23.08.2025 – Tag 95

Ich bin etwas verkatert aufgewacht, weil ich gestern ja noch lange mit den Franzosen gesessen habe. Geil das die in Hängematten geschlafen haben und das das auch deren Art ist zu „campen“. Eigentlich echt schlau. Mit ner Hängematte ist es eigentlich in jedem Land zumindest geduldet eine nach zu schlafen. Das ist dann biwakieren und nicht campen. Mutig aber das sie nicht Mal ein tarp dabei hatten. Naja, ein Backup Zelt hatten sie zumindest dabei. Ich freu mich schon darauf das Jacky mir auch meine Schlaf hängematte mitbringt. Dann wird das Wildcampen nochmal auf ein anderes Level gehoben. Und ne Hängematte kann auch zum chillen eh nie schaden. Wie auch immer. Ich hab mich morgens dann etwas verloren gefühlt. Ich wusste nicht was ich jetzt als nächstes mache. Ich hatte ja jetzt noch sehr viel Zeit über. 6 Tage bis ich mich mit Jacky treffe. Und zu dem Treffpunkt würde ich es Notfalls in einem Tag schaffen. Ich baute also meinen Kram ab und schnackte noch ein bisschen mit einem anderen Biker aus Bayern, der auch gestern noch auf den Campingplatz kam. Der war auch tiefenentspannt und als ich gegen 11 fertig zur Abfahrt war, war er noch dabei zu frühstücken. Er hatte eine 10er Packung Eier dabei, die er auch noch kochen musste. Jacky hat mir dann einen Link zur französischen Weinstraße geschickt und anhand der Bilder sah es echt schön aus und ich wollte ja eh gern eine Weinstraße fahren und gemütlich irgendwo Flammkuchen essen und Wein trinken. Ich fuhr los und Molsheim, wo ich war, liegt zufällig genau an der Weinstraße. Ich machte mir ganz schön Gedanken, ob ich den Einstieg in die Route finden würde, aber stellte ziemlich schnell fest, das die Weinstraße ziemlich gut ausgeschildert war. An jeder Ecke standen Schilder, so das ich mein Navi nur grob auf eine Stadt einstellen musste um die Richtung im Auge zu behalten. Den Tag über bin ich dann aber nur den schildern gefolgt. Es ging immer an den Vogesen entlang und auf der anderen Seite sah man die Berge vom Schwarzwald. Und das, was ich in der Champagne vermisst hatte, konnte ich hier in vollen Zügen genießen Weinreben neben noch mehr Weinreben. Und die Weintrauben schmeckten Zuckersüß. Natürlich konnte ich nicht einfach vorbeifahren ohne sie Mal zu probieren. Es ging durch viele kleine hübsche Orte mit Fachwerk-Häusern und schon mit Blumen geschmückte Straßenzüge. Es waren auch wirklich viele Fahrradfahrer unterwegs. Hauptsächlich Rennrad Fahrer. Aber eben Radfahrer. Die Fahrradrouten waren auch immer auf sehr kleinen Straßen, oder fern ab von Autoverkehr geführt. Es schlängelte sich durch die Berge und ich hab einige Höhenmeter zurückgelegt. Aber meist langsam und entspannt, weil ich eh an jeder Ecke Fotos machte.
Was mich aber sehr wunderte war, dass irgendwie überall die Kantsteine hochgeklappt waren. Das bedeutet kaum Menschen (außer Touristen) unterwegs und viele Winzer oder Restaurants hatten gar nicht offen. Ein Lokal was wie ich mir vorgestellt hatte und ich suchte gab es nicht, oder es war zumindest nicht offen. Sehr komisch. Irgendwann kam ich dann aber bei einem vinzer vorbei, wo der ganze Hof mit Blumen geschmückt war und es saßen sogar Leute dort im Innenhof und tranken Wein. Ich fuhr erst dran vorbei und drehte dann aber wieder um. Ich hatte Lust ein Glas Wein zu trinken und mir einen Plan zu machen. Schließlich war es schon 16:30 und ich überlegte wo ich heute Nacht mein Zelt aufschlagen konnte. Ein paar kleine Campingplätze auf Bauernhöfen oder weingütern hatte ich gefunden. So richtig überzeugt war ich aber nicht von den. Als ich mich mit meinem Weinglas hinsetze, kam ich erstmal mit der Rennradfahren vom Nachbartisch ins Gespräch, die mega gut fanden das ich mir ein Jahr Auszeit genommen hatte und alles wissen wollten. Die mussten dann aber weiter zu ihrer Gaststätte. Nachdem sie noch 5 Minuten mein bepacktes Fahrrad begutachteten sind sie dann aber los und ich holte mir ein zweites Glas. Das erste war ein seltener Wein, den nicht viele vinzer anbieten. Ein Auxervoir. Hatte ich noch nie gehört. War aber lecker. Dieses mal war es ein Silvaner. Den ich noch besser fand. Inzwischen hatte sich eine Familie am Nachbartisch hingesetzt mit einem jungen. Die fanden mich irgendwie auch sehr interessant und wir redeten auch eine Weile. Sie mussten auf ihr Zimmer warten war ein Stück die Straße runter gerade für die vorbereitet wurde. Als sie weg waren trank ich immer noch an dem Glas Wein und die vinzer fingen schon an langsam alles einzuräumen. Ich holte mein Buch raus, weil ich ja jetzt allein war und las ein bisschen. Inzwischen war es 17:45 und ich hatte keinen Bock auf Schlafplatz suche. Also fragte ich den Mann, der gerade die Blumen goss, ob sie ein Stück Wiese für mein kleines Zelt haben. Der sagte mir das sie kein fließendes Wasser anbieten können und das sie auch keine Toilette haben, aber wenn das ok ist, könnte ich hinters Haus gehen und mich zwischen die Weinreben stellen. Er meinte ab und zu stehen da auch campervans, aber heute ist niemand da. Perfekt. Da ich ja jetzt nicht mehr fahren musste bestellte ich ein 3. Glas und bezahlte direkt. Sie meinten ich kann gern so lange ich will auf der Terrasse sitzen. Ich trank also in aller Ruhe mein Glas aus und ging hinters Haus.
Der Platz war schön und abgelegen und ich kann von hier morgen ohne Umwege direkt weiter an der Weinstraße fahren. Das Ziel ist Colmar. Ich glaube das ist auch das südlichste Ziel der Weinstraße.
Ich baute also mein Zelt an den Weinreben auf und kochte mir eine chilli con carne. Mit meiner letzten Kartoffel und einer kleinen chillichote vom biohof in Nancy. Da kamen auch schon Bremer mit ihrem VW Bus auf die Wiese gerollt. Später stellte sich raus das sie den Platz bei park4night gefunden hatten. Ich begrüßte die mit „Moin“ worauf ein fröhliches „Moin“ zurück kam. Sie kauften noch ein paar Flaschen Wein. Und bauten ihren Campingtisch auf. Ich ging rüber um Mal zu fragen wo sie hin wollen. Und plötzlich saß ich mit meinem campingstuhl an deren Tisch und hab Wein mit ihnen getrunken. Wir hatten noch einen schönen Abend bis es dunkel wurde und haben gequatscht. Sie wollen morgen nach Südfrankreich wo das Wetter noch schöner ist. Langsam wird es hier im Norden echt kälter, habe ich das Gefühl und ich bin froh bald auch weiter in den Süden zu fahren. Ich bin dann auch irgendwann rüber gegangen, hab mich eingerichtet. Um mich Rum war alles ruhig und ich bin schlafen gegangen.

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