. Dann bin ich aber einfach meinem Navi gefolgt in die Innenstadt. Colmar ist eine wirklich schöne Stadt. Es gibt viele Fachwerkhäuser im Zentrum und dort ist auch alles mit Blumen geschmückt. Ich hab sogar Menschen gesehen die auf dem Boden saßen und die Häuser gezeichnet haben. Das ist eigentlich auch echt Mal ne schöne Idee. Dafür sind solche Städte natürlich super. Da es aber Sonntag war und scheinbar auch die Gastronomie das Wochenende in Frankreich sehr ernst nimmt, gab es nur ein paar Dönerbuden die auf hatten. Oder Cafés im Zentrum. In der Touristen Hochburg. Dort hat man aber entweder keinen Platz gefunden, oder man konnte wie eine Sardine in der Büchse an einem kleinen runden Tisch Platz nehmen. Oder in ein Lokal gehen, wo 0,5l Bier ab 10€ aufwärts kosten sollte. Die Essenspreise hab ich mir dann gar nicht mehr angesehen. Es kam mir auch ein bisschen vor wie ein Freizeitpark für Touristen. Es fuhr sogar so eine kleine Bimmelbahn auf reifen Rum und kutschierte eng zusammengequetschte Menschen durch die Stadt. Außerdem gab es Gruppen die mit sagways durch die Gegend fuhren. Ich hatte Hunger und war schon kurz davor mir einen döner zu holen, als ich ein paar Straße entfernt vom Trubel ein Café entdeckte, wo kaum Menschen waren. Es gab sogar Sitzplätze im Schatten. Ich hab also mein Fahrrad angeschlossen und mein sketchbook rausgeholt. Ich Male schon seit Ewigkeiten an dem Bild zu einer Mal Challenge. Das Thema ist schwarz/weiß und ich hab mich für ein dotwork entschieden, was ich natürlich wieder mit dem dünnsten Fineliner mache, den ich habe. Jedes Mal wenn ich damit anfange sage ich mir das ich das nie wieder machen will, aber jetzt muss ich da durch. Naja. Ich hab mein Drachenfrucht Saft getrunken und gemalt. Oder besser gesagt gepunktet.
Das hab ich so lange gemacht bis ich irgendwann keine Lust mehr hatte und zum Campingplatz fahren wollte. Der war nur etwa 7km entfernt. Dort angekommen merkte ich schon das er Recht voll war. Ich hab mir einen Platz angesehen, der so klein war das dort kaum mein Zelt drauf gepasst hat. Danach konnte ich mir noch 2 andere Plätze die direkt nebeneinander lagen ansehen. Ich hab erst gar nicht verstanden wie die Einteilung war. Der eine war aber ohne rasen und mit Schotter und auf dem anderen war wenigstens rasen. Schief waren beide. Als ich mir den mit rasen ansah, kam direkt so ein Typ von sonem Camper angelaufen, die vor ihrem Wagen saßen. Er meinte er würde den Schotterplatz nehmen und das ist eigentlich der beste den es hier gibt. Ich bin wieder nach vorn gefahren und wunderte mich, was das für ein Spinner war. Hab mich für den Rasenplatz eingetragen. Mit 17,50€ war es mit Abstand der teuerste Platz den ich bisher in Frankreich genommen hatte. Und ich hatte wesentlich schönere und gemütlichere Plätze. Aber ich hab mir im kleinen Laden trotzdem eine 6er Packung Eier und 2 Dosen Limo geholt. Ich hab schon seit Ewigkeiten bock auf ein paar gekochte Eier. Als ich an meinem Platz mit rasen ankam und mein Fahrrad hinstellte, kam wieder dieser komische Fredel und fragte, ob er und seine Frau jetzt mit ihrem Tisch weggehen sollen. Leider hab ich da noch nicht ganz verstanden was hier läuft. Und meinte das es mir egal ist, ob die da sitzen. Es stellte sich raus das er mit seinem Tisch auf meinem Platz saß und er hatte mir nur den dunklen Schotterplatz angepriesen, weil er hoffte dann weiter beide Plätze nutzen zu können und schön in der Abendsonne zu sitzen. Ich baute mein Zelt dann vorn auf und machte mir essen und ging duschen und was ich sonst noch so tat. Irgendwie bin ich auf der einen Seite froh das ich trotzdem den Rasenplatz genommen habe und auf der anderen Seite ärgere ich mich ein bisschen über mich, das ich die Spinner nicht verscheucht habe. Egal. Der Abend ging ja eh nicht mehr lange und ich war müde. Nachdem ich meinen Kram dann zusammen geräumt habe, bin ich ins Zelt und hab kurz nach 9 schon geschlafen.

