07.08.2025 – Tag 79

Ich bin total übermüdet aufgewacht. Konnte aber auch nicht wieder einschlafen. Also bin ich erstmal aufgestanden. Mein Fahrrad war immer noch total vollgematscht, also wollte ich irgendwas dagegen tun. Ich habe also quasi eine Katzenwäsche für mein Fahrrad erfunden. Dazu habe ich mit meinem Messer ein Loch in den Deckel von einer Wasserflasche gebohrt. Damit konnte ich jetzt zumindest Mal grob mit einem kleinen Wasserstrahl den Dreck abspritzen. Richtig sauber wird es dadurch nicht, aber ich kann zumindest Mal den ganzen Sand und Dreck an den drehenden teilen wegmachen irgendwann muss ich mich Mal wieder um so eine Waschanlage kümmern. Ich war aber zumindest schonmal glücklich das man wieder die Farbe des Fahrrades erkennen konnte. Heute ist mein ganzer Lille Tag und ich freute mich schon voll auf einen entspannten Tag in der Stadt. Ins Zentrum waren es nur 12km und ich hatte mir vorgenommen erstmal einen Cappuccino in einem hübschen kleinen Café zu trinken. In die Stadt ging es wieder durch so ein Randgebiet. Das wirkte wieder ein bisschen ominös. Aber egal. Durch da und ins Zentrum zu meinem Café. Irgendwie war meine Unzufriedenheit von gestern weg. Sie wurde abgelöst von einem Gefühl von ganz schlimmer Einsamkeit. Ich wollte so gern mit irgendwem sprechen, Quatsch machen oder einfach Zeit verbringen. Aber weder kannte ich hier irgendwen, noch konnte ich französisch. Im Café konnte ich zumindest meine Cappuccino bestellen und setzte mich auf den kleinen Bereich an der Straße. Der Cappuccino schmeckte mega lecker. Ich versuchte auch noch ein bisschen zu malen, aber irgendwie hatte ich keine Ruhe dafür. Nach dem Getränk, bin ich wieder auf mein Fahrrad und bin erstmal ein bisschen durch die Stadt gedüst. Hier war es echt schön. Kein Haus glich dem anderen. Überall waren kleine Gassen und kleine Geschäfte. Ich hab mir dann erstmal ein bisschen Verpflegung gekauft. Ich habe das Gefühl das Frankreich echt günstiger ist als die vergangenen Länder. Dann habe ich mir einen Park rausgesucht um erstmal was zu essen. Es gab natürlich Baguette. Dazu ein bisschen Limo. Auch hier fühlte ich mich wieder sehr einsam. Viele Leute liefen hier Rum oder saßen in Gruppen auf dem Rasen und schnackten oder spielten Kartenspiele oder botcha. Ich saß allein da und aß mein belegtes Baguette. Also packte ich bald wieder zusammen und fuhr wieder durch die Stadt. Da habe ich am Kanal so Liegebänke gefunden. Da habe ich mich erstmal hingesetzt, gelesen und gemalt. Ich genoss das Wetter trotz Einsamkeit. Wie lange ist es her das es mehrere Tage nach einander mal trocken war? Unglaublich. Nach einiger Zeit dachte ich mir das ich noch ein bisschen die Stadt erkunden will. Schließlich bin ich bisher nur ein bisschen rumgefahren und war hauptsächlich im Park oder am Kanal. Meine nächste Erkundungstour war aber auch nicht so erfolgreich. Lille ist glaub ich Recht klein. Zumindest die Immenstadt und ich kam immer wieder an den gleichen Ecken vorbei und landete wieder im gleichen Park. Ich glaube viele große Parks gibt es hier auch nicht. Nach einiger Zeit beschloss ich dann noch was zum Abendbrot einzukaufen und Richtung Campingplatz aufzubrechen. In einem Citymarkt hatten sie dann nicht was ich wollte und die Sachen kamen mit auch ganz schön teuer vor. Als ich mich an einer geschlossenen Kasse vorbei quetschte konnte ich dann doch noch mit Menschen reden. Die Securitys waren sofort da und wollten in meine Tasche kucken. Das ging sogar auf Englisch. Nachdem sie oberflächlich drauf geschaut haben und ich nicht von mir aus die ganze Tasche leer gemacht habe, haben sie wohl gemerkt das bei mir nichts zu holen ist und haben mich etwas mürrisch gehen lassen. Dann bin ich aufs Fahrrad und erstmal in außenbezirk zu Lidl. Da habe ich mir eine Aufmunterungs- babywassermelone gekauft. Ansonsten noch Tortellini, Tomatensauce, Sardellen und ein bisschen Gemüse. Dazu noch ein bisschen Limo und Joghurt und Obst fürs Frühstück. Total überladen bin ich dann wieder zum Campingplatz
Leider hat die Babywassermelone mehr nach wasser als nach Melone geschmeckt, aber die Nudeln waren ganz lecker.
Eine Sache ist mir dann beim Essen noch durch den Kopf gegangen ist, war, dass ich denke, dass ich mich etwas eingeschüchtert fühle von der Französischen Sprache, bzw. der Aussicht nicht mit den Menschen sprechen zu können. Ich hatte die situation noch nie, das ich nicht sagen konnte was ich brauche oder will, oder Mal ein bisschen mit den Leuten rumzuscherzen. Ich fühle mich mit Englisch sprechen ähnlich frei wie mit Deutsch. Ich habe kein Problem mich zu verständigen, oder Mal rumzuphilosophieren. Ich brauche nicht drüber nachzudenken wie ich etwas sage, oder so. Ich kann einfach sprechen und das ging bisher immer und überall gut. Ich denke, dass ich ein bisschen gehofft habe, dass Ben und seine Frau mir sagen, dass dieses Gerücht mit den Franzosen und ihrer Eigenheit kein Englisch zu sprechen nicht war ist. Irgendwie merke ich, dass ich jetzt versuche Gespräche zu meiden und mich ein bisschen zurück ziehe. Naja, jetzt noch Französisch lernen ist utopisch und wenn ich was sagen möchte fallen mir inzwischen spanische Sätze ein, die ich sagen könnte, wenn ich mich anstrenge und drüber nachdenke. Französisch hab ich bisher gemieden wie die Pest und jetzt muss ich damit leben. Spätestens in Marokko werde ich ja eh vor sie gleiche Situation gestellt sein. Arabisch ist mir schließlich auch nicht so geläufig. Am Abend habe ich dann nur noch ein bisschen rumgehangen und bin früh ins Bett gegangen. Auf Grund der Hitze in meinem Zelt fiel es mir aber nicht wirklich leicht einzuschlafen.

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