28.06.2025 – Tag 47

Ich bin wieder viel zu früh aufgewacht. Um 6 das erste Mal. Ich hasse es wenn man morgens auf Toilette muss und sich aus dem Schlafsack Inlett rauspellen muss und dann in das nasse Gras geht. Echt ungemütlich. Bis 7 hab ich danach noch rumgelegen. Dann bin ich aufgestanden. Das Wetter sah nicht gut aus, also hab ich schnell das Zelt abgebaut und alles im Wind und ein bisschen in der sonne getrocknet. Dann rechtzeitig als es anfing zu nieseln hatte ich alles fertig eingepackt und war sogar schon fertig mit Frühstück. Der andere Bikepacker (Jim) hat immernoch gepennt. Und fing erst an sich zu bewegen als ich schon fast fertig war. Während er einen Kaffe trank, hab ich das Fahrrad fertig gepackt. Ich hab ihm noch tschüß gesagt und dann mein Wasser nochmal am klohäuschen aufgefüllt. Als erstes ging es durch Viborg. Da war scheinbar ein Fest oder ein Sportevent. Überall waren Rennradler und Jogger. Der Ort war so mittel beeindruckend. Man konnte von einem Berg auf den ich gefahren bin über die ganze Stadt schauen. Im Park hab ich dann angehalten und einen Moment meditiert. Ich denke ich muss da erstmal wieder reinkommen. Meine Gedanken überschlagen sich meistens. Aber das ist auch abends oft das Problem beim Einschlafen. Der Moment in Ruhe hat echt gut getan. Bis ich mehrere Male von Mücken gestochen wurde. Da war die Ruhe dann irgendwie weg. Es ging weiter und ich hab mir noch ein paar Snacks geholt. Geplant waren heute 60km und nach der Bergetappe gleich am frühen Morgen brauchte ich Energie.
Dann ging es weiter durch bergiges Gebiet und an Feldern Lang und über Felder und dann wieder durch brusthohes Gras. Naja Abenteuer halt. Ich glaube morgen muss ich wirklich mal ein bisschen meine Schalung reinigen. Zumindest von Unkraut befreien. Am Nachmittag kam dann nochmal eine richtige Bergetappe. Als ich oben ankam wunderte ich mich, das da überall so Fahnen standen und etwas mit Bauzäunen rechts und links. Als ich durchfuhr und rechts und links die Leute mit ihren mitgebrachten Stühlen sah und einen Tisch mit Getränken, wurde mir klar was hier los war. Ich bin gerade mit meinem voll bepackten reiserad von hinten über die Ziellinie eines radrennens gefahren. Die Leute kuckten blöd. Ich auch. Aber was sollte ich machen. Ab hier ging es bergab. Für mich. Für die Rennradfahrer die mir jetzt Endgegner kamen, angeführt von einem blinkenden Polizeimotorrad, ging es bergauf in die Zielgerade. Egal. Aufhalten wollte mich seinbar auch niemand. Auch nicht die Streckenposten die mich verwundert ansahen und mir zum Gruß noch zunickten. Zum Glück hat mein Navi mich dann wieder in den Wald geschickt und ich war weg von dieser Straße. Da ging es für mich wieder bergauf. Es wurde aber nicht besser. Jetzt kamen mir noch Mountainbike Fahrer, auch ausgestattet mit Nummern entgegen. Natürlich mit einer mords Geschwindigkeit. Der vorderste brüllte noch irgendwas zu den die ihm folgten und mir gerade noch rechtzeitig ausweichen konnten. Echt aufregend. Nach einiger Zeit bog ich wieder ab und verließ scheinbar die Rennstrecke.
Als ich den Berg geschafft hatte wurde es wirklich merklich flacher. Ich glaube das war auch der letzte richtige Berg erstmal. Mein Plan ist ja eh zur Westküste zu fahren und da noch ein bisschen am Meer entlang zu fahren. Dort ist es auch wesentlich flacher. Nach den 60km bin ich in meinem Zielort angekommen. Herningen. Mir ist hier auch klar geworden, das ich jetzt schon die Hälfte von Dänemark hinter mir gelassen hatte. Jetzt muss ich mir schon langsam Gedanken machen, wie es in Deutschland weiter geht und ich habe mega Zeit, weil ich viel schneller als geplant vorwärts gekommen bin. Gut zu wissen daß es geht. Ich bin ja immer noch nicht ganz damit fertig rauszufinden was so möglich und Realistisch für die Planung der Etappen ist. Mit Dörte und Sören mußte man sich ja auch ein bisschen aufeinander anpassen, aber allein gehen scheinbar auch über längere Zeiten und mit bergen 60km/Tag. Naja. Jetzt war ich in Herningen und schaute wo ich unterkommen kann. Es war nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte. Es gab die Option 10km zurück zu fahren, was für mich keine Option war, am Autobahnkreuz auf einen sandigen Fläche zu zelten was ich auch irgendwie nicht geil fand, oder noch 20km weiter zu fahren. Ich entschied mich dafür im Laden nochmal ein bisschen was für die Energie zu holen. Lakritz und ein paar kalte pizzagebäck Sachen und für Abendbrot einzukaufen. Heute gibt’s Tortellini. Dann bin ich losgefahren und war schon etwas in Sorge, weil es anfing leicht zu nieseln. Es war den ganzen Tag schon grau und ein wenig windig, und es fühlte sich an, als wenn gleich richtig Regen losgehen könnte. Aber auch bei nieselregen wird der Boden irgendwann nass, also hab ich mich beeilt anzukommen. Am geplanten shelter war kaum Platz und außerdem war der von einem Pärchen belegt, die sich schon ihr bettkram ins shelter gelegt hatten. Die wollte ich auch nicht stören. Zum Glück gab es noch weitere shelter nicht Mal einen km entfernt. Der Platz den ich dann gefunden habe war mega. Es gab ein Sanitärhaus mit einer großen Außenspüle zum abwaschen. Ich habe im Badezimmer erstmal eine große Katzenwäsche gemacht und mich danach wieder wie ein Mensch gefühlt. Da kam ganz schön Dreck runter. Als ich meine Socke auszog sah man sogar eine Kante da wo die Socke begann, weil ich so viel Dreck und Matsch aufgewirbelt hatte. Als ich mich eingerichtet hatte sah ich, das es hier sogar Steckdosen gab, wo man ebikes laden kann. Und natürlich auch powerbanks. Also erstmal alles angestöpselt. Das ist echt cool in Dänemark. Es ist ja quasi wie ein Campingplatz. Nur die Dusche fehlt und die konnte ich ja auch fast komplett ersätzen. Dann kam noch eine Familie, die mir sagten das sie den shelter gebucht haben in dem ich saß, aber das sie in einen anderen gehen. Hier waren 3 von den Häuschen und das was sie jetzt nahmen war eh etwas mehr abseits, was den und auch mir ganz gut passte. Der mann hat mich dann noch ein bisschen über meine Reise ausgefragt und war mega neugierig. Nach meinem essen war ich dann total erledigt und habe es nur noch zu Stande gebracht diesen Text zu schreiben. Morgen könnte ich schon die Küste erreichen. Das wären dann aber wieder 80km. Mal schauen. Ich habe ja jetzt ohne Ende Zeit.

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